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„Ich bin vorsichtiger geworden“ , sagt Julia B. am Tag des Prozesses am Landgericht München I. 

Jetzt war der Gerichtsprozess

Starke Frau: Julia schrie den Vergewaltiger in die Flucht

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Eine friedliche Aprilnacht in Neubiberg: Julia B. ist auf dem Heimweg, als ein Mann sie angreift und vergewaltigen will. Die 28-Jährige ist ihm nun vor Gericht wieder begegnet.

Neubiberg„Ich habe einfach nur wie am Spieß geschrien“, sagt die Redakteurin nach ihrer Aussage vor Gericht. Die 28-Jährige wirkt gefasst. „Es belastet mich nicht mehr“, sagt sie. „Aber ich bin vorsichtiger geworden.“ Der Vergewaltiger in Oberschleißheim, die Angriffe auf Studentinnen an der LMU – Julia B. weiß, wie sich die Opfer fühlen. „Das Schlimme ist: Es kann überall, an vermeintlich sicheren Orten, passieren.“

So wie an jenem 27. April gegen 0.45 Uhr in der Walkürenstraße in Neubiberg. Täter und Opfer steigen kurz zuvor am S-Bahnhof in den Bus der Linie 212 ein. Erst während der Fahrt wird Armin H. auf die junge Blondine aufmerksam. „Sie hat mir gleich gefallen“, sagte er auf der Anklagebank. Zuvor war er auf dem Frühlingsfest, trank eine Mass Bier, trotz Alkoholverbot. Denn: Armin H. sitzt eigentlich im Gefängnis, verurteilt wegen drei versuchter Vergewaltigungen im November 2012. An diesem Wochenende verbringt er seinen Hafturlaub bei seiner Mutter in Neubiberg. Von ihr leiht er sich 100 Euro, um sie in einem Bordell am Moosfeld zu verprassen. Doch der Liebesakt wird zum Flop. Armin H., der regelmäßig in diesem Etablissement verkehrt: „Meine Favoritin hatte keine Zeit, mit der anderen Frau klappte es einfach nicht. Ich war frustriert und wollte meinen Ärger im Alkohol ertränken.“

Auf dem Heimweg vom Frühlingsfest packte Armin H. wieder seine Sexgier. Er stieg mit Julia B. an derselben Bushaltestelle aus, schlich ihr hinterher. „Ich war im Zwiespalt mit mir. Einerseits wusste ich, dass ich mit einem Rückfall meine Therapie gefährde, andererseits konnte ich mich nicht beherrschen“, schildert er. Dann nahm er Anlauf, packte Julia B. von hinten und drückte ihr seine Hand auf den Mund. Die 28-Jährige reagierte vorbildlich – mit panischem Schreien. Sie sagt: „Er war verwirrt, entschuldigte sich und lief davon.“ Armin H.: „Das war wie ein Weckruf. Ich bereue, was ich gemacht habe.“ Die Staatsanwaltschaft erwägt, eine dauerhafte Unterbringung in einer Einrichtung für Sexualstraftäter zu beantragen.

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