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Maskierte zerren jungen Mann ins Auto: SEK-Einsatz samt Helikopter nahe München

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Von: Günter Hiel

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Zahlreiche Streifen und ein Polizeihubschrauber suchten in München nach einer vermeintlich entführten Person.
Zahlreiche Streifen und ein Polizeihubschrauber suchten nahe München nach einer vermeintlich entführten Person. © Nicolas Armer/dpa/Symbolbild

Vier Maskierte springen in Neubiberg aus einem VW-Bus, stülpen einem Mann einen Sack über den Kopf und zerren ihn in den Wagen. Es folgt ein zweistündiger Polizeieinsatz.

Neubiberg – Eine Entführungsszene wie aus einem Krimi hat sich am Dienstag gegen 14.10 Uhr an der Hauptstraße, mitten in Neubiberg (Landkreis München), vor den Augen von schockierten Passanten abgespielt: Vier mit Sturmhauben maskierte Männer springen aus einem VW-Bus, stürzen auf einen jungen Mann zu, packen ihn, stülpen ihm einen Sack über den Kopf, zerren ihn in den Wagen und flüchten.

SEK-Einsatz nahe München: Polizei verfolgt mutmaßliche Entführer bis zum Flughafen

Ein Zeuge der Szene, ein 80-jähriger Münchner, alarmiert sofort die Polizei – und er hat sich das Kennzeichen des VW-Busses gemerkt. Eine Großfahndung läuft an, denn natürlich muss die Polizei von einer Entführung ausgehen und einer akuten Gefährdungslage, erklärt das Polizeipräsidium München. Neben zahlreichen Streifen war auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz, dazu wurden auch Spezialkräfte alarmiert, sprich das SEK.

Eine Streife entdeckte den VW-Bus auf der A99, in Höhe der Anschlussstelle Haar, Fahrtrichtung Norden. Richtung Flughafen, wie sich bei der weiteren Verfolgung herausstellt. Um eine mögliche Gefährdung des mutmaßlichen Entführungsopfers auszuschließen, stoppt die Polizei den Wagen erst im Bereich des Flughafens, an der Einfahrt zum Terminal 2. Nicht mit SEK und vorgehaltener Maschinenpistole, denn da hat die Polizei bereits den Verdacht, dass es sich nicht um eine Straftat handelt. Wer fährt schon mit seinem Entführungsopfer, Sack über dem Kopf, zum Flughafen und will dann einchecken.

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Verunglückter Junggesellenabschied: Polizei ermahnt die „Entführer“

Und in der Tat: Bei der Kontrolle der fünf Männer, zwischen 34 und 39 Jahre alt und laut Polizei aus verschiedenen Ecken Bayerns stammend, stellte sich die vermeintliche Entführung als Junggesellenabschieds-Streich heraus. Die „Entführer“ wollten mit dem Bräutigam nach Mallorca weiterreisen, um den Junggesellen dort wieder zu „entlassen“.

Tatsächlich haben sie den Flug auch noch erwischt. Vorher wurden sie von der Polizei „eindringlich ermahnt“. Die fand den Streich nicht so lustig. Bei den Einsatzkräften muss der Adrenalinspiegel extrem hoch gewesen sein – wahrend die Jungs im VW Bus ihren Spaß hatten. Jedenfalls, bis sie von Zivilkräften der Polizei aus dem Auto geholt wurden.

Teurer Polizeieinsatz: Hochzeit könnte teurer werden, als ursprünglich geplant

Die Polizei prüft, ob sie die Scherzbolde für die Kosten des Einsatzes heranziehen kann. Allein der Hubschraubereinsatz ist richtig teuer, da schlägt die Flugstunde mit rund 4000 Euro zu Buche. Dazu 13 Streifen – da kommt etwas zusammen.

Bei dem Junggesellenscherz handelt es sich nicht um eine Straftat. „Vortäuschung einer Straftat“ scheidet aus, da ja keine Absicht vorlag. Das Verwaltungsgericht muss prüfen, ob man den Männern tatsächlich Kosten in Rechnung stellen kann.

Man könnte die Scherzbolde über den Paragrafen 118 des Ordnungswidrigkeitengesetzes drankriegen, landläufig wegen „groben Unfugs“ bekannt. Da geht die Anzeige ans Landratsamt München, das die Höhe des Bußgelds festlegt. Die Kosten für den Einsatz kämen noch obendrauf. Könnte eine richtig teure Hochzeit werden.

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