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Warnen vor einem Stopp der Frischluftzufuhr , sollten Freiflächen in Neubiberg bebaut werden: die grünen Bürgermeisterkandidaten (v.l.) Armin Konetschny (Unterhaching), Kilian Körner (Neubiberg), Katrin Habenschaden (München), Tania Campbell (Ottobrunn) und David Grothe (Taufkirchen) sowie Landratskandidat Christoph Nadler. 

“Damit schnürt man München die Luftröhre zu“

Kappt Neubiberg München die Frischluft-Zufuhr? - Grüne alarmiert

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Die Grünen aus Stadt und Landkreis warnen vor einem Alleingang der Gemeinde Neubiberg und der Landeshauptstadt München bei einer etwaigen Bebauung im regionalen Grünzug. Bei einem so wichtigen Thema dürfe „keine Kirchturmpolitik betrieben werden“.

Unterhaching/Neubiberg – Die Angst ist groß. Die kühlende Luft aus dem Alpenvorland könnte auf dem Weg nach München just in Neubiberg gestoppt werden, wenn dort unter anderem das Kapellenfeld nördlich des Infineon-Geländes bebaut würde. Diese Idee, „Strukturkonzept Hachinger Tal“ genannt, gibt es in Neubiberg und München (wir berichteten). Wie stark der Widerstand der Grünen gegen dieses im planerischen Anfangsstadium befindliche Vorhaben ist, zeigte die Präsenz bei einer Pressekonferenz im Unterhachinger Rathaus, wo zwölf grüne Politiker ihre Sorgen erläuterten.

Zum Thema: Unterhaching kämpft um den Erhalt der Frischluftschneise

„Schon Infineon (wurde ab 2001 gebaut; Anm. d. Red.) war ein Fehler“, sagte Joachim Lorenz, ehemals jahrzehntelang Umwelt- und Gesundheitsreferent der Landeshauptstadt München. Er hat einst eine Klimafunktionskarte erstellt, die erklärt, wie die Frischluftschneise funktioniert: „In warmen Sommernächten erfolgt dort eine Temperaturabsenkung von bis zu acht Grad Celsius. Schwachwinde von Süden tragen diese Abkühlung nach München.“ Dort drohe buchstäbliche dicke Luft, würde der regionale Grünzug bebaut.

Vorwurf: Geheimnistuerei

Dem Neubiberger Bürgermeister Günter Heyland werfen die Grünen Geheimnistuerei vor und vermissen eine interkommunal abgestimmte Planung. Dass die Rathaus-Vertreter von Neubiberg und Unterhaching sich im Dezember zu einem Informationsaustausch getroffen hatten, ließen die Grünen unerwähnt. Allerdings geht es ihnen um einen größeren Blickwinkel – auch die Interessen von Taufkirchen und Ottobrunn seien tangiert.

„Die Luft hält nicht an Gemeindegrenzen an, ein starres Denken ist verkehrt“, sagte die Bürgermeisterkandidatin für München, Katrin Habenschaden. In diesem Sinne forderte der Landtagsabgeordnete Markus Büchler „regionale Kooperation und keine Kirchturmpolitik“. Jenseits von Umweltfragen werde eine Bebauung zudem hiesige Verkehrssysteme überfordern, glaubt er.

„Damit schnürt man München die Luftröhre zu“

Den Grünen geht es ums große Ganze. Armin Konetschny, Bürgermeisterkandidat in Unterhaching, formulierte seine Vision so: „Wir müssen die Region perspektivisch erfassen und hinterfragen: Wie sieht das Gebiet in den nächsten Dekaden aus?“ Über die Gedankenspiele in Neubiberg hinaus werde auch anderswo am Grünzug geknabbert, beispielsweise in Taufkirchen nahe der Jochen Schweizer Arena oder im Landschaftspark bei Unterhaching, wo der umstrittene CSU-Plan von einem Badesee inzwischen aber ad acta gelegt wurde.

„Bei Stückwerk darf ich mich nicht wundern, wenn Situationen entstehen, die ich nicht mehr managen kann“, sagte Konetschny. Die Bebauung des Grünzugs sei genau solch ein Fall: „Damit schnürt man München die Luftröhre zu.“

Zum Thema: Mehr Grün statt Grau in München - Bürgerbegehren gegen Nachverdichtung

Ökologie und Ökonomie sollen im Einklang sein

Keinesfalls wollen die Grünen an der Planungshoheit von Kommunen wie Neubiberg und München rütteln, betonte Landratskandidat Christoph Nadler. Aber: „Es gilt das Gebot einer interkommunal abgestimmten Planung, um Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen.“ Eine solche Abstimmung finde nicht in ausreichendem Maße statt, da Neubiberg schon ein Planungsbüro beauftragt habe, um den Flächennutzungsplan zu ändern.

Mit einem Katalog von Forderungen wollen die Grünen „eine Zupflasterung des Grünzugs mit Gewerbe- und Wohnbau“ verhindern. Oberste Priorität habe eine gemeinsame und nachhaltige Abstimmung aller beteiligten Kommunen zum Erhalt der Frischluftschneise. Bis zwei mikroklimatische Gutachten, von denen eins schon existiere, veröffentlicht werden, müsse ein Moratorium gelten – also ein Aufschub über die weitere Ausweisung von Bauflächen. „Erst die Informationen, dann die Planungen“, sagte die Landtagsabgeordnete Claudia Köhler. Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland hatte gegenüber dem Münchner Merkur zugesagt, vor weiteren Planungsschritten insgesamt zehn Gutachten abwarten zu wollen.

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