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Neubau des Medizinischen Versorgungszentrums

Kinderarztpraxis droht das Aus

Neubiberg - Ist die Kinderarztpraxis im Medizinischen Versogungszentrum (MVZ) in Neubiberg in Gefahr? Das jedenfalls befürchtet der CSU-Ortsverband. In den neuen Plänen zum Umbau des Zentrums sei die Kinderarztpraxis nämlich nicht berücksichtigt worden. Auch der zuständige Arzt, Dr. Christoph Stöhr-Sökefeld, erhebt den Vorwurf, dass die kinderärztliche Versorgung bewusst aufs Spiel gesetzt wird.

Die Pläne für den Neubau des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) am Rathausplatz 1 lässt die Wellen erneut hoch schlagen. In einer Pressemitteilung fordert die CSU Neubiberg jetzt den Erhalt der Kinderarztpraxis. Nach massiver Kritik von Bürgern, die einen kolossartigen Bau ablehnten, hatte der Investor kürzlich eine abgespeckte Planungsvariante vorgestellt (wir berichteten). Darin ist die Kinderarztpraxis nicht vorgesehen. „Unverständlich und nicht nachvollziehbar“ ist das, heißt es in der Pressemitteilung der CSU. 

Auf der Homepage der Kinderarztpraxis findet Kinderarzt Dr. Christoph Stöhr-Sökefeld deutliche Worte: „Im Gemeinderat wird auf eine gut funktionierende kinderärztliche Versorgung für Neubiberg bewusst verzichtet.“ Seit drei Jahren betreibt er mit zwei weiteren Fachärztinnen die Praxis, die es bereits seit 1992 gibt. Insgesamt sind zwölf Mitarbeiter hier beschäftigt. Die Praxis sei stetig mit dem Wachstum der Gemeinde erweitert worden, um dem medizinischen Versorgungsanspruch gerecht zu werden. Nur in enger Zusammenarbeit mit dem MVZ sei es möglich, das breite Spektrum der Versorgung aufrecht zu erhalten. Dazu zählt laut Dr. Stöhr-Sökefeld unter anderem, dass die Praxis an jedem Arbeitstag geöffnet hat, kurze Wege für Eltern, die Versorgung von nahezu allen akuten Patienten sowie eine kinderkardiologische Versorgung vor Ort. „Unter anderen Umständen ist das nicht realisierbar und in den umliegenden Gemeinden nicht zu finden“, sagt der Arzt. Eine Verlegung an einen anderen Standort in der heutigen Größe sei nach seiner Sicht nicht möglich. Er fragt sich deshalb: „Warum wird im Gemeinderat eine 20 Jahre bewährte kinderärztliche Versorgung für Neubiberg aufs Spiel gesetzt?“ 

Auf Anfrage des Münchner Merkur beim Investor hatte Projektsteuerer Axel Blumenröther die Einschätzung geäußert, durch die neue Flächenaufteilung könnten die Räumen der Kinderarztpraxis womöglich nicht mehr im runderneuerten Komplex untergebracht werden. Neubibergs CSU-Baureferent Bernhard Rott hatte deshalb seine bereits beim Fraktionssprechertreffen aufgestellte Forderung bekräftigt, die Pläne zu optimieren. So sei die Kinderarztpraxis entweder in einem der neuen Doppelhäuser oder im MVZ direkt unterzubringen.

Bürgermeister gibt CSU eine Mitschuld

Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U) ) kann die Aufregung nicht verstehen. Vielmehr spricht der Rathauschef auf Anfrage unserer Zeitung von einer „bodenlosen Aktion“ der CSU. Indirekt sprach der Rathauschef der CSU eine Beteiligung an der jetzigen Situation zu. So sei der private Investor „zur Alternativplanung gedrängt“ worden, „da CSU und Grüne mit ihren Stimmen im Gemeinderat das gemeindliche Bebauungsplanverfahren stoppten“, sagt Heyland. Im neuen Vorentwurf fänden jedoch die ansässigen Kinderärzte nun keinen Platz mehr. Die aktuelle Forderung der CSU klinge „zunächst edel und gut“. Allerdings unterstellt der Bürgermeister gleich in mehrfacher Hinsicht eine fragwürdige Argumentation der Christsozialen. So hätten die Kinderärzte bereits am 11. August den Gemeinderat über den zukünftigen Raumbedarf informiert. Und der lässt sich in der aktuellen, abgespeckten Planung „in keinem Wohnhaus abbilden und sicher nicht ins MVZ pressen“, betont Heyland. Aus Sicht des Rathauschefs hätten sich CSU und Grüne aufgrund ihres ablehnenden Votums des ursprünglichen Entwurfes „selbst ihrer qualitativen Einflussmöglichkeit beraubt“. Dem Gemeinderat sei die Möglichkeit genommen, mitzuentscheiden, an wen der Investor künftig vermiete. „Besonders bedenklich am Vorgehen der CSU ist darüber hinaus, dass sie sich mehr und mehr von einer konstruktiven, fraktionsübergreifenden Zusammenarbeit verabschiedet“, kritisiert Heyland. Der Gemeinderat habe wegen der Sitzungspause in den Sommerferien schlicht noch keine Gelegenheit gehabt, über den neuen Vorschlag des Investors zu beraten. Die vorauseilende öffentliche Positionierung der CSU sei kontraproduktiv. Kein Gemeinderat wolle auf Kinderärzte verzichten.

Harald Hettich & Patricia Kania

Rubriklistenbild: © dpa

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