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Forschen für das Tierwohl: Der Biologe Joachim Wiest zeigt einen „Biochip“ unter dem Mikroskop. Damit können im Labor vermehrte Zellen untersucht werden.

30 Jahre Tierschutzakademie Neubiberg

Labor in Neubiberg erforscht Alternativen zu Tierversuchen

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Neubiberg - Die Akademie für Tierschutz in Neubiberg forscht und informiert seit 30 Jahren zu dem emotionalen Thema Tierwohl. Das Ziel: Nicht nur protestieren, sondern Politik und Forschung aktiv mitgestalten.

Tränende Kaninchenaugen sind der Preis für gepflegte Haare. Noch immer wird die Augenverträglichkeit von Shampoos in Tierversuchen getestet. Das zu ändern, ist eines der Ziele der Akademie für Tierschutz. Am Montag feierte die wissenschaftliche Einrichtung des Deutschen Tierschutzbundes 30-jähriges Bestehen. „Tierschutz mit Herz und Verstand“, nennt Verbandschef Thomas Schröder das, was in dem Gebäude in einem beschaulichen Wohnviertel in Neubiberg im Landkreis München stattfindet.

„Nicht nur protestieren, sondern Tierschutz aktiv gestalten“, erklärt Brigitte Rusche, Leiterin der Akademie, den Anspruch ihrer Einrichtung. Zum Beispiel sollen Kaninchen künftig keine Shampoo-Tests mehr ausbaden müssen. Dazu arbeitet im Zellkultur-Labor der Akademie der Biologe Joachim Wiest vom Unternehmen Cellasys. Wissenschaftler, die Chemikalien in Nager-Augen träufeln, sucht man hier vergeblich. Statt an lebenden Tieren forscht Wiest an künstlich vermehrten Bindehautzellen in der Petrischale. „Einzigartig“ nennt er das Verfahren, das sich derzeit in der Zulassungsphase befindet. Es soll zu einer echten Alternative für Tierversuche heranreifen, weshalb die Akademie seinem Unternehmen die Laborräume überlässt.

Insgesamt beschäftigt die spendenfinanzierte Tierschutz-Akademie inzwischen mehr als 40 Mitarbeiter. Diese sind neben der Forschung auch in der Lobby-Arbeit aktiv und bieten eine Menge Seminare und Fortbildungen an – von artgerechter Eselhaltung bis hin zu tierfreundlicher Ernährung. „Wir wollen in allen Fragen des Tierschutzes fundiert reagieren“, sagt Akademieleiterin Rusche, sei es beim Kampf gegen Ferkelkastration oder für das Käfigverbot für Legehennen.

Mit großem Selbstbewusstsein blicken die Tierschützer auf die 30-jährige Geschichte des Hauses zurück. „Wir haben einen Wertewandel in der Gesellschaft erreicht“, sagt Verbandspräsident Schröder. Er ist überzeugt, dass der Tierschutz-Gedanke inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Damit er sich auch in Verbraucherentscheidungen und Gesetzestexten niederschlägt, brauche es aber einen langen Atem. Seit diesem Jahr verleiht der Tierschutzbund darum den „TiBu“, für besondere Beiträge zu diesem Wertewandel. Zu den ersten Preisträgern gehört das Münchner Tollwood-Festival. Nach der Preisverleihung gibt es Häppchen. Vegan, versteht sich.

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