+
Bald könnte dieses Transparent eingepackt werden: Die geplante Änderung für Passfotos gefährdet die Existenz von Fotografen wie Carsten Schindler aus Haar. 

Vorstoß gegen Fälschungen

Passbilder vom Amt: Schock für Fotografen

  • schließen

Für die Fotografen im Landkreis München ist der Vorschlag ein Riesenproblem: Passfotos sollen künftig von den Behörden selbst gemacht werden.

Landkreis– Wer einen neuen Pass oder Personalausweis beantragt, soll sein Porträtfoto – um vor Manipulation zu schützen – künftig nur noch unter staatlicher Aufsicht der Passbehörde aufnehmen dürfen. Die Behörde hegt die Befürchtung, dass sich Betrüger mittels Morphing Gesichter künstlich zusammenbauen – damit sich mehrere Personen mit demselben biometrischen Pass identifizieren können. Für Fotografen im Landkreis München würde die Neuregelung drastische Verluste ihres Tagesgeschäfts bedeuten. Dem Fotohandel in Deutschland drohen laut Handelsverband Umsatzeinbußen in Millionenhöhe.

Florian Schmidbauer (46) vom Fotostudio Neubiberg-Ottobrunn zieht zum 1. Februar von der Mainstraße in Neubiberg nach Ottobrunn um. Die neue Adresse ist am Bogen. Einen fotografischen Schwerpunkt gibt es nicht. Alle Bereiche von Hochzeit, Familienfotos und Passfotos, Produkt-, Architektur- und Eventfotografie deckt er ab. Er hat sich mit dem Vorschlag aus dem Innenministerium notgedrungen beschäftigen müssen. Wenn die Regierung einen solchen Vorstoß macht, dann dürfe man auch damit rechnen, dass es so kommt.

Angst um die Laufkundschaft

Dabei, so Schmidbauer, gäbe es technische Alternativen: „Die Ämter könnten mit Fotostudios zusammenarbeiten und mittels einer speziellen Software die Dateien auf digitalem Wege an die Gemeinde oder Stadt übermitteln.“ Denn der Verlust des Passfoto-Geschäfts wäre problematisch für die Fotografen: Sie erreichen laut Schmidbauer viel Laufkundschaft – jeder braucht die Bilder, ob Hausfrau, Manager oder Familie. Und bei Zufriedenheit folgen unter Umständen weitere Aufträge.

Carsten Schindler macht seit 25 Jahren Passfotos. In seinen beiden Läden in Haar und Unterhaching fertigt er mit professionellem Equipment rund 400 Abbildungen für den Ausweis im Monat. Es wäre für ihn ein Drama, wenn das Ganze von jetzt auf eben beendet werden müsste. Er gibt rundheraus zu, dass seine Existenz daran hängt – wie bei vielen Kollegen im Landkreis. Der Fotograf hofft, dass der Handelsverband das Vorhaben des Bundesinnenministeriums noch stoppen kann. Dieser wehrt sich so gut er kann und argumentiert: „Da die Fotohändler mit der Erstellung der Passbilder nicht nur den höchsten Deckungsbeitrag erzielen, sondern dieser Service auch maßgeblich für Kundenfrequenz in den Geschäften sorgt, würde dieser Plan Millionenumsätze im Handel vernichten.“

Führerschein-Umtausch betrifft 43 Millionen Fahrer: Darauf sollten Sie jetzt achten

Teure Umrüstung bei den Behörden

Die befürchteten Bildmanipulationen finden laut Carsten Schindler ohnehin nicht in Bayern statt. „Nur weil in Deutschland zwei Fälle von Betrug aufgetaucht sind, muss man doch nicht Tausende Existenzen vernichten“, findet er. Zusätzlich würden auch noch 177 Millionen Euro an Steuergeldern verwendet, um die Gemeinden mit dem neuen Fotoequipment auszustatten. Das ist eine schwere Belastung. „Wir haben uns auf die biometrischen Fotos extra eingestellt. Automaten gekauft, Kameras und Zubehör. Und jetzt kommt Väterchen Staat und nimmt einem das weg.“ Bislang mussten die Fotoläden gegen Amazon und große Baumarktketten ankämpfen, die Equipment und Fotorahmen günstig verkaufen, jetzt trete der Staat als Gegner auf. „Und ich glaube kaum, dass man uns entschädigen wird“, sagt Schindler.

Dabei hat man in den Gemeinden schon Erfahrung mit Passbildautomaten im Rathaus. Die Ergebnisse eines Modells in Ottobrunn seien so schlecht gewesen, dass die Fotos gar nicht angenommen wurden. Jetzt sollen Tausende Verwaltungsreferate umgerüstet werden.

„Ein ganzer Berufszweig verstaatlicht“

Fotograf Charles Diehle aus Oberhaching hat ein Fotostudio in Ottobrunn und ist beruflich nicht mit Passfotografie befasst. Er gehört laut der Homepage Zankyou zu den zehn besten Hochzeitsfotografen in und um München. Aber er hat eine dezidierte Meinung zum Gesetzesvorhaben: „Meine Schwester würde nie in einen solchen Automaten gehen, weil die Fotos furchtbar aussehen.“ Es sei natürlich ein Unterschied, ob der Kunde zu einem Profi gehe und ein Bild machen lasse, das richtig ausgeleuchtet ist und einen vorteilhaft erscheinen lässt. Fälschungssicherheit hin oder her. Und Diehle findet: „Es ist doch schrecklich, dass man einen ganzen Berufszweig verstaatlicht. Unmöglich, in einer Demokratie nicht machbar.“

Schlauer reisen: Wann brauche ich einen Reisepass?

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die Narren sind los
Es geht auf die Höhepunkte des närrischen Treibens zu. In den kommenden Tagen erobern Piraten und Co. vielerorts wieder die Straßen. Alle Termine von Weiberfasnacht bis …
Die Narren sind los
Diese Metzgerei macht den besten Leberkas in ganz Bayern - es gibt ihn oft auch in München
Jetzt ist es offiziell: Experten haben den besten Leberkas in ganz Bayern gekürt. Die Metzgerei mit ihrem Verkaufsmobil setzte sich gegen Ladenbesitzer aus dem Freistaat …
Diese Metzgerei macht den besten Leberkas in ganz Bayern - es gibt ihn oft auch in München
Autofahrer kurvt durch Feuerwehr-Absperrung - mit Folgen
An einer Unfallstelle an der Auffahrt zuu A94 bei Feldkirchen hat sich ein Münchner (62) mit seinem Wagen durch die Absperrung der Freiwilligen Feuerwehr gedrängelt - …
Autofahrer kurvt durch Feuerwehr-Absperrung - mit Folgen
Chemiekonzern will zwei Hektar Land in Pullach versiegeln - und erklärt die Gründe
Trotz Bauchschmerzen der Gemeinde will das Chemieunternehmen United Initiators in Pullach knapp zwei Hektar Land für Lagerflächen versiegeln. Ein Gewinn für alle, …
Chemiekonzern will zwei Hektar Land in Pullach versiegeln - und erklärt die Gründe

Kommentare