+
Die Bahn setzt wieder Taktverstärker bei S3 und S8 ein. 

Ab 11. November

Pendlerprotest zeigt Wirkung: S-Bahn setzt wieder Taktverstärker bei S3 und S8 ein 

  • schließen
  • Patricia Kania
    Patricia Kania
    schließen
  • Stefan Weinzierl
    Stefan Weinzierl
    schließen

Nachdem die Bahn im September den Zehn-Minuten-Takt auf den Linien S3 und S8 gestrichen hatte, hagelte es Kritik von Pendlern und Politik. Das zeigte offenbar Wirkung. Denn jetzt setzt die S-Bahn die Taktverstärker wieder aufs Gleis. 

Update 8. November 2019: Wie die Deutsche Bahn mitteilt, werden ab 11. November wieder Taktverstärkerzüge auf den Linien S3 und S8 aufs Gleis gesetzt. Zu den zwölf Fahrten, die seit dem 21. Oktober auf der S3 im Fahrplan stehen, kommen auf dieser Linie nun sieben weitere Taktverstärker-Züge hinzu – vier zur morgendlichen Berufsverkehrszeit und drei abends. Zudem bietet die S-Bahn München auch auf der S8 wieder die ersten Züge des 10-Minuten-Takts an. Insgesamt werden auf der S8 elf Fahrten zwischen Weßling beziehungsweise Germering-Unterpfaffenhofen und Ostbahnhof zurückkehren, vier morgens, sieben abends.

Hintergrund für die Streichung des Zehn-Minuten-Takts waren Engpässe beim Personal und bei den Fahrzeugen. Innerhalb einer eigens eingerichteten Taskforce unter Vorsitz des bayerischen Bahnchefs Klaus-Dieter Josel konnte die S-Bahn München zuletzt die Fahrzeugsituation optimieren, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Programm zur Wiederaufnahme der Taktverstärker laufe mit Nachdruck weiter. Dazu  würden zusätzliche Kräfte aus dem DB-Verbund die Wartung und Instandhaltung der Züge in der Werkstatt beschleunigen. Seit Ende Oktober sind vier Fahrzeuge der Baureihe ET 425 aus Frankfurt im Münchner S-Bahn-Netz unterwegs. Die Züge werden aktuell vor allem auf der Linie S20 eingesetzt.

Gleichzeitig läuft der Umbau der S-Bahn-eigenen ET 420 auf Hochtouren. Auch intensiviert die S-Bahn München die Qualifizierung neuer Mitarbeiter im Werk, damit sie schneller das Werkstatt-Team unterstützen können.

S-Bahn München streicht Taktverstärker: „Das völlig falsche Signal“

Ursprünglicher Artikel vom 14. September 2019: 

Landkreis - Vorerst bis Dezember ist damit der Zehn-Minuten-Takt zu den Hauptverkehrszeiten Geschichte. Tausende Landkreisbürger und Pendler sind von derEntscheidung der Bahn, die sie mit Personal-Engpässen und fehlenden Fahrzeugen begründet, betroffen. Für Göbel ist die Nachricht ein „Schlag ins Gesicht“. Die S8 ist eine der beiden Linien zum Flughafen. Sie wird auch von Tausenden Arbeitnehmern in den großen Gewerbegebieten in Unterföhring und Ismaning genutzt. Allein die Allianz AG Deutschland hat am Standort Unterföhring 8500 Mitarbeiter. „3500 Mitarbeiter pendeln täglich mit der S8 oder dem Bus“, sagt Ingo Schulz, Allianz-Abteilungsleiter Innere Dienste. „Wir sehen die Ausfälle sehr kritisch.“ Schon jetzt, nach den Sommerferien, seien die Züge wieder übervoll. „Die Linie ist überlastet. Bei den Mitarbeitern herrscht große Unzufriedenheit. Wir warten schon lange auf den Einsatz von Langzügen.“ Viele Allianz-Mitarbeiter nutzen das Job-Ticket, das die Allianz ihren Angestellten anbietet. „Das ist auch ein Umwelt-Thema“, sagt Schulz: „Die Bereitschaft, auf die S-Bahn oder das Fahrrad umzusteigen, ist bei uns groß.“ Umso kritischer sei jetzt der Rückschritt beim Service zu bewerten. 

Auf der Linie der S3 sind bisher die Gemeinden Unterhaching, Taufkirchen und Oberhaching mit ihren Bahnhöfen in den Genuss des Zehn-Minuten-Takts gekommen. Umso heftiger fallen die Reaktionen aus. „Das ist das völlig falsche Signal“, findet Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD). Er erinnert an die Anstrengungen, die der Lankreis unternehme, um den öffentlichen Personennahverkehr für die Bürger attraktiver zu machen. Man baue ständig die Busverbindungen aus und habe monatelang um eine attraktive Tarifreform gerungen. Ausgerechnet, wenn diese in Kraft trete, werde nun der Service eingeschränkt. Panzer kann nachvollziehen, dass es aufgrund von Personalausfällen für ein paar Wochen einmal zu Einschränkungen kommen kann. Aber hier sei von Monaten die Rede – und Panzer fürchtet, dass die Einschränkung womöglich ganz das Ende des Zehn-Minuten-Takts bedeuten könnte. 

Oberhachings Bürgermeister schimpft: „Untragbar unsere Deutsche Bahn“

Dass die Bahn sich fast zeitgleich im Rahmen einer Werbekampagne als „Deutschlands schnellster Klimaschützer“ präsentiert, der mehr Verkehr auf die Schiene verlagern will, wurmt Oberhachings Rathauschef Stefan Schelle. „Untragbar, ,unsere‘ Deutsche Bahn!“, kommentiert er auf Facebook. 

Landkreis München: Auch viele Schüler kommen mit der S-Bahn

Auch Gerald Faißt, Leiter der Walter-Klingenbeck-Schule in Taufkirchen, hält die Entscheidung für kontraproduktiv. „Wir alle drängen momentan doch darauf, dass wir den Verkehr weg von der Straße bringen“, sagt er. Von seinen knapp 1000 Schülern seien viele Pendler, die mit der S-Bahn zum Bahnhof Taufkirchen fahren und dann die rund fünf Minuten zu Fuß zur Realschule gehen würden. Statt Züge zu streichen, so Faißt, müsste das Angebot weiter ausgebaut werden. 

Mitarbeiter bei Infineon beklagen seit Langem Unzuverlässigkeit der Bahn

Rund 2500 Mitarbeiter von Infineon und Intel am Campeon in Neubiberg nutzen die S 3. „Die Mitarbeiter beklagen sich bereits seit geraumer Zeit über Unzuverlässlichkeiten im Zehn-Minuten-Takt und die damit verbundenen Unannehmlickeiten auf dem Arbeitsweg“, sagt Unternehmenssprecherin Diana Kaaserer. Sie betont, wie wichtig der Zehn-Minuten-Takt für eine gute Anbindung ist: „Die S-Bahn spielt eine Schlüsselrolle, um Mobilität in München zukunftsfähig zu machen. Es muss daher sichergestellt werden, dass sie diese Rolle auch erfüllen kann.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Einbahnstraße: Anwohner-Votum zwingt CSU zum Umdenken
Die CSU-Fraktion hat ihren im September eingereichten Antrag zur Einbahnstraßenregelung in der Kramerstraße und dem Schlossangerweg sowie zum Halteverbot in der …
Einbahnstraße: Anwohner-Votum zwingt CSU zum Umdenken
Irre Verfolgungsjagd durch Deutschland endet in Garching: „Ich hatte noch Restdrogen intus“
421 Kilometer Flucht quer durch Deutschland: Für eine filmreife Verfolgungsjagd, die nahe Garching (Kreis München) endete, müssen sich zwei junge Männer vor dem …
Irre Verfolgungsjagd durch Deutschland endet in Garching: „Ich hatte noch Restdrogen intus“
Grüne Schäftlarn haben die Herrschaft der CSU im Visier
Marcel Tonnar wird bei der Kommunalwahl 2020 als parteiloser Bürgermeisterkandidat für die Grünen in Schäftlarn antreten.
Grüne Schäftlarn haben die Herrschaft der CSU im Visier
Millionen-Schaden in nagelneuer Musikschule: In 18 Räumen müssen die Böden raus
Die VHS und die Musikschule sind gerade erst eröffnet, da müssen etliche Böden wieder raus. Ein Folge des Wasserschadens. Auch die Ursache für den Schaden steht …
Millionen-Schaden in nagelneuer Musikschule: In 18 Räumen müssen die Böden raus

Kommentare