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Geht es auf den Bahnsteigen, wie hier in Unterhaching, bald zu wie auf der Wiesn? Die Bahn streicht die Taktverstärker, der Landrat warnt vor überfüllten Zügen und Bahnhöfen.

Bei S3 und S8

„Schlag ins Gesicht“ für Landkreis-Pendler: Bahn streicht Zehn-Minuten-Takt

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    Stefan Weinzierl
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Lange Wartezeiten am Bahngleis, übervolle Züge und noch mehr Staus auf den Straßen. Dieses Schreckensszenario erwartet Landrat Christoph Göbel nach einer Ankündigung der Deutschen Bahn.

Landkreis - Vorerst bis Dezember ist damit der Zehn-Minuten-Takt zu den Hauptverkehrszeiten Geschichte. Tausende Landkreisbürger und Pendler sind von derEntscheidung der Bahn, die sie mit Personal-Engpässen und fehlenden Fahrzeugen begründet, betroffen. Für Göbel ist die Nachricht ein „Schlag ins Gesicht“. Die S8 ist eine der beiden Linien zum Flughafen. Sie wird auch von Tausenden Arbeitnehmern in den großen Gewerbegebieten in Unterföhring und Ismaning genutzt. Allein die Allianz AG Deutschland hat am Standort Unterföhring 8500 Mitarbeiter. „3500 Mitarbeiter pendeln täglich mit der S8 oder dem Bus“, sagt Ingo Schulz, Allianz-Abteilungsleiter Innere Dienste. „Wir sehen die Ausfälle sehr kritisch.“ Schon jetzt, nach den Sommerferien, seien die Züge wieder übervoll. „Die Linie ist überlastet. Bei den Mitarbeitern herrscht große Unzufriedenheit. Wir warten schon lange auf den Einsatz von Langzügen.“ Viele Allianz-Mitarbeiter nutzen das Job-Ticket, das die Allianz ihren Angestellten anbietet. „Das ist auch ein Umwelt-Thema“, sagt Schulz: „Die Bereitschaft, auf die S-Bahn oder das Fahrrad umzusteigen, ist bei uns groß.“ Umso kritischer sei jetzt der Rückschritt beim Service zu bewerten. 

S-Bahn München streicht Taktverstärker: „Das völlig falsche Signal“

Auf der Linie der S3 sind bisher die Gemeinden Unterhaching, Taufkirchen und Oberhaching mit ihren Bahnhöfen in den Genuss des Zehn-Minuten-Takts gekommen. Umso heftiger fallen die Reaktionen aus. „Das ist das völlig falsche Signal“, findet Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD). Er erinnert an die Anstrengungen, die der Lankreis unternehme, um den öffentlichen Personennahverkehr für die Bürger attraktiver zu machen. Man baue ständig die Busverbindungen aus und habe monatelang um eine attraktive Tarifreform gerungen. Ausgerechnet, wenn diese in Kraft trete, werde nun der Service eingeschränkt. Panzer kann nachvollziehen, dass es aufgrund von Personalausfällen für ein paar Wochen einmal zu Einschränkungen kommen kann. Aber hier sei von Monaten die Rede – und Panzer fürchtet, dass die Einschränkung womöglich ganz das Ende des Zehn-Minuten-Takts bedeuten könnte. 

Oberhachings Bürgermeister schimpft: „Untragbar unsere Deutsche Bahn“

Dass die Bahn sich fast zeitgleich im Rahmen einer Werbekampagne als „Deutschlands schnellster Klimaschützer“ präsentiert, der mehr Verkehr auf die Schiene verlagern will, wurmt Oberhachings Rathauschef Stefan Schelle. „Untragbar, ,unsere‘ Deutsche Bahn!“, kommentiert er auf Facebook. 

Landkreis München: Auch viele Schüler kommen mit der S-Bahn

Auch Gerald Faißt, Leiter der Walter-Klingenbeck-Schule in Taufkirchen, hält die Entscheidung für kontraproduktiv. „Wir alle drängen momentan doch darauf, dass wir den Verkehr weg von der Straße bringen“, sagt er. Von seinen knapp 1000 Schülern seien viele Pendler, die mit der S-Bahn zum Bahnhof Taufkirchen fahren und dann die rund fünf Minuten zu Fuß zur Realschule gehen würden. Statt Züge zu streichen, so Faißt, müsste das Angebot weiter ausgebaut werden. 

Mitarbeiter bei Infineon beklagen seit Langem Unzuverlässigkeit der Bahn

Rund 2500 Mitarbeiter von Infineon und Intel am Campeon in Neubiberg nutzen die S 3. „Die Mitarbeiter beklagen sich bereits seit geraumer Zeit über Unzuverlässlichkeiten im Zehn-Minuten-Takt und die damit verbundenen Unannehmlickeiten auf dem Arbeitsweg“, sagt Unternehmenssprecherin Diana Kaaserer. Sie betont, wie wichtig der Zehn-Minuten-Takt für eine gute Anbindung ist: „Die S-Bahn spielt eine Schlüsselrolle, um Mobilität in München zukunftsfähig zu machen. Es muss daher sichergestellt werden, dass sie diese Rolle auch erfüllen kann.“

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