Gastgeber Günter Heyland (r.) und seine Frau Susanne (2.v.r.) begrüßen den Leiter des Gymnasiums, Reinhard Rolvering, und dessen Frau Monika.

Neujahrsempfang Neubiberg

Friedenswunsch mit Kratzern

Neubiberg - Trotz Terrorangst sich weiter in den Dienst der Mitmenschen zu stellen:  Dazu ruft der Bürgermeister auf - und zeichnet diejenigen aus, die das tun.

Der Terroralarm in München in der Silvesternacht, der Anschlag mit 15 Todesopfern auf eine deutsche Reisegruppe in Istanbul oder die jüngste Meldung aus Nordkorea über den Test einer Wasserstoffbombe – auch für Neubibergs Gemeindechef ist es „sehr bedauerlich, dass unsere Sehnsucht nach einem friedvolleren Jahresbeginn 2016 jetzt schon wieder viele Kratzer bekommen hat.“ Man werde das Gefühl nicht los, „es reiche ein einziges brennendes Streichholz, und schon steht die Welt wieder in Flammen“, kommentierte Heyland die aktuelle Weltlage vor rund 120 Gästen in der Grundschule am Rathausplatz. 

Dass bei der Vielzahl der Schreckensmeldungen Ängste bei vielen Bürgern entstehen, könne Heyland nur zu gut verstehen. Und dennoch appellierte Neubibergs Bürgermeister an die Zuhörer, „die Angst nicht über unsere Zukunft entscheiden zu lassen“ sondern sich vielmehr selbst zu fragen: „Was kann ich dazu beitragen, das friedliche Zusammenleben von Einheimischen und Fremden zu fördern?“

Eine Frage, die sich Norbert Büker seit Jahren stellt und unter anderem 2014 mit der Gründung des Neubiberger Asylhelferkreis selbst beantwortet hat. Mittlerweile haben sich Bükers Engagement im Asylhelferkreis über 300 Mitbürger angeschlossen, die ehrenamtlich Tag für Tag den 300 in Neubiberg untergekommen Asylsuchenden unter die Arme greifen und damit den Start in deren neuer Heimat erleichtern. 

Ein Engagement, das die Gemeinde jetzt mit der Ehrenmedaille honoriert hat. Wobei Büker keinesfalls verschweigt, dass das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen jede Menge Konfliktpotenzial berge. Und dennoch seien die Flüchtlinge eine große Bereicherung für die deutsche Gesellschaft, brächten diese doch Eigenschaften mit, die hierzulande deutlich geringer ausgeprägt seien. Büker: „Der Familienzusammenhalt, den diese Kulturen praktizieren, kann unserer Gesellschaft nur gut tun.“ Auch die Dankbarkeit, die viele Asylsuchende den Helfern entgegenbringen, sei jede Mühe wert.

Dankbarkeit, die dem 18-jährige Florian Schmidt zwar nicht von dem Menschen, dem er das Leben rettete, entgegengebracht worden ist, dafür aber von seiner Heimatgemeinde, die ihm dafür die Ehrenmedaille verliehen hat. Denn Schmidt hatte im vergangenen Jahr einen volltrunkenen jungen Mann, der auf den S-Bahn-Gleisen seinen Rausch ausschlafen wollte, kurz vor Eintreffen eines Zuges von den Gleisen gezogen, und ihm somit das Leben gerettet. Eine Aktion, die ihm nicht nur ein breites Medienecho (Schmidt: „Das war schon verrückt, sich überall in den Zeitungen zu sehen“) einbrachte, sondern auch ein besonderes Lob seiner Mama Tina, die ihn zum Neujahrsempfang begleitet hat: „Dass er nicht einfach weggesehen, sondern eingegriffen hat, macht mich als Mutter natürlich sehr stolz.“ 

Mathias Weinzierl

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