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Dämmerstimmung: Die Tage der Grünfläche an der Eichenstraße sind gezählt. Die Gemeinde will das Grundstück bebauen. Die Anwohner hadern wegen des Verlustes einer wichtigen Spielfläche für die Kinder. 

Anwohner kritisieren Bauprojekt

Wohnungsdruck gegen Lebensqualität

Die Gemeinde Neubiberg braucht dringend bezahlbaren Wohnraum. Drei Bau-Projekte sollen deshalb möglichst bald entlang des Floriansangers, Auf der Heid und im Bereich einer derzeit noch begrünten Freifläche im Bereich der Eichenstraße umgesetzt werden. Doch Anwohner beklagen, dass Kinder dann bald keinen Platz zum Spielen mehr haben. Am heutigen Montag wird sich der Gemeinderat mit dem Thema befassen.

NeubibergWährend am Floriansanger derzeit die Planungen laufen und Auf der Heid nach Informationen aus dem Rathaus noch im März der erste Spatenstich erfolgen soll, befinden sich die Planungen für das dritte Projekt östlich der Cramer-Klett-Straße mit geplanten 22 neuen (MIet)-Wohneinheiten vis-á-vis der Realschule noch im relativen Frühstadium. Relativ, weil auch hier die Aushubarbeiten wohl schon im September beginnen sollen. Nur Freunde hat das Projekt allerdings nicht. Anwohner aus den Eigenheimer-Siedlungen in der Umgebung beklagen besonders den Verlust der aus ihrer Sicht so wichtigen Spielfläche für die Kinder.

„In einer Siedlung mit 150 Wohneinheiten und einer aufgrund des Generationenwechsels dort stetig wachsenden Zahl von derzeit 40 Kindern gibt es bald keine wohnortnahe und verkehrssicher erreichbare Spielfläche mehr“, sagt Anwohner-Sprecher Markus Förg. „Ich finde diese Vorgehensweise mehr als unmöglich.“

Anwohner fühlen sich im Nachteil

Rund 40 Kinder müssten künftig längere und gefährlichere Wege auf sich nehmen, um die nächsten Spielflächen wie im Abloner Garten zu erreichen. Von den Argumenten der Gemeinde zeigen sich Förg und die Anwohner nicht überzeugt. In der Gemeinderatssitzung heute um 19 Uhr ist das umstrittene Thema auf der Tagesordnung. Förg will dann einen eigenen Antrag einbringen. So will er die Gemeinde auffordern, für die wegfallende Freifläche eine ortsnahe Ersatzspielfläche zur Verfügung zu stellen. Zudem solle geprüft werden, ob die im Zuge des Neubauvorhabens vorgesehene Hof-Spielfläche auch von Kindern der Umgebung genutzt werden könne. Derzeit sammle er bereits reichlich Unterschriften in der Umgebung Die aktuelle Planung sei jedenfalls nicht nachvollziehbar und auch der Gemeinderat nicht ausreichend involviert gewesen. Bei einem dreistündigen Runden Tisch mit Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U) und der Verwaltung sei „auf die Belange der Einwohner nur begrenzt eingegangen“ worden, findet Förg.

Bürgermeister beruft sich auf Baurecht

Dem widerspricht Rathauschef Heyland. Richtig sei zwar, dass die Freispielfläche zugunsten des Wohnprojektes wegfalle. „Doch auf dem besagten Gelände besteht seit 50 Jahren Baurecht“, betont er. Man schaffe hier kein außergewöhnliches Baurecht, sondern nutze bislang zurückgehaltene Flächen für ein wichtiges Projekt. Es gelte dringend, weiteren bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen zu schaffen. Neubiberger Bürger oder dort Beschäftigte sollen in den Genuss des Wohnens dort kommen. Einen exakten Kriterienkatalog der Vergabe werde der Gemeinderat laut Heyland noch festzurren. Die Bauumrisse stünden. Nach dem Spatenstich im Herbst solle vom Partner AWOhnbau die neue Anlage binnen 15 Monaten B

Die Gemeinde hatte das Gelände zuvor in Erbpacht an den sozialen Bauträger übertragen. Heyland gab zu bedenken, dass der Wegfall der Spielfläche für die Betroffenen zwar bedauerlich, aber alternativlos sei. „Zudem verfügt unsere Gemeinde über genügend Spielflächen – auch in der näheren Umgebung“. Er verwies auf den Abloner Garten. „Der Spielplatz dort wird richtig aufgepeppt und ist auch für die betroffenen Bewohner gut erreichbar.“ Zudem sei die Siedlungsstruktur im jetzt nach zu verdichtenden Areal vor allem durch Reihenhäuser mit eigenen Gartenanteilen gekennzeichnet. „Da gibt es ohnehin viel Grün und Spielfläche“, argumentiert der Bürgermeister. Über die Details habe man die Bürger umfassend unterrichtet, wehrt sich Heyland auch gegen den Vorwurf des Anwohner-Sprechers, das Erbbaurecht an die AWOhnbau praktisch im Schnellschussverfahren übertragen zu haben.

Straßenausbau wird für Anwohner teuer

Allerdings hatte der Bürgermeister hatte der Bürgermeister noch eine Nachricht im Gepäck. Denn auch der Straßenausbau entlang der Eichen-, Pappel- und Erlenstraße war Thema. Dieser soll nach Abschluss der neuen Hausbauaktivitäten stattfinden. „Hier werden die Anwohner aufgrund der Straßenausbaubeitragssatzung finanziell beitragspflichtig.“ Auch keine wirklich segensreiche Kunde für die vor Ort Betroffenen.

Harald Hettich

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