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Es geht los auf der Spielwiese: Den ersten Spatenstich setzen symbolisch (v.l.) AWohnbau-Vorsitzender und Hohenbrunner Bürgermeister Stefan Straßmair, AWohnbau-Aufsichtsrats-Vize Jens Jourdan, Vorstandsmitglied AWohnbau Mindy Konwitschny, AWohnbau-Aufsichtsratschef und Putzbrunner Bürgermeister Edwin Klostermeier, Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland, Landrat-Stellvertreterin Annette Ganssmüller-Maluche, Vorstandsmitglied AWohnbau Max Wagmann, Projekt-Architekt Christian Würfel, Roman Dienersberger von der Regierung von Oberbayern sowie Robert Daxeder vom Bauunternehmen Daxeder.

Nach Protesten der Anwohner 

Baustart für soziale Wohnungen im zweiten Anlauf

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Im zweiten Anlauf klappte am Freitag der erste Spatenstich. Auf der ehemaligen Spielwiese zwischen der Linden- und Pappelstraße in Neubiberg errichtet die AWohnbau Genossenschaft Landkreis München ab sofort als Pilotprojekt ein erstes Bauvorhaben.

Neubiberg– Ende 2018 sollen auf einem 2660 Quadratmeter großen Areal 22 Wohnungen mit ein bis fünf Zimmern bezugsfertig sein. Dazu entsteht eine Tiefgarage.

Die Gemeinde Neubiberg als Grundstückseigentümer hat das Vergaberecht für die barrierefrei konzipierten, 52 bis 76 Quadratmeter großen Wohneinheiten in zwei Häusern. Vor allem niedrige und mittlere Einkommensgruppen sollen hier zum Zug kommen. Mit diesem sozial-kommunalen Ansatz wollen Genossenschaft und Gemeinde dem Mietwahnsinn in der Metropolregion München bezahlbaren Wohnraum entgegensetzen.

Am Anfang nicht von Harmonie begleitet

Beim Projekt Pappelstraße soll es indes nicht bleiben. In Neubiberg ist ein weiteres Bauvorhaben mit elf Wohneinheiten am Floriansanger bereits in Planung. Beide Grundstücke wurden vonseiten der Gemeinde in Erbpacht an die Genossenschaft übertragen.

Die Harmonie beim ersten Spatenstich freilich begleitete das Projekt nicht von Beginn an. Vor allem viele Anwohner der angrenzenden Reihenhaussiedlung waren gegen das Bauvorhaben vorgegangen. Sie wollten die von Kindern genutzte Spielwiese nicht kampflos aufgeben. Das Gezerre fand seinen Höhepunkt im September. Damals hatten AWohnbau und Gemeinde einen ersten Termin für den Spatenstich kurzerhand absagen müssen. Die Anwohner hatten über ihren Anwalt einen Stopp des angestrebten Genehmigungsfreistellungsverfahrens erreicht. Grund damals: Die Balkonbauten reichten um einige Zentimmeter über die vorgeschriebene Baugrenze hinaus. Mittlerweile hat die Genossenschaft planerisch aber längst nachgebessert(wir berichteten).

Am Freitag war von Widerstand nichts mehr zu sehen. Keiner der einst Protest Führenden ließ sich sehen. „Wir haben den Vorstand des Zweckvereins der Eigenheimer eingeladen. Ich weiß nicht, warum niemand gekommen ist“, sagte Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U). Jene, die gekommen waren, zeigten sich voll vom Projekt überzeugt. Der AWohnbau-Aufsichtsratschef und Putzbrunner Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) brach eine Lanze für ein „zeitgemäßes, nachhaltiges und bezahlbares Wohnen. „Goldrichtig“ sei aufgrund des andernorts vielfach fehlenden bezahlbaren Wohnraums die Idee zur Gründung einer Genossenschaft gewesen.

„Freude“ empfand der Neubiberger Rathauschef Günter Heyland. „Endlich startet ein tolles Projekt, das für Neubiberg allergrößte Bedeutung hat.“ Es sei von essenzieller Bedeutung, gerade auch den „in der Gemeinde tätigen Dienstleistern von Kindergärtnerin bis zur Pflegekraft bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, um diese überhaupt in der Gemeinde halten zu können.

Amtskollege Stefan Straßmair (CSU), Bürgermeister in Hohenbrunn und AWohnbau-Vorsitzender betonte, es gelte im Landkreis „ein Wohnungsangebot zu schaffen, das auch für Menschen mit geringerem Einkommen bezahlbar ist und bleibt“. Im Zusammenwirken mit der AWohnbau könnten sich die Gemeinden für ihre Mitarbeiter „langfristig bezahlbare Mieten sichern“.

Millionen-Darlehen von der Regierung

Seitens der Regierung von Oberbayern, die im Rahmen staatlicher Förderung das insgesamt rund 5,9 Millionen Euro teure Projekt an der Pappelstraße mit 365 000 Euro Zuschüssen und und weiteren gut 2,7 Millionen Euro als Förderdarlehen unterstützt, warb Roman Dienersberger von der Regierung von Oberbayern für die alternativlose Ausrichtung am Münchner Wohnungsmarkt. „Der fatale Mangel an Baugrundstücken, Projektträgern und privater Bauwirtschaft“ mache derart genossenschaftliches Engagement unverzichtbar. Derlei Bauvorhaben würden zwar von der Bevölkerung grundsätzlich begrüßt. „Aber vielerorts gibt es Probleme. Weil die Menschen sagen oft: ,Ja gerne, aber nicht bei mir um die Ecke’.“ In Neubiberg hat man jetzt Fakten geschaffen. Weitere sollen in der Gemeinde und im Landkreis folgen.

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