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Für den Sorgen-Bahnübergang an der Hauptstraße in Neubiberg wünschen sich viele einen Tunnel. 

Studie wirft Zweifel auf

Bahn-Unterführung in Neubiberg: Bringt der Bau den Verkehrskollaps?

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Die geplante Bahnunterführung in der Hauptstraße würde die Verkehrssituation in Neubiberg wohl entschärfen. Doch nur wenige hundert Meter westwärts droht eine Katastrophe.

Neubiberg – Die Kreuzung an der Staatsstraße 2078 zur Äußeren Hauptstraße ist längst überlastet. Die Unterführung würde den Verkehr kollabieren lassen. Ist das große Projekt für den Ortskern mit den neuesten Erkenntnissen der Verkehrsplaner begraben?

Neubiberg steht vor einem Dilemma: Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U) ermuntert die Bevölkerung zu einem Meinungsaustausch auf Grundlage der technischen Fakten und der Auswirkungen auf den Verkehr. Die von dem Planegger Planungsbüro „Ingevost“ am Montag dem Gemeinderat übermittelten Erkenntnisse lassen nicht wenige Mandatsträger innehalten.

CSU-Gemeinderat wirbt für Unterführung: Neubiberg soll an sich denken

Ein Disput zwischen Bürgermeister Heyland und Gemeinderat Hartmut Lilge (CSU) bringt die gegensätzlichen Positionen auf den Punkt: Lilge sieht sich allein für seine Gemeinde verantwortlich: „Unser Problem liegt in Neubiberg, nicht im überörtlichen Verkehr.“ Die Gemeinde solle handeln, bevor die Bahn den Takt für die S-Bahn verkürzt. „Wenn wir in Neubiberg zu langsam denken, stehen wir vor großen Problemen.“

Heyland warnt jedoch davor, die „Unterführung als isolierte Aktion zu betrachten“. Die Hauptstraße könne man nur im Gesamtgefüge bewerten, die Unterführung stünde im Kontext mit Maßnahmen der Nachbargemeinden und der Stadt München.

15-Minuten-Takt erst 2035

Das Thema ist komplex. So viele Faktoren wirken ein: Die Öffnung des Osttors, Wohn- und Gewerbebauten am Perlacher Tor, der geplante U-Bahn-Betriebshof Neuperlach-Süd, die Unterführung Arnold-Sommerfeld-Straße. Und nicht zuletzt die Bahn selbst. Erst 2035 soll die S-Bahn laut Heyland im 15-Minuten-Takt fahren. Spätestens dann wäre die Schranke vier Mal stündlich – statt wie bisher alle 20 Minuten – geschlossen.

Nicht viele Gemeinderäte sprachen sich wie Lilge bedingungslos für die Unterführung aus. Die von Ingevost in einer Simulation anschaulich vor Augen geführten Konsequenzen wirkten wie ein Paukenschlag für das Gremium. Für Jürgen Knopp (FW.N@U) stellt die Unterführung keine Heilslösung dar: „Besser als zurzeit wird es nicht.“ Die Unterführung bedeute eine Verschlechterung, pflichtete Fraktionskollegin Stephanie Konopac bei: „Mehr Verkehr, mehr Autos, mehr Stau!“

St 2078: „Was wir an Beschleunigung durch die Unterführung gewinnen, wird dort wieder aufgebraucht.“

Thomas Pardeller (CSU) hingegen erkennt durchaus Vorteile für Neubiberg: Seitenstraßen würden durch die Unterführung entlastet, der Verkehr Richtung Osten zügiger abfließen. Doch auch Pardeller weiß um das große Ganze. Sich nur auf die Kreuzung St. 2078 zu konzentrieren, hält er für verfehlt: „Weiter Richtung München wird es noch schlimmer.“

Doch allein die Folgen für die Kreuzung St 2078 bereiten Bürgermeister Heyland genügend Bauchschmerzen. „Was wir an Beschleunigung durch die Unterführung gewinnen, wird dort wieder aufgebraucht.“ Durch Wohn- und Gewerbevorhaben würde die Lage künftig sogar noch schlimmer. „Das gibt eine Situation, wo einem schlecht werden kann.“

Der Bürgerdialog

startet am Mittwoch, 10. Juli, 19 Uhr, mit einer Veranstaltung in der Aula der Grundschule Neubiberg.

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