Studie zu Aerosolen wegen Corona in Klassenzimmern an Bundeswehruniversität Neubiberg
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Wenn Wissenschaftler Schule spielen: Ein Labor an der Bundeswehruniversität Neubiberg wurde für die Studie zum Klassenzimmer.

Studie der Bundeswehruniversität Neubiberg

Wissenschaftler untersuchen Aerosole im Klassenzimmer

  • Uta Künkler
    vonUta Künkler
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Wie verhalten sich Aerosole im Klassenzimmer und wie kann die Luft virenfrei werden? Das fragten sich Wissenschaftler der Bundeswehruniversität. Ihre Ergebnisse könnten Folgen für alle Schulen Bayerns haben.

  • Ein Team vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Bundeswehruniversität hat das Verhalten von Aerosolen im Klassenzimmer getestet.
  • Klares Ergebnis: Entkeimungs- und Luftfiltergeräte werden von Personen, Jacken und Schulranzen im Raum nicht beeinträchtigt.
  • Die Versuche ergaben beste Wirkungen bei einer Kombination von Raumluftreiniger und Plexiglaswänden.

Neubiberg – Wochenlang ist Professor Christian Kähler wieder zur Schule gegangen. Er und seine Mitarbeiter vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Bundeswehruniversität in Neubiberg haben ein Labor in ein Klassenzimmer verwandelt, mit Tischen, Rucksäcken und Schüler-Statisten ausgestattet und dann ihre Versuche gestartet. Sie haben die Verbreitung von Aerosolen gemessen. Um Schulen ihre Antworten mit in den Corona-Herbst geben zu können.

Insgesamt sechs Monate Forschung

Die Ergebnisse aus insgesamt etwa sechs Monaten Forschung lassen sich grob so verkürzen: Das sinnvollste Mittel der Wahl, so die Wissenschaftler, ist eine Kombination von Raumluftreiniger oder Entkeimungsgerät und Plexiglas-Wänden zwischen den einzelnen Schülern. „Damit hat man schon einen sehr guten Schutz“, verspricht Kähler.

Das Luftreinigungs- oder Entkeimungsgerät verringere auch im voll besetzten Klassenzimmer mit Rucksäcken und Schülern, die sich bewegen, die Gefahr einer indirekten Infektion signifikant. „Egal, was wir in den Raum reingestellt haben, auf das Filterergebnis hatte das keinen Einfluss“, sagt Kähler. Allerdings dürfte an den Raumluft-Geräten nicht gespart werden. Eine vernünftige Leistung, die für ein herkömmliches Klassenzimmer ausreicht, brächten solche für um die 3000 Euro.

3000 Euro für Raumluftreiniger oder Entkeimungsgerät

Kein Pappenstiel, aber wenn man die Alternativen durchrechne, kämen diese noch viel teurer. Kähler kommt bei einer Lösung mit Masken – „hochwertige partikelfiltrierende FFP2-Masken, andere nutzen hier fast nichts“ – auf 20 000 Euro pro Jahr und Durchschnittsklasse. Dagegen scheint die einmalige Anschaffung einer Lüftungsanlage für 3000 Euro fast wie Peanuts.

Obendrauf kämen freilich noch die Kosten für Plexiglaswände. Denn eine direkte Infektion lasse sich am effektivsten durch solche verhindern, so Kählers Ergebnisse. Laut Studie müssten diese Wände ein gutes Stück über den Kopf des Schülers gehen – bestenfalls doppelt so hoch wie der Abstand zwischen Schülernase und Tisch. Außerdem müssten sie nach vorne und hinten etwa 30 beziehungsweise 50 Zentimeter über den Tisch hinausragen und mit mittig angebrachter umlaufender Acht-Zentimeter-Querkante versehen werden, damit die Aerosole nicht ungebremst über die Wände hinwegströmen.

Günstig und effektiv: Plexiglaswände zwischen den Schülern

Plexiglaswände seien verhältnismäßig günstig in der Anschaffung, Kähler rechnet mit ein paar Hundert Euro für einen ganzen Klassenraum. „Es ist nicht nur die sinnvollste, sondern auch eine kostengünstige Lösung“, meint der Wissenschaftler.

Alle anderen Maßnahmen hätten er und seine Kollegen mit ihren Versuchen mehr oder minder ausschließen können. „Lüften im Winter ist meist ineffizient, verschwendet Energie und ist dadurch am Ende auch teuer“, sagt Kähler. Außerdem könnten sich Kinder in kalter Zugluft erkälten. Abstände einhalten sei schlicht nicht realistisch. Das dauerhafte, tägliche Tragen von Schutzmasken auch während des Unterrichts weder gesundheitlich, noch ökonomisch oder ökologisch sinnvoll.

Professor Kähler: „Das muss von der Regierung entschieden und beschafft werden.“

Mit den Ergebnissen aus der Studie hat Kähler bereits im Bayerischen Landtag vorgesprochen. Der Professor hofft nun darauf, dass die Politik seine Impulse aufgreift, um flächendeckend Luftreiniger oder Entkeimungsgeräte anzuschaffen und Trennwände zu installieren. „Das muss von der Regierung entschieden und beschaffen werden. Man darf es nicht den einzelnen Schulen aufbürden, ein Konzept zu erstellen. Das muss zentral laufen“, sagt Kähler. „Wenn die Schulen erst anfangen, Bestellzettel auszufüllen, dauert es zu lange.“

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