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Gruppenkuscheln zum Einschlafen: Junge, verlassene oder verletzte Eichhörnchen päppeln Sabine Gallenberger und ihre Helfer im Verein wieder auf.

Verein päppelt Tiere in Not auf

Die Eichhörnchen-Retter

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Sie hat hunderte Leben gerettet: Seit elf Jahren kümmert sich Sabine Gallenberger um schutzlose, junge Eichhörnchen. Nach einer Rettungsaktion erhält sie nun tatkräftige Unterstützung aus Ottobrunn. Doch der Verein „Eichhörnchen-Schutz“ ist dringend auf weitere Hilfe angewiesen.

Landkreis – In der Humanmedizin heißt das Rettungskette, was eine tote Eichhörnchen-Mama auf der Terrasse von Familie Trautsch in Unterhaching ausgelöst hat. Heidi (75) und Josef Trautsch (82) haben die vier Jungtiere behutsam eingefangen. Zum Glück ist ihre Tochter Michaela Trautsch (45) Tierärztin und hat die Oachkatzl bei sich in Ottobrunn in Obhut genommen. Die Ärztin wiederum hat Sabine Gallenberger (36) in Waldperlach kontaktiert, die Vorsitzende des Vereins „Eichhörnchen-Schutz“. Bei ihr hat sich Trautsch Infos und Spezialmilch für die Aufzucht besorgt. Die vier Eichhörnchen sind längst ausgewachsen und tollen zur Freude ihrer Eltern auf den Bäumen im Garten herum.

Sabine Gallenberger aber versorgt derzeit in ihrer 90-Quadratmeter-Souterrain-Wohnung und in zwei Volièren im Garten 50 Jungtiere. Rund 720 Oachkatzl wird sie in dieser Saison aufpäppeln. „Das ist ein Fulltime-Job“, sagt die 36-Jährige. Drastischer drückt es Tierärztin Michaela Trautsch aus, die seit der Rettungsaktion im elterlichen Garten ehrenamtlich beim Eichhörnchen-Schutz hilft: „Der Niedlichkeits-Faktor ist schnell aufgebraucht. Es geht bis zur Schmerzgrenze, wenn Sie nachts alle zwei Stunden aufstehen müssen, um die Kleinen mit der Spritze zu füttern.“

Trautsch kümmert sich derzeit um eine Auswilderungs-Volière mit 15 Tieren nahe der Tierschutzakademie Neubiberg und hat vier Kleine daheim in Pflege. Ihre Eltern päppeln vier ältere Jungtiere im Gehege auf. Die Tierärztin hat vor, Mitglied beim Verein zu werden. „Aber vor lauter Eichkatzl-Füttern bin ich noch nicht dazu gekommen“, sagt sie. Nur halb im Scherz. Wenn Gallenberger morgens ihre 50 Schützlinge füttert, braucht sie dazu allein sechs Stunden. Damit sie überhaupt mal zum Durchschnaufen kommt, hilft ihre Mutter Heidi (63) mit.

Sabine Gallenberger kümmert sich seit elf Jahren um Eichhörnchen.

Während sie den Kleinen Ziegenaufzuchtsmilch mit der Spritze einflößen und den Größeren Nüsse, Obst und Gemüse geben, klingelt meist das Telefon. Dann hat wieder ein Tierfreund irgendwo ein verletztes oder verlassenes Oachkatzl oder einen Siebenschläfer gefunden und ist auf den Verein gestoßen. Und Sabine Gallenberger kann nicht Nein sagen. „So läuft unser Leben“, sagt sie. Seit knapp elf Jahren, seit Gründung des Vereins, kümmert sie sich um die Tiere. Die Vorsitzende ist selbstständig, der Schreibwarenladen Gallenberger liegt nicht weit von ihrer Wohnung. Wobei von April bis Anfang September – Hauptsaison für die Betreuung von Jungtieren – fast nur Papa Dieter im Laden steht. „Er ist auch wahnsinnig tierlieb.“ Gehege baut er auch.

„Der Mensch bringt die Tiere in Not. Deshalb muss er auch helfen“

Ganz allergisch reagiert Sabine Gallenberger auf die Frage, ob man die Viecherl nicht einfach der Natur überlassen könne. „Der Mensch bringt die Tiere in Not. Deshalb muss er auch helfen. Ich mache das, weil ich ein Gewissen habe und mir die Tiere leid tun.“

Mehr Unterstützung wünscht sie sich von Kommunen oder vom Staat. Auf 30 000 Euro schätzt sie die Kosten pro Jahr; nur für Futter, Tierarzt, Aufzucht und Auswilderung. Wenn die Jungen aufgezogen und mindestes 14 Wochen alt sind, kommen sie gruppenweise in eine Auswilderungs-Volière. In der Pupplinger Au und in Neubiberg steht jeweils eine, eine weitere bei Isen im Landkreis Erding. Gallenbergers Traum: ein Volièren-Standort in einem Garten am Rande des Ebersberger Forstes. Da könnten viele Oachkatzl zurück in die Natur finden. Ihr Verein sucht dringend Tierfreunde, die Grundstücke für Auswilderungsplätze zur Verfügung stellen und die Gehege auch betreuen können: Futter geben, Reinigung. Die Tiere müssen sich langsam an die neue Umgebung gewöhnen und kommen wochenlang zum Standort zurück.

Spender und ehrenamtliche Helfer, die Jungtiere aufziehen, sucht Gallenberger ebenfalls. „Ohne die ginge es gar nicht.“ Helfer wie Michaela Trautsch. Ihr Sohn Vitus (10) hilft auch schon mit. „Er kuschelt mit den Eichkatzerln.“ Da steht noch der Niedlichkeits-Faktor im Vordergrund. Klassenkameradinnen von Vitus wissen auch schon, wo die Oachkatzerl-Retter daheim sind. Die Mädchen haben auf einem Radweg ein verlassenes Jungtier gefunden, etwa zehn Tage alt, und zu Michaela Trautsch gebracht. Die päppelt es jetzt auf. Füttert es alle zwei Stunden – auch nachts.

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