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Marisa Longo-Pabst mit ihrem dreijährigen Sohn Tobias im neuen Kinderzimmer. 

Für die Häuser musste beliebte Spielwiese weichen

Umstrittenes Wohnprojekt an der Pappelstraße: Jetzt sind die ersten Bewohner eingezogen

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Mit viel Gegenwind hatte die AWOhnbau-Genossenschaft zu kämpfen gehabt, als sie gemeinsam mit der Gemeinde Neubiberg an der Pappelstraße zwei Wohnblöcke bauen wollte. Denn die Anwohner protestierten dagegen, weil ihre beliebte Spielwiese den Häusern weichen sollte. Inzwischen stehen die beiden Gebäude, und die ersten Bewohner sind eingezogen. Der Münchner Merkur hat eine Familie besucht. 

Neubiberg – Die Freude der neuen Bewohner ist in jedem Moment spürbar. „Wir haben so lange eine geeignete Drei-Zimmer-Wohnung für unsere Familie gesucht und sind hier endlich fündig geworden“. Marisa Longo-Pabst führt stolz durch die neue Wohnung an der Pappelstraße 49 in Neubiberg. Der dreijährige Sohn Tobias will, bepackt mit seinen Spielraupen und Baggern, unbedingt sein erstes eigenes Zimmer präsentieren, in dem das Himmelbett bereits steht. Die ältere Labrador-Dame Chiara streift lautlos tapsend durch die neuen Wohnlandschaften. Lediglich Papa Florian Pabst muss arbeiten. „Am Wochenende wird es dann richtig abgehen. Dann findet unser Hauptumzug statt.“

Nach vielen zuvor vergeblichen Anläufen. „Entweder wollen die Vermieter keine Kinder oder keinen Hund - oder einfach beides nicht“, hadert Longo-Pabst. Umso mehr freute sie die Zusage der AWOhnbau-Genossenschaft.

16 der 22 Wohnungen sind einkommensortientiert gefördert

Die neuen Wohnhäuser an der Pappelstraße 49 und 51

Nach einigen Scharmützeln mit Anwohnern in der Frühphase, welche die Bebauung der früheren Spielwiese an der Pappelstraße 49 und 51 zunächst strikt abgelehnt hatten, ist hier im engen Zusammenspiel von Genossenschaft und Gemeinde ein Vorzeigeprojekt entstanden. Von den insgesamt 22 Wohnungen sind 16 einkommensorientiert gefördert. Auch jene der Familie Longo-Pabst. Beide Elternteile arbeiten, doch die Wohn- und Lebenshaltungskosten im Münchner Speckgürtel machen große Sprünge gerade für junge Eltern schwer.

Neubibergs Gemeinderat hatte eigens „Richtlinien zur transparenten Wohnraumvergabe“ erarbeitet. Durch einen Kriterienkatalog ließ sich der erwartete Bewerberansturm auf die neuen Wohnungen kanalisieren. Einkommenshöhe, Anzahl der Kinder, Ehrenämter oder die Dauer, während ein Bewerber bereits in der Gemeinde lebt, spielten hier mit hinein. Eine Punkteliste regelte, wer von den Bewerbern den Zuschlag bekam. „Es war ein umfangreicher Bewerbungsmarathon mit viel Papier“, sagt Longo-Pabst. „Aber am Ende hat es sich ja gelohnt“.

Quadratmeter-Preisgrenze von zwölf Euro

Das rund 2660 Quadratmeter große Grundstück selbst gehört der Gemeinde Neubiberg, die es wiederum in Erbpacht der AWOhnbau für 99 Jahre zur Verfügung gestellt hat. In den restlichen Wohnungen kommen an der Pappelstraße frei finanziert und bei einer Quadratmeter-Preisgrenze von zwölf Euro auch Personen zum Zuge, die zwar in gemeindlichen Einrichtungen von der Kinderbetreuung bis zum Seniorenheim oder in der Grundschule arbeiten, sich aber ebenfalls schwer tun, nah an der Arbeitsstätte eine Wohnung zu finden.

Viele Gespräche mit Anwohnern, um Wogen zu glätten

„Die Neubauten haben sich gut eingefügt, es ist schön geworden“, bemerkt Mindy Konwitschny (SPD), die neben ihrem Amt als Zweite Bürgermeisterin von Höhenkirchen-Siegertsbrunn als Vorstandsmitglied der AWOhnbau fungiert. Die neuen Häuser mit dezenten Gauben und Satteldächern im Einklang mit der Umgebungsbebauung trennen nicht, sondern fügen sich ein. Nach vielen Gesprächen mit den Anwohnern hätten sich die Wogen geglättet, zeigt Konwitschny sich auf Anfrage unserer Zeitung optimistisch. Eine Aussage, die auch die neuen Bewohnerfamilie bestätigt. „Es gibt keine Auseinandersetzungen“, betont Marisa Longo-Pabst. Allerdings stimmt es sie etwas traurig, dass mancher Altbewohner gegenüber „meine freundlichen Grüße nicht erwidert“. Da ist wohl noch Annäherung zu leisten. „Wir sind hier keine Sozialwohnanlage“, beharrt die junge Dame selbstbewusst. Vielmehr habe man Anteile an der Genossenschaft gezeichnet und bezahle ansonsten ganz regulär die eigene Miete.

880 Euro Miete für 78 Quadratmeter

Dank der Förderung und einer Deckelung der Kaltmeite auf unter sechs Euro gestaltet sich der Mietzins für die 78 Quadratmeter Erdgeschoss mit kleinem Gartenanteil und samt zweier Tiefgaragenplätze für Münchner Verhältnisse mit rund 880 Euro warm immerhin günstig. Weil die Familie für Sohn Tobias auch einen Kindergartenplatz in der Nähe gefunden hat, ist das Glück fast perfekt. Lediglich ein Zaun zur Straße fehlt noch.

„Man muss schon sagen, dass die Gemeinde Neubiberg hier viel tut“, lobt Marisa Longo-Pabst. „Die Mischung stimmt – die Stimmung unter den Bewohnern auch“, ist sie sich mit Konwitschny einig. „Tobias hat hier schon Freunde gefunden“, erklärt Marisa Longo-Pabst beim Gang durch die Freianlagen mit kleinem Spielplatz. „Hier leben junge Leute in ihrer ersten Wohnung, Senioren die froh sind, eine bezahlbare Bleibe gefunden zu haben und vor allem Familien“, erklärt sich Konwitschny auch von der Umsetzung des Konzepts überzeugt. Es soll „nur“ ein Anfang sein.

Der Familie Longo-Pabst und weiteren neuen Bewohnern in Neubiberg wurde damit aus mancher Bredouille geholfen. Nach dem Umzug können sie endlich durchatmen. Doch die Wartelisten bleiben lang.

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