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Gemeinsam im Nirgendwo: Bärbel und Herwig Ehrenberger aus Neubiberg mit ihrem aufgerüsteten Land Rover.

Serie: „Wir Camper“

Dieses Neubiberger Paar schläft lieber in der Wüste als im Wohnmobil

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Die Ehrenbergers aus Neubiberg machen Urlaub extrem: Mit ihrem aufgemotzten Land Rover kämpfen sie sich über marode Passstraßen und durch die Wüste.

Neubiberg - Wenn Herwig Ehrenberger mit seiner Frau Bärbel im Land Rover auf unwegsames Gelände trifft, dann ist er in seinem Element. Seit dem 16. Lebensjahr sammelt der 58-Jährige Geo-Zeitschriften, das Dachgeschoss zu Hause ist mit Bänden reichlich dekoriert. Immer schon suchte er das Erlebnis – bereits als Rucksack-Reisender mit 17 Jahren. Später auch mit seiner Frau Bärbel, mit der er mehrmals Ostafrika erkundete: Tansania, Uganda, Ruanda und Burundi. Mit dem Rucksack durchstreiften die beiden die Wildnis und schauten sich Berggorillas an. Mit Neugier und Respekt.

Herwig Ehrenberger kennt an seinem Auto jede Schraube

Im August 2013 erfüllte sich Herwig Ehrenberger mit dem Land Rover einen Traum. Als junger Mann in Indien hatte er die bereits die Möglichkeit, die Serie II des Land Rovers zu testen und dachte sich: „Irgendwann will ich auch so ein Gerät haben.“ Längst hat er sein Modell Defender offroadtauglich umgebaut: mit robustem Heavy-Duty-Fahrwerk, neuem Getriebe und einem doppelten Batteriesystem. Jede einzelne Schraube hat er selbst angezogen.

Der leidenschaftliche Camper hat Wirtschafts-Ingenieurwesen mit Schwerpunkt Maschinenbau studiert, den Beruf allerdings nie ausgeübt, war immer kaufmännisch tätig. Das Know-How bringt er allerdings mit: „Man wird ganz schnell zum Schrauber bei einem solchen Fahrzeug.“ Warum? Würde eine Werkstatt die Umbauten übernehmen, würde das ein Vermögen kosten. Also wird jedes Ersatzteil selbst eingesetzt. Der zweite Vorteil besteht darin, dass sich das Ehepaar helfen kann, auch wenn es fernab der Zivilisation unterwegs ist. „Man muss wissen, wie man an die Fahrzeugteile herankommt.“ Einmal, kurz vor der albanischen Grenze, ging das rechte hintere Radlager kaputt. „Es war so ziemlich das Einzige, was ich nicht dabei hatte.“ Also musste die Zeit bis zum Eintreffen des Ersatzteiles am Campingplatz verbracht werden. „Wir haben Albanien für dieses Mal gestrichen.“

„Duschorgien gab es keine“

Treuer Begleiter: Der „Landy“ der Ehrenbergers kommt mit (fast) jedem Untergrund zurecht.

Die erste Wüstentour mit dem „Landy“ machten die Ehrenbergers in losem Zusammenschluss mit einem Ehepaar aus dem Schwabenland. Ziel Marokko, insgesamt 14 000 Kilometer in vier Wochen. Als ein Vorstoß ins Atlasgebirge auf dem Plan stand, trennten sich die Wege der Paare. Ist nicht jedermanns Sache. In Wüsten und auf Pisten waren die beiden knapp 2000 Kilometer auf Achse. Vorher versorgten sie sich mit 20 Laib Brot, 120 Litern Wasser und knapp 200 Litern Diesel. Der Wasservorrat war nicht allzu üppig. „Duschorgien gab es keine“, erzählt Ehrenberger.

Man ist zwar nicht völlig abgeschnitten von der Welt, es gibt Infrastruktur, auch Tankstellen. Die Frage ist aber, ob man dort Diesel tanken kann. Tabu ist die Zone entlang der algerischen Grenze, erklärt der Globetrotter: „Da sollte man tunlichst nicht fahren, die Wege sind vermint.“ Außerdem patrouilliert dort das Militär.

Abgehakt. Für Herwig Ehrenberger muss das Risiko kalkulierbar sein. Nach Algerien fährt er aus politischen Gründen nicht. Die Wüste selbst würde er aber nie scheuen: „Das Erlebnis ist großartig. Eine Stille, die in Europa nirgendwo zu finden ist. Du hörst nichts außer dem Wind, der über die Dünen streicht.“ Da schlägt der Abenteurer fast romantische Töne an: „Die Dunkelheit ist komplett, der Sternenhimmel gigantisch.“ Herwig Ehrenberger schläft im Dachzelt, seine Frau Bärbel im ausgebauten Defender ein Stockwerk tiefer.

Im Atlasgebirge gerät „Landy“ in Schieflage

Richtig brenzlig wurde es eigentlich nie. Fast nie: Die Tour auf der Rückfahrt nach Marrakesch verlief über das Atlasgebirge. Wegen des zu nassen und zu warmen Winters wurden die Bergstraßen zum Teil weggespült. Der Jeep musste Bruchstellen am Hang umfahren. Mit seinem hohen Schwerpunkt drohte er zu kippen. Ab 15 Grad Neigung wird es kritisch. „Ich habe zu meiner Frau gleich gesagt: Diese Strecke fahre ich“, erinnert sich Ehrenberger. „Das war kein Machogehabe. Ich habe mit dem Wagen die meiste Erfahrung.“

Nachdem sie die schlimmste Bruchstelle umfahren hatten, musste der Land Rover geradeaus den Hang hinunter, mit sehr dezenten Lenkmanövern. Ehefrau Bärbel wurde auf der unwegsamen Strecke durchgeschüttelt. Ihr Gatte drückt es so aus: „Es war eine sehr unruhige Fahrt.“ Größtenteils ruckelten sie durch ausgetrocknetes Flussbett. „Man wurde von der einen auf die andere Seite geschmissen. Ich dachte, der Wagen bricht auseinander.“ Aber für genau solche Situationen ist der Wagen konstruiert. Ein Bergführer war mit von der Partie. Er ging an den heikelsten Stellen zu Fuß voraus und manövrierte sie weiter.

Wüstenidyll: Eine Kleinstadt in Marokko, die einer Oase gleicht.

Ehrenbergers goldene Reise-Regel: Alles muss gut geplant und organisiert sein. Bequemer mag es im Wohnmobilen sein. Für den Neubiberger trotzdem keine Option: „Die Reisenden mit Wohnmobilen sind sehr limitiert im Hinblick auf die Ziele.“ Die Fahrzeuge benötigen gut ausgebaute Straßen. Sie sind zu lang und zu breit, um an die wirklich schönen Orte zu gelangen, findet er. Für den „Landy“ kann sich der 58-Jährige schlichtweg keine Alternative vorstellen: „Ich sage es ganz offen: Das ist mein letztes Auto.“

Die Serie:

Wohnmobile werden in Deutschland immer beliebter: Knapp 500 000 Stück waren es laut der letzten Bestandsaufnahme des Kraftfahrt-Bundesamtes. Im Kreis München stieg die Zahl von 2010 bis 2018 gleich um 30 Prozent oder 680 Fahrzeuge an – von 2260 auf 2940 Wohnmobile. Dabei muss es nicht das Serienmodell sein, für das sich die reisefreudigen Landkreisbürger entscheiden. Als Wohnmobil kann man letztlich alles verstehen, was durch die Lande fährt und als mobiles Zuhause taugt. Wir haben Menschen befragt, die die Freiheit auf vier Rädern suchen und leidenschaftlich gerne fernab ausgetretener Pfade unterwegs sind.

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