Grün kaputt

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Die Gemeinde Neubiberg will und muss neuen Wohnraum schaffen  und will zugleich ihre Grünzonen erhalten. Besonders an Waldrändern führt das zu Problemen.

NeubibergDie Gemeinde Neubiberg steckt in einem Dilemma: Zum einen nimmt der Wohnungsdruck stark zu und führt in eine bisweilen bereits verzweifelt anmutende Suche nach neuen Bauflächen und Nachverdichtungsarealen. Auf der anderen Seite will und muss die Gemeinde aber auch in dieser Situation ihre wichtigen Waldflächen bewahren.

Ein „Fachgutachten Wald“ haben die Neubiberger Gemeinderäte deshalb jetzt einstimmig auf den Weg gebracht. Hintergrund: In Neubiberg hat man ein zunehmendes Missverhältnis zwischen Wald- und Baurecht ausgemacht. So ist einerseits am Waldrand das Bauen laut Waldrecht nur in ausreichenden Abständen zum Forstsaum erlaubt. Andererseits unterläuft das Baurecht diese Grenzen immer wieder.

Mit einem entsprechenden Gutachten will Neubiberg deshalb den Rahmen für künftige Bebauungspläne in diesen sensiblen Bereichen schaffen. Im Fokus sollen insbesondere große Waldflächen und Anrainergebiete liegen: etwa der Schopenhauer- und der Bahnhofswald, der Abloner Garten mit dem Cramer-Klett-Wald und das Salmdorfer Holz. Aus der Vorlage der Verwaltung wird deutlich, wie wichtig ein Umsteuern der Gemeinde zum Erhalt ihrer Waldressourcen ist: Ohne ein auf die wesentlichen Grünflächen und Randzonen abgestimmtes Konzept droht die Gefahr, dass immer mehr Wald verschwinden, zugunsten neuer Häuser. In Neubiberg hat man deshalb unter anderem bereits einen auf Waldrecht spezialisierten Anwalt engagiert. Zudem steht die Gemeinde im engen Dialog mit dem Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten und dem Bayerischen Gemeindetag.

Ziel der Gemeinde ist es, neben den Bebauungsplänen auch einen verbindlichen Abstandsflächenkatalog für den Walderhalt zu erarbeiten. „Es soll nicht so sein, dass künftig Wald aus Sicherheitsgründen weichen muss, weil der neue Baubestand sonst eventuell gefährdet sein könnte“, waren sich die Gemeinderäte fraktionsübergreifend einig. Bürgermeister Günter Heyland (FWN@U) unterstrich dabei nicht nur den Grün-Erhaltungsaspekt. „Es ist auch so, dass die Gemeinde haften würde, wenn ein Baum umfällt und wegen des zu geringen Abstands zur nächsten Wohnbebauung Schaden anrichtet.“ Das sei für die Gemeinde ein untragbarer Zustand.

Auch auf ein anderes Problem machte der Bürgermeister aufmerksam: Die Neubiberger Waldflächen seien in vielen Abschnitten derart schmal, dass bei weiteren Abholzungen der Charakter eines Waldes verloren ginge. Auch dem soll das Gutachten entgegenwirken.

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