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Ein Obdachloser spült sein Geschirr in der eiskalten Isar – dieses bewegende Foto gelang dem Trio.

Projekt zur Armut in der Großstadt

Neubiberg: Montessori-Schülerinnen dokumentieren das arme reiche München

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Auf die Suche nach den Schattenseiten der wolhabenden Großstadt München haben sich die Schülerinnen der Emile-Montessorischule Neubiberg gemacht. Und sie sind fündig geworden.

Neubiberg – „Soll ich Bettlern Geld geben? Wie kann ich obdachlosen Menschen helfen?“ Beim Shoppen mit prall gefüllten Einkaufstaschen auf Armut zu stoßen, löst bei der 15-Jährigen Tessa Mitleid – und Unbehagen aus. Dank einer Projektwoche weiß die Putzbrunnerin jetzt aber mehr über das Leben auf der Straße. Dem Thema „Armut und Hunger“ haben sich Schüler der „Emile“-Montessorischule in Neubiberg genähert. Die Neunt- und Zehntklässler verglichen die Mieten in den Münchner Stadtteilen, luden Experten der Caritas zum Interview ein und organisierten ein Spendenessen für ihre Lehrer zugunsten der Münchner Tafel.

Eine Frau klaubt in einem Giesinger Hinterhof Essen aus einem Müllcontainer.

Tessa Ambs, Emma Nolte und Frieda Schultheiß streiften auf der Suche nach Fotomotiven zwei Tage mit der Kamera durch Stadtviertel, in denen sie zuvor nie waren. Beim Tag der offenen Tür an ihrer Schule berichten sie, was sie erlebten und zeigten eine Auswahl ihrer Fotos. Etwa das einer Frau, die in einem Giesinger Hinterhof prüfend betrachtet, was sie aus einer Mülltonne herausfischt. „Sie hat Essen gesucht“, erzählt die 15-jährige Emma aus Aying. Und das in einer Stadt, „in der täglich Tonnen von Essen weggeworfen werden“. An der Isar beobachteten die drei einen Mann am Flussufer, der Geschirr bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Wasser abwusch. 

Ein Obdachloser unter einer Isarbrücke.

Auch das Lager unter einer Brücke, in dem er mit anderen wohnt, ist in ihrer Ausstellung zu sehen, wenn auch nur von Weitem, ihn anzusprechen, wagten die Mädchen nicht, das wäre unhöflich, waren sie sich einig. „Matratzen, Geschirr, Bettzeug, alles war sehr ordentlich“, sagt Emma und sieht darin den Versuch, etwas Heimeligkeit unter der zugigen Brücke zu erzeugen.

Die Fotografinnen: Tessam Ambs, Emma Nolte und Frieda Schultheiß von der Emile-Montessorischule.

In der Redaktion der Obdachlosenzeitung „BISS“ fanden die Neuntklässlerinnen dann auch einen Gesprächspartner, der vom Leben der Verkäufer erzählte und dem sie ihre Fragen zum Umgang mit Bettlern stellen konnten. „Uns wurde empfohlen, die Menschen anzusprechen“, erzählt Tessa, „sie zu fragen: Können Sie eine Decke gebrauchen, darf ich Ihnen eine Flasche Wasser oder eine Breze kaufen?“.

„Armut und Hunger“ waren für die drei Schülerinnen der Privatschule zu Beginn der Woche abstrakte Themen, die dann aber menschliche Gesichter erhielten. „Oft geht es ganz schnell, dass man in Armut abrutscht, eine Krankheit, ein Unfall oder eine Kündigung können der Auslöser sein“, hat Emma erfahren. Tessa schätzt mehr, was sie vorher selbstverständlich fand, „dass ich ein Dach über dem Kopf habe und die Heizung aufdrehen kann.“

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