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Vor vollen Rängen diskutierten die vier Kandidaten. Mit dabei: Reiner Höcherl (FW-N@U), Elisabeth Gerner (SPD), Kilian Körner (Grüne), Agenda 21 Mitorganisatorin Ute Senft, Thomas Pardeller (CSU) sowie Christof Schulz von der VHS Südost, die ebenfalls an der Organisation des Abends mitwirkte. 

Podiumsdiskussion

Neubiberger Bürgermeisterkandidaten: Braver als im Gemeinderat

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In der mit rund 400 Besuchern gefüllten Aula der Neubiberger Grundschule, dem Schauplatz meist hitziger Gemeinderatssitzungen, herrschte am vergangenen Donnerstag aufgeräumte Stimmung. Die VHS hatte alle vier Bürgermeisterkandidaten zur Podiumsdiskussion eingeladen. 

Neubiberg–  „Mehr konstruktives Miteinander“ hatte sich gegen Ende der Podiumsdiskussion der örtlichen Bürgermeister-Kandidaten eine junge Frau gewünscht. Die Kandidaten Elisabeth Gerner (SPD), Reiner Höcherl (Freie Wähler N@U), Kilian Körner (Grüne) und Thomas Pardeller (CSU) hatten zuvor bereits bei aller Konkurrenz einen rücksichtsvollen wie kollegialen Gesprächsstil gepflegt. Egal, ob dieser nach der Wahl am 15. März an gleicher Stelle bei den Ratssitzungen anhält – die Feuerprobe im Vorwahl-Duell-Stress hat das Quartett jedenfalls unter Moderation der SZ-Journalisten Lars Brunckhorst und Martin Mühlfenzl bestanden.

Zankapfel Rathaus

Die Gegensätze arbeiteten die Kandidaten sachlich heraus. Die Wahl haben den Bürgern die Vier aber dadurch kaum leichter gemacht. Beim Thema Bürgerzentrum sah Körner das im Rat hoch umstrittene Projekt keinesfalls gestoppt. Doch die Umfänge von kolportierten 30 Millionen Euro seien für Neubiberg „nicht zu leisten“. CSU-Mann Pardeller stieß ins gleiche Horn. „Zu groß, den Rathausplatz zu verdichtend und zu teuer“ warb er für seine Alternative einer Verwaltung an zwei Standorten – in Neubiberg und einer Bürgerbüro-Dependance in Unterbiberg.

Nicht nur aus dem Publikum kam der der Widerspruch, dass eine Verwaltung an zwei Standorten noch mehr Kosten verursache. SPD-Frau Gerner kritisierte, CSU und Grüne hätten eine fünf Jahre betriebene Planung eines sinnvollen Zukunftsprojektes „in fünf Monaten kaputtgemacht“. Wer Rücklagen habe wie Neubiberg (50 Millionen derzeit) müsse in Eigentum und moderne Arbeitsplätze investieren. Pardellers und Körners Erwägungen, auch eine Dauerlösung des Mietverhältnisses am Bahnhofsplatz als kostensparende Alternative zu bedenken, lehnte Gerner ab. „Das Zentrum als Vorhaben für die Bürger und eine moderne Verwaltung“ propagierte Reiner Höcherl, der aus seiner Sympathie für die jetzt gestoppten Planungen keinen Hehl machte.

Frischluftschneise

Beim Aufregerthema Frischluftschneise gab es dagegen reichlich Übereinstimmung. „Mäßig Gewerbe zulassen“ lautete das Motto für das Kapellenfeld an der Grenze zu München und Unterhaching. „Finger weg vom Grünzug!“, betonte Körner. Höcherl wollte dort „maßvoll Gewerbe, wo die Frischluftschneise nicht gefährdet“ sei. Gerner betonte, es dürfe keine Konkurrenz zwischen der Grünschneise und dem so wichtigen Hochwasserschutz für Unterbiberg geben, der „endlich“ angegangen werden müsse. „Nicht verhandelbar“ ist das Gesamtthema auch für Pardeller. Allerdings müsse „Ökonomie und Ökologie Hand in Hand gehen“.

Verkehr

Klare Wegegabelung beim Verkehr: Für die von allen heiß ersehnte Zwei-Gleise-Lösung soll die S-Bahn am Knotenpunkt Hauptstraße laut Pardeller durch eine Untertunnelung für den Individualverkehr entschlackt werden und Wartezeiten wegfallen. Eine „Troglösung“ mit tiefer gelegter S-Bahn wollen Höcherl und Gerner. Auch Körner fände die attraktiver. Allerdings sei das Problem vor Ort „wie Pest und Cholera“.

Ohnehin braucht es mehr ÖPNV. Da waren wieder alle einig. Von einem Seilbahnstrang ums ganze Umland „bis nach Pasing“ (Pardeller), über einen sinnvollen und intensiven Radwegeausbau (Körner), eine nach Brunnthal erweiterten U 5 mit dreistöckigem Parkhaus an der Endstation (Höcherl) bis hin zum kostenfreien Regional-ÖPNV per „Ticket dahoam“ laut Gerner samt „Fahrradschnellstrecke“ reichte die Palette.

Erneuerbare Energien

Auch die Bedeutung der Erneuerbaren Energien war im Quartett der Kandidaten völlig unstrittig. Körner warb fürs Holzhaus, Windräder, Geothermie und für intensiven ÖPNV-Ausbau. Ein Bürgermeister Pardeller würde unter die Baumpflanzer gehen. „Bis zu 500 pro Jahr“, und große Ressourcen im Landschaftspark sah er. „Geothermie wo möglich und nicht zu teuer“ lautete Höcherls Credo. Gerner warb für eine wirtschaftliche Abwägung von Ökologie und Ökonomie und warb für mehr Photovoltaik.

Versiegelung

Die „Gartenstadt“ im möglichen Umfang und vor allem ohne Hochhäuser wollen alle Aspiranten. Auch wenn Neubiberg heute schon die zweit-meistversiegelte Gemeinde im Landkreis ist, bleibe noch Hoffnung. „Maßvoll, im Dialog aller, unter größer Bürgerbeteiligung, kostenbewusst“ sollten Entscheidungen in Neubiberg künftig fallen.

Die Kandidaten hatten auch beim Vokabular ähnliche Ansätze. „Natürlich Breitbandausbau und verbessertes Internet, kommunal bezahlbares Wohnen und intensivierten Dialog mit der Universität der Bundeswehr“ müsse es geben. Gelungene Rhetorik und gute Argumente boten alle. Am Ende entscheiden die Bürger auch zu Nuancen. 

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