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Modern mit Holzfassade: So soll der neue Rathaus-Anbau nach einer Simulation einmal aussehen. 

Kosten-Irrsinn: Rathaus-Erweiterung wird fast zehn Millionen Euro teurer

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Neubiberg muss für die eigene Rathauserweiterung „Bürgerzentrum 2022“ am Rathausplatz weit tiefer in die Tasche greifen als bislang gedacht.

Neubiberg – In der Sitzung des gemeindlichen Sonderausschusses vor der Sommerpause präsentierten die Planer die Ergebnisse der Vorentwurfsplanung. Danach soll das Vorhaben mit Sanierung des alten Rathauses und Neubau im Anschluss nach „aktuell vorläufiger Kostenprognose“ 26,06 Millionen Euro kosten. Ohne detaillierte Vorplanung waren es 2017 noch 17,78 Milllionen Euro.

Gründe für die Kostenmehrung liegen vor allem im höheren Raumbedarf einer künftig deutlich größeren Verwaltung im stetig wachsenden Neubiberg und einer deutlich umfangreicheren Tiefgaragenplanung. Dazu schlagen auch unterschiedliche Sonderkosten vor allem im technischen Bereich mit rund 3,74 Millionen Euro erheblich zu Buche.

Es könnte noch teurer werden

Damit ist das Ende der Fahnenstange aber unter Umständen noch nicht erreicht. Denn auch auf Basis der neuen Schätzungen besteht nach Angaben der Experten noch ein Kostenpuffer von rund 30 Prozent. Will heißen: Sollte die Maßnahme nicht wie geplant 2020 starten und bis Ende 2022 fertig sein, könnte es noch teurer werden.

Der Ausschuss tat sich jedenfalls schwer mit einer positiven Abstimmung. Gegen die Stimmen der CSU und der Grünen votierte eine hauchdünne Mehrheit aus Freien Wählern und SPD mit 6:5 Stimmen für ein Fortschreiten auf Basis der neuen Erkenntnisse. Vorangegangen war der Abstimmung ein über dreistündiger Diskussions-Marathon zum wohl wichtigsten Neubiberger Gemeindethema. Ein Zehn-Millionen-Kredit soll helfen, die Mehrbelastung zu stemmen. Immerhin verfügt die Gemeinde noch über 46,3 Millionen an Rücklagen.

So argumentiert die Verwaltung

Aus Sicht der Verwaltung und des Bürgermeisters gibt es gute Gründe für den erhöhten Raumplanungsbedarf. „Wir haben derzeit 60 Rathausmitarbeiter, die seit Jahrzehnten unter beengten Verhältnissen arbeiten müssen. Dazu soll die Verwaltung auf 76 Mitarbeiter wachsen, um die anstehenden Aufgaben überhaupt noch bewältigen zu können“, betonte Rathauschef Günter Heyland (FW.N@U). Auch beim Parkraumangebot mit 95 Tiefgaragenplätzen und 29 oberirdischen Parkeinheiten vor dem Rathaus sei man an den Stellplatzschlüssel gebunden. „Ohne die Erfüllung dieser Maßgaben gibt es keine Baugenehmigung“, betonte Heyland.

Scharfe Kritik aus dem Gemeinderat

„Wir können doch nur bauen, was wir uns auch leisten können“, wandten Kritiker wie die beiden CSU-Räte Hartmut Lilge und Thomas Pardeller ein. „Mir kommt es so vor, als wenn wir jetzt aus einem Traum erwachen und in der Realität ankommen“, kritisierte Grünen-Rat Kilian Körner die aktuelle Kosten-Entwicklung. „Jenes Projekt, dem der Gemeinderat einst zustimmte, hatte andere Dimensionen“. Unter Berücksichtigung des immer noch bestehenden Kostenpuffers und möglicher Baupreissteigerungen könne das Projekt „wohl am Ende auch 40 Millionen Euro kosten“.

Das Raumprogramm habe sich zur Ausgangsplanung dramatisch verändert. „Sie haben nicht zugehört“, entgegnete Rathauschef Heyland. Das Raumprogramm sei das gleiche geblieben. „Aber der Raum- und Platzbedarf ist deutlich gestiegen.“ Es könne doch nicht sein, dass man jetzt am Bedarf vorbeiplane und in 15 Jahren erneut das Bauen am Rathaus anfangen müsse, argumentierte Heyland ebenso wie Stephanie Konopac (FW.N@U).

Volker Buck (SPD) kritisierte die beiden Bürgermeister-Kandidaten Pardeller und Körner dafür, „der Verwaltung dringend benötigte Raumressourcen“ wegnehmen zu wollen. Künftige Mitarbeiter-Führung und -motivation sehe wohl anders aus. 

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