Nicht fünf, sondern schon vier vor zwölf zeigt die Rathaus-Uhr in Neubiberg. Für viele Neubiberger ein Sinnbild für die Planungen am und ums Gebäude.
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Nicht fünf, sondern schon vier vor zwölf zeigt die Rathaus-Uhr in Neubiberg. Für viele Neubiberger ein Sinnbild für die Planungen am und ums Gebäude.

Teures Zentrum

Teurer Rathausplatz: Neubibergs Räte debattieren, Kosten steigen munter weiter

  • vonHarald Hettich
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Während die einen am liebsten die Planung des Rathausneubaus in Neubiberg quasi von vorne beginnen würden, warnen die anderen: Am teuersten sind Verzögerungen. Zu beobachten ist das am Bau des Hauses für Weiterbildung gleich nebenan.

Neubiberg – „Konzeptfindungsphase“ nennt der Neubiberger Gemeinderat den fast schon radikalen Neustart großer Teiles seines einstigen Ortsmitte-Projektes „Bürgerzentrum 2022“, das aus Mehrheitssicht des Rates den finanziellen Rahmen der Gemeinde deutlich gesprengt hatte. Am Montag votierte das Gremium einstimmig für eine neue Konzeptionsphase bei der Sanierung des Rathaus-Altbaus und einer Erweiterung.

Mit Blick auf die Immobilie gleich nebenan musste der Rat zudem eine neue Kostenkröte schlucken. Zwar soll das Haus für Weiterbildung (HfW) heuer im August trotz diverser, vor allem technischer Sanierungshemmnisse fertig werden. Doch das Projekt dürfte auch noch einmal gut 400 000 Euro mehr kosten als noch 2019 hochgerechnet – und damit in einem Kostenrahmen von knapp sechs Millionen Euro über die Bühne gehen.

Rathaus

„Kritisch anschauen“ lautete der Ansatz von Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) mit Blick auf das stockende Rathausprojekt. Optimierungsbedarf sieht der Neue im Amt vor allem beim Raumprogramm das es „zu straffen“ gelte. Auch die Tiefgarage soll billiger werden. Neue Arbeitsformen mit Home-Office und Digitalisierung ergäben Diskussionsbedarf, ob die Raum- und Bürokonzeption verschlankt werden könne.

Weil sich der Rat seit Jahren offenkundig schwer tut mit den Details, will die Gemeinde nun erst einmal neue Experten bemühen. Die modernen bis futuristischen „Arbeitswelten 4.0“ sollen auch in Neubiberg eingehend betrachtet und darauf ein neues Raumprogramm aufgebaut werden. „Der größte Kostenfaktor ist aber genau die zeitliche Verzögerung“, wandte Elisabeth Gerner (SPD) ein. „Für das gleiche Geld werden wir ein immer schlechteres Objekt bekommen, je länger wir brauchen.“

Für den konzeptionellen Fast-Neustart sprach sich Kilian Körner (Grüne) aus. Es bedürfe „endlich eines sinnvoll umsetzbaren und finanzierbaren Projektes“. Jürgen Knopp und Stefanie Konopac (FW.N@U) warben vor allem für die Einbindung der „bereits lange auf Verbesserungen wartenden Verwaltung“ und regten eine nochmalige Kostenschätzung an. „Doch das propagierte Homeoffice muss auch für die Mitarbeiter realisierbar sein“, gab Konopac zurück.

Projeksteuerer Ferdinand Weiss befand, die Gemeinde müsse an allen Stellschrauben drehen: „Wenn ich billiger werden will, muss ich weniger bauen.“ Raumprogramm und Tiefgarage müssten auf den Prüfstand. Rathaus-Mathematik ist gefragt.

Am Ende stimmten die Räte für entsprechende Experten und eine beratende Arbeitsgruppe des Rates. Intensiv soll auch die Verwaltung einbezogen werden. Klingt nach vielen Zahlen.

Haus für Weiterbildung

„Nicht so erfreulich“ nannte Pardeller die Entwicklung beim HfW nebenan. Nicht nur, dass sich die Fertigstellung weiter verzögert und laut Projektsteuerer erst für Mitte bis Ende August realistisch erscheint. Vor allem der Kostenrahmen bereitet Sorge. Von avisierten rund 5,6 Millionen Euro vor gut einem Jahr drehte sich die Kostenschraube mittlerweile auf gut 6 Millionen Euro hoch.

Die Treppen liegen noch vor dem Haus für Weiterbildung. Dagegen steigen die Kosten – ganz ohne Stufen. Und der Bau verzögert sich weiter.

Technische Probleme von Estrich bis Küchenaus- und Einbau machte Kuhn neben den pandemiebedingten Ablaufschwierigkeiten verantwortlich. Er rechnet in den Gewerken Elektro bis Trockenbau sogar mit weiteren 170 000 Euro Kostenanstieg. Harsche Kritik wurde da im Rat laut. „Für was haben wir einen Projektsteuerer, wenn das so aus dem Ruder läuft“, kritisierte etwa Norbert Strama (FW.N@U).

Corona-bedingt werden im Haushalt für den Bedarfsfall Mittel von gut 6,26 Millionen Euro bereitgehalten. Die Grenze des Puffers ist fast erreicht. Immerhin: Durch Fördermittel könnte die Gemeinde rund 100 000 Euro in der Endabrechnung günstiger wegkommen. Auch bei der Rechnungsstellung hoffen die Neubiberger angesichts der niedrigeren Umsatzsteuer-Prozente noch auf etwas finanzielle Luft. Sie werden sie brauchen.

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