+
Im regen Austausch: (v.l) Norbert Büker, Helferkreis Neubiberg, Referentin Jana Weidhaase , bayerischer Flüchtlingsrat, und Barbara Reinicke vom Kulturamt.

Eindringliche Plakate

Die Situation der Flüchtlinge in Europa

Neubiberg: Die Ausstellung "Asyl ist Menschenrecht" ist im Haus für Weiterbildung in Neubiberg zu sehen.

Das Plakat zeigt einen jungen Mann, der am Hafen von Melilla, Spanien, steht. Nachdenklich blickt er Richtung Meer. Der Mann heißt Claude Oeg und ist aus der Zentralafrikanischen Republik geflüchtet. Links oben im Bild steht sein Zitat „Wir wollen ein menschenwürdiges Leben führen“. Insgesamt 37 solcher Plakate gehören zu der Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“, die von der Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“ erstellt wurde und die im Haus für Weiterbildung in Neubiberg zu sehen ist. Sie soll Informationen zum Thema Flucht und Asyl geben und die derzeitige Situation in ganz Europa darstellen.

Einige Plakate zeigen Bilder rund um das Thema Flucht, wie verschiedene Unterkünfte, gerettete Flüchtlinge, Grenzsoldaten oder ein Restaurant in Kabul kurz nach einem Bombenanschlag. Andere informieren über die Fluchtursachen, die Gefahren der Fluchtrouten, und insbesondere die Flüchtlingssituation in Deutschland. „Uns gefällt die Ausstellung so gut, da sie kurz und knapp gehalten ist und wichtige Sachinformationen gibt. Und sie ist aktuell“, erklärte Barbara Reinicke vom Kulturamt Neubiberg. Die Ausstellung sollte eigentlich schon vergangenes Jahr gezeigt werden, passend zum Themenschwerpunkt „Migration, Asyl und Integration“ der Gemeinde. Da „Pro Asyl“ die Plakate aber selber zurückzog, um sie zu aktualisieren, war eine Ausstellung erst jetzt möglich. „Das Thema ist ja immer noch topaktuell“, sagte Reinicke.

Zur Eröffnung der Ausstellung hielt Jana Weidhaase vom bayerischen Flüchtlingsrat einen Vortrag zur derzeitigen Flüchtlingssituation in Bayern und ging vor allem auf die rechtliche Lage ein: „Flüchtlinge aus Ländern wie den Irak, dem Iran oder Syrien haben bessere Chancen auf ein Bleiberecht als Flüchtlinge aus ,sichereren Herkunftsstaaten’, wie Senegal und Ghana. Deren Asylanträge werden eher abgelehnt“, erklärte Weidhaase. Sie betonte außerdem, dass Flüchtlinge in Bayern schwerer Fuß fassen können als in anderen Bundesländern. „Die bayerische Politik ist anders, hier gibt es mehrere Arbeitsverbote und es ist für die Menschen schwieriger, in private Wohnungen zu ziehen.“ Dazu komme die Überlastung des Bundesamtes durch hohe Flüchtlingszahlen. 

Norbert Büker vom Helferkreis Neubiberg sprach bei der Ausstellungseröffnung über die Erfolge des Helferkreises und die derzeitige Situation in Neubiberg. „Uns ist es gelungen, über 35 Flüchtlingen einen Zugang zur Arbeitswelt zu verschaffen. Einige arbeiten bei Pflanzenkölle oder als Kellner in Biergärten.“ Ein Problem hingegen seien die neuen Regelungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Neuerdings werden die Kosten für die Integrationskurse nur übernommen, wenn die Flüchtlinge die Anerkennung als Asylbewerber haben.

"Momentan haben wir nicht zu zu viele Bewerber für unsere Kurse, sondern eher zu wenige“, sagte Büker. Auch die Schwierigkeiten bei der Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge wurden angesprochen. Bürgermeister Günter Heyland erklärte, dass 2015 Immobilienfirmen und private Eigentümer in Neubiberg häufiger aufgerufen wurden, ihre Wohnung an das Landratsamt zu vermieten, damit dort Flüchtlinge einziehen können. „Innerhalb dieses Jahres haben sich nur aber nur zwölf gemeldet“, sagte Heyland. Nach Abbau der Traglufthalle im August wurden die ehemaligen Bewohner in feste Unterkünfte in Höhenkirchen und Unterhaching verlegt. Wann Flüchtlinge wieder in Neubiberg untergebracht werden, wurde noch nicht weiter besprochen. Büker erklärte: „Der Helferkreis will auch dieses Jahr Hilfe zur Selbsthilfe leisten und den Flüchtlingen bei Problemen helfen, die sie alleine nicht bewältigen können.“ Er betonte: „Wenn die Menschen hier sind, haben sie auch das Recht, als Menschen behandelt zu werden.“

Die Plakatausstellung ist bis 3. Dezember im Obergeschoss des Hauses für Weiterbildung, Rathausplatz 8, jeweils Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 13 Uhr zu sehen.Josephin Bruhn

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Unvergessen“: Aus dem Leben der Amoklauf-Opfer
Taufkirchen/Unterhaching – Das Leben der Opfer vom OEZ-Amoklauf beleuchten Gymnasiasten in einem Film. Sie lassen dafür Angehörige zu Wort kommen, auch von Dijamant aus …
„Unvergessen“: Aus dem Leben der Amoklauf-Opfer
Wiedereröffnung schon Ende Februar
Riemerling - Der Brandschaden ist weniger schlimm als erwartet, sodass das Ozon-Hallenbad in Riemerling im Idealfall schon Ende Februar wieder öffnen kann.
Wiedereröffnung schon Ende Februar
ProSiebenSat.1 baut modernen Campus
Unterföhring - Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 plant den Bau eines eigenen Campus in Unterföhring: An der Medienallee 7 will das Dax-Unternehmen seine rund 5000 …
ProSiebenSat.1 baut modernen Campus
Millionenmarke geknackt
Landkreis - Die Stiftung der Kreissparkasse für den Landkreis München hat mit ihrer Förderung die Millionenmarke geknackt.
Millionenmarke geknackt

Kommentare