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Störche zwischen zahlreichen Graugänsen auf einem Feld nahe des Guts Unterbiberg. So etwas sieht man im Landkreis nicht alle Tage.

Das Storchenwunder von Unterbiberg

Es war schon eine kleine Sensation: Neun Weißstörche tummelten sich vor wenigen Tagen auf einem Feld in Unterbiberg. Ein Erlebnis mit Ausnahme-Charakter. Denn Weißstörche sind im Landkreis eher selten zu sehen.

UnterbibergPlötzlich waren sie da, die neun Störche. Und kreisten minutenlang nah über den Dächern, als ob sie nach etwas Ausschau halten würden. Hier und da hörte man ihre Rufe. Kurz darauf stiegen sie wieder hoch in den Himmel und flogen gen Horizont, bis sie nur noch als schwarze Punkte zu sehen waren. „Eine tolle Begebenheit. Und im Raum München ein echtes Highlight“, sagt Manfred Siering, Vorsitzender der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern. Der engagierte Naturschützer aus Grünwald ist ein angesehener Experte, wenn es um Fragen rund um die Vogelwelt geht.

Für den Unterhachinger Markus Dähne sind neun Störche auf einen Streich ebenfalls ein besonderes Erlebnis. Der Kartograf und VHS-Dozent beobachtet seit zehn Jahren regelmäßig Vögel im Landschaftspark Hachinger Tal. „Weißstörche sind hier selten zu Gast“, sagt Dähne. Er selbst bekommt jährlich im Schnitt nur einen zu sehen. Meist im Landschaftspark, zuletzt im Mai 2017. Dort hat er sogar schon mal vier gesehen. Es blieb eine Ausnahme.

Stellt sich nun die Frage, warum es jetzt gleich so viele waren? Sophia Engel, stellvertretende Leiterin der Geschäftsstelle München vom Landesbund für Vogelschutz, erklärt: „2017 war ein sehr gutes Jahr für Störche.“ Heuer fiel der Bruterfolg aufgrund der Wetterlage nicht ganz so rosig aus. Trotzdem: „Insgesamt ging es mit dem Weißstorch deutlich bergauf.“ 1980 wurden nicht einmal mehr 60 Paare gezählt. Letztes Jahr waren es über 400.

Kein Brutplatz im Landkreis

Nach Ansicht von Vogelexperte Manfred Siering handelt es sich bei den Unterbiberger Störchen um Durchzügler: „Weißstörche gehören zu den Zugvögeln. Sie starten in der Regel ab Mitte August in Richtung Winterquartier.“ In Unterbiberg schien es den Störchen gut gefallen zu haben. Denn am Abend kehrte die muntere Truppe zurück, um hier die Nacht zu verbringen. Fünf Störche schliefen auf einem der Türme des Heizkraftwerkes an der Zwergerstraße. Die anderen positionierten sich rundherum auf den höchsten Gebäuden. Die Wahl der Schlafplätze ist laut Siering typisch für Weißstörche: „Sie schlafen bevorzugt möglichst weit oben. Je stärker und ranghöher das Tier, desto höher und damit sicherer“. Denn der Storch hat viele Feinde. Vor allem in Afrika, wo es ihn klassischerweise zum Überwintern hinzieht. Mittlerweile fliegen aber immer mehr Störche nur noch bis Spanien. Oder bleiben ganzjährig bei uns.

Die Unterbiberger Störche allerdings nicht. Bei ihnen herrschte am nächsten Morgen Aufbruchstimmung. Gegen sechs Uhr verließen sie ihre Schlafplätze und flogen zu einem abgemähten Getreidefeld neben dem Gut Unterbiberg. Hier tummelten sich bereits zahlreiche Saatkrähen, ein Graureiher, gut fünfzig Wildgänse und ein Schwarm Tauben. Inmitten dieser bunten Vogelschar staksten die Störche umher und suchten das Feld nach Kleingetier ab.

Dass sie in dieser Konstellation zu neunt bis zum Ende ihrer Reise zusammenbleiben, ist übrigens eher unwahrscheinlich. „Es handelt sich meist um Zufallsversammlungen, die sich nach ein paar Tagen wieder auflösen können“, sagt Manfred Siering. Unerfahrene Jungstörche schließen sich oft älteren an. Man verbringt einen Teil des Weges zusammen, formatiert sich schließlich wieder neu oder zieht allein weiter.

Wo die Unterbiberger Störche herkamen, ist unklar. In München und im Landkreis ist aktuell kein Brutplatz bekannt. Das wird vermutlich so bleiben. Keiner der genannten Experten nimmt an, dass einer der Unterbiberger Störche im Frühjahr zum Brüten zurückkehrt. Um sich wohlzufühlen, braucht der Storch nämlich hauptsächlich eines: Feuchtwiesen. Oder zumindest extensiv genutzte Wiesen, wo er genügend Nahrung in Form von Großinsekten und anderem Getier findet. Gerade zur Brutzeit, wenn es gilt, viele hungrige Schnäbel zu stopfen. Mit großflächigen Feuchtwiesen kann der Landkreis nicht dienen. Somit wird der Storchenbesuch wohl auch weiterhin ein kurzer Gastaufenthalt bleiben.

Cornelia Schönhardt

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