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Kinder brauchen Platz zum Spielen: Mit Plakaten und vielen Unterstützern wehren sich die Anwohner gegen die Bebauung ihrer so geliebten Spielwiese im Wohngebiet. 

Kampf um die Spielwiese

Anwohner drohen mit Klage

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Der Konflikt um die geplante Bebauung einer als Spielwiese genutzten, Grünfläche zwischen Eichen- und Pappelstraße in Neubiberg verschärft sich. Jetzt droht ein Rechtsstreit zwischen Anwohnern und Gemeinde.

NeubibergAuf der rund 2600 Quadratmeter großen Grünfläche will die Gemeinde bezahlbaren Wohnraum schaffen (wir berichteten). Die zwei geplanten Blockbauten sollen gerade auch Gemeinde-Bediensteten und Menschen mit schmalem Geldbeutel zur Verfügung stehen. Die Anwohner wehren sich gegen das Projekt. Sie haben die Initiative „Rettet die Spielwiese“ mit aktuell 50 Mitstreitern ins Leben gerufen und wollen nun juristisch gegen das Projekt vorgehen. Sie werfen der Gemeinde und insbesondere Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U) mangelhafte Dialogbereitschaft und Informationspolitik vor.

Markus und Ruth Joachim leben mit ihren Kindern direkt am Rasenstück und können über die Bebauung nur den Kopf schütteln. „Die Planung ist doch viel zu massiv und wird uns nicht nur die Spielfläche für die Kinder kosten“, kritisiert Ruth Joachim. „Auch der heute schon massive Verkehr durch die engen Quartierstraßen wird zunehmen“, befürchtet ihr Mann. Zudem habe die Gemeinde „zu kurz gedacht“, wenn sie den Anwohnern diese so wichtige Grünfläche nehmen will. Seit Jahrzehnten werde das Terrain im Herzen der gut 50-jährigen Siedlung von Kindern aus der Nachbarschaft, Schülergruppen der nahen Schulen oder auch den Pfadfindern genutzt. „Gerade das freie Spielen ist hier hervorragend möglich, das habe ich selbst früher als Kind erleben dürfen“, sagt Monika Herzog.

„Die vom Bürgermeister so gerne postulierten Ersatzspielflächen können das hier nicht ersetzen“, betont Markus Förg. Der Bolzplatz in der Nähe auf Ottobrunner Terrain sei mitunter von Scherben übersät. Dazu sei dort wie auch im Abloner Garten mitunter „seltsames Publikum“ anzutreffen. Vor allem aber nimmt man die aus Initiativsicht rigide Rathaus-Politik aufs Korn. „Hier wird mit einem neuen Bebauungsplan agiert, ohne dass der ursprüngliche je Rechtsgültigkeit erlangt hätte“, kritisiert Helmut Mehren. Das Gelände sei doch immer als öffentliche Spielwiese ausgeschildert gewesen. Auch wenn diese Beschilderung „über Nacht“ verschwunden sei. „Man hat uns mit dem aktuellen Bebauungsplan zu lange im Ungewissen gelassen“, ärgert sich Herzog. „Zuerst wurde erklärt, die Neufassung diene nur der Regulierung von Um- und Anbauten am Bestand“, ergänzt Ruth Joachim. „Wogegen hätten wir Einspruch einlegen sollen?“

Auch die Bäume seien Hals über Kopf gefällt worden. „Herrliche Bäume, die zuerst mühevoll erhalten und gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer geschützt – jetzt aber ratzfatz abgeholzt wurden“, kritisiert Martin Rheindorf. „Wir dachten alle zuerst, das sei wegen des Käfers“, so Herzog. Jetzt kenne man die Gründe, die die Gemeinde nicht offen und zeitgerecht angesprochen habe. „Mit einem Kindergarten auf weniger versiegelter Fläche hätten wir ja noch leben können, aber nicht mit diesem Massiv-Projekt.

Eigene Alternativ-Vorschläge für eine zumindest teilweise Bebauung anderswo seien von der Gemeinde aber gar nicht berücksichtigt worden. Der Rechtsweg sei notwendig. Die Details werde man nach der Prüfung durch einen Anwalt in den kommenden Wochen öffentlich machen.

Bürgermeister wehrt sich gegen Vorwürfe

Die einen wollen die Spielwiese erhalten, andere fürchten um den sozialen Frieden in der Siedlung, glaubt Bürgermeister Günter Heyland. Ein jüngst aufgestelltes „Grabkreuz“ sei „sehr befremdlich gewesen“, rügt er das offensichtliche Schüren falscher Ängste. „Es gab auch viele positive Wortbeiträge pro Bebauung“, betont Heyland. „Rauchende Realschüler, eine Wiese als Hundeklo und laute Pfadfinder“ seien auch nicht jedermanns Sache. Bei der Bebauung selbst habe man größte Transparenz gewahrt. „Es besteht seit den Anfangstagen der Siedlung gültiges Baurecht“. Man habe die Menschen nicht im Ungewissen gelassen. „Wir haben erst nach einem entsprechenden Beschluss des Gemeinderates 2015 damit begonnen, mögliche Grundstücke für sozialen Wohnungsbau zu untersuchen“, so Heyland. Die Bürger habe man dann auch erst unterrichten können, als die Absicht bestand. Kritik an möglichen Ersatzspielflächen lässt der Bürgermeister nicht gelten. Der Wald sei ja gerade „Sinnbild der Erholung“. Merkwürdiges Publikum habe er nicht ausgemacht. In puncto Verkehr fand Heyland klare Worte. „Der Verkehr ist ein gewaltiges Problem in ganz Neubiberg.“ Hier werde oft „Ursache und Wirkung vertauscht“. Etwa, wenn Zweit- und Drittfahrzeuge der Anlieger Wohnstraßen verstopften. Hiervon künftiges Baurecht abhängig zu machen, hieße laut Heyland, dann auch empfindlich in Ausbaurechte der Bevölkerung auf eigenen Grundstücken einzugreifen. „Wenn Bürger dann auf eigenem Grund nicht bauen dürften, würde der Protest ebenfalls anschwellen“. Das Bauvorhaben an der Eichenstraße verteidigte Heyland per se. „Wir brauchen mehr sozialen Wohnungsbau.“ Hier kämen auch Leute zum Zug, die anderswo auf dem Wohnungsmarkt keine Chance hätten.

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