Die Südanbindung ist nicht vom Tisch

Neubiberg - München und Neubiberg wollen gemeinsam ein Konzept erstellen zu Verkehrsplanung und Flächenentwicklung. Dabei kam im Gemeinderat auch die Südanbindung Perlach wieder ins Spiel

er Neubiberger Gemeinderat nennt das Langzeit-Projekt „Integrierte Rahmenplanung Unterbiberg“. Doch wenn der große Nachbar München bei einer Überplanung seiner Flächen direkt an der Schnittstelle im Westen des Ortsgebietes der kleinen Kommune kritisch über die Schulter schaut, dann ist dieses Projekt auch etwas mehr. München muss vor allem seine Gewerbegebiete rund um die Bayerwaldstraße besser ans Verkehrsnetz anbinden. Die Überschneidungen mit Unterbiberg sind offensichtlich.

Beide Kommunen, Neubiberg wie München, wollen ihre Verkehrs-Strukturen östlich der Unterhachinger Straße weiter ordnen. Seit vielen Jahren geistert dabei auch die Südanbindung Perlach(SAP) durch die Köpfe. Dass diese Planung einer Trassenverbindung am Stadtrand zwischen der Unterhachinger Straße im Westen und der Carl-Wery-Staße im Osten keineswegs vom Tisch ist, zeigte sich im Gemeinderat. Immerhin: Neubiberg und die Landeshauptstadt wollen im Rahmen eines gemeinsamen Strukturkonzeptes auf schwierig zu ordnendem Terrain jetzt auch gemeinsame Planungsarbeit betreiben. Die Details sind noch längst nicht fixiert. Doch wenigstens auf die Kostenteilung (je 15 000 Euro) für ein Konzeptpapier hat man sich bereits verständigt. Der Gemeinderat stimmte diesem Anfangsschulterschluss in seiner jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit zu. Dass ein sinnvolles Planungskonstrukt aus gemeinsamer Feder schwierig zu realisieren sein wird, das zeigten schon in den vergangenen Jahren die zunehmend verzweifelten Akteure am Reißbrett immer deutlicher auf. Eine vernünftige Verkehrsführung durch Unterbiberg ist nicht zu erkennen und führt stattdessen auf verwinkelten Pfaden vor allem durch die seit 1996 kontinuierlich gewachsenen Wohngebiete. Dagegen hapert es gerade aufgrund der schlechten Ortsanbindung weiter an den entscheidenden Impulsen einer strukturellen Gewerbeentwicklung vor Ort.

„Die Stadt will eine gemeinsame Entwicklung in Sachen Wohnen, Gewerbe, Verkehr und auch beim Hochwasserschutz am Hachinger Bach“, erklärte Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U). „Einen erfreulichen Fortschritt“ markiere diese Vereinbarung ohne Zweifel, pflichtete CSU-Fraktionssprecher Thomas Pardeller bei. Doch auf Unterbiberger Verhandlungsseite sei es wichtig, vor allem die Gewerbeentwicklung im Blick zu behalten. Fraktionskollege Hartmut Lilge machte zudem „Unschärfe“ in den Anfangsverhandlungen aus. „Unsere Verhandlungsposition gegen eine Südanbindung Perlach ist doch genau festgezurrt“, beharrte der Christsoziale auf der entsprechenden Mehrheitsentscheidung des Gemeinderates. „Der Stadt geht es explizit um eine verbesserte Anbindung ihrer Gewerbezonen am Stadtrand und rund um die Bayerwaldstraße, am besten mit einem direkten Durchstich von der Unterhachinger-Straße nach Osten“, stellte Heyland jüngste Verhandlungskernpunkte mit dem Nachbarn dar und betonte mögliche Interessenskonflikte. Sollte diese Anbindung auf städtischer Flur nicht gelingen, „dann wird natürlich auch die Südanbindung wieder zum echten Thema“, so Heyland. Trotz gegenläufiger Ratsbeschlüsse in Neubiberg.

Kilian Körner (Grüne) sieht durch einen gemeinsamen Plan vor allem auch Unterbiberger Interessen, etwa eine mögliche Verlegung der Unterhachinger Straße, gefährdet. „Eine Südanbindung auf Unterbiberger Flur hätte in Sachen Grünentwicklung und Lärmbelastung irreversible Schäden für unsere Gemeinde zur Folge“, betonte er. Seine kritische Nachfrage, welche Baugebiete exakt auf Gemeindeflur denn entwickelt werden sollten, blieb unbeantwortet. „Wir sind doch erst am Anfang der Planungen“, vertröstete der Bürgermeister. Derzeit suche man nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. „Angesichts der sehr differenzierten Interessen der Grundeigentümer“ zwischen Wohnen, Gewerbeentwicklung, zusätzlicher Grünplanung und zunehmend wichtigem Hochwasserschutz am Hachinger Bach sei dies nicht einfach zu bewerkstelligen. Das „vertiefende, interkommunale Strukturkonzept“, wie es offiziell heißt, wurde jedenfalls mit 20:2 Stimmen auf den Weg gebracht.

Harald Hettich

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