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Der Entwurf sieht eine kurvenförmige Unterführung vor, derentwegen der Bauhof verlegt werden müsste.

Kritik beim Bürgerdialog

Unterführung statt Bahnübergang: Viele Neubiberger sind schwer dagegen

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Unterführung statt Bahnübergang – das ist der aktuelle Plan für die Neubiberger Hauptstraße. Doch bei den Bürgern kommt die Idee gar nicht gut an. BeimBürgerdialog ging die Angst vor mehr Verkehr im Ort um. Publikums-Favorit: Schon eine Unterführung, aber nicht für die Autos.

Neubiberg – Autoschlangen, Fußgängertrauben, Fahrradtrüppchen: Der Grund, weshalb sich in Neubiberger Passanten und Pendler immer wieder ein minutenlanges, unfreiwilliges Stelldichein an der Hauptstraße geben, ist derselbe, aus dem am Mittwochabend etwas mehr als 70 Bürger in der Grundschul-Aula Kriegsrat hielten: Die Schranke am Bahnübergang. Mehrmals pro Stunde macht sie Neubibergs Hauptverkehrsader minutenlang dicht. Und wegen der rund 10 000 Autos am Tag, die den Bahnübergang queren, ballt sich mit dem Verkehr in der Gemeinde der Ärger.

8,5 Millionen Euro Kernkosten - Doch dabei bleibt es nicht

Nun soll es eine Fahrbahnunterführung übers Gleis richten. 20 bis 25 Meter lichte Weite – damit irgendwann, wenn sich die Bahn erbarmt, ein zweites Gleis darunter passt. Drauf sollen zwei Autospuren, dazu Geh- und Radwege. Auf rund 8,5 Millionen Euro, das hat ein Ingenieurbüro berechnet, belaufen sich die reinen Bau-Kernkosten – nicht eingerechnet sind da beispielsweise die komplette Planung, der Schallschutz sowie Abbruch und Verlegung des Bauhofs. Denn das Bauwerk kann der hohen Rampe wegen nicht gerade gebaut werden, sondern müsste dem Architektenbüro zufolge verschwenkt erstellt werden.

Viele Risiken attestierten die Bürger dem Brückenbau.

„Es werden deutlich mehr Kosten entstehen“, bekennt Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U). Und viele dieser Zusatzkosten werde die Gemeinde alleine stemmen müssen, anders als bei den Baukosten, von denen Bund und Bahn je ein Drittel übernehmen.

Dass die Idee von der Unterführung über die Gleise beim Bürgerdialog auf wenig Gegenliebe stieß, lag aber am wenigsten an den Kosten. Einige Neubiberger liebäugelten sogar mit einem wohl wesentlich teureren Trog, also einer Tieferlegung der Gleise.

Für Thomas Felber von der Buchhandlung Lentner sind schon die Bauarbeiten ein Horrorszenario. „Damit würde das gesamte Gewerbe in Neubiberg vernichtet werden“, sagt er über die Komplettsperrung der Hauptstraße, die geschätzte zehn Monate, die Hälfte der avisierten Gesamtbauzeit, dauern dürfte. „Kein Mensch kauft in einer Sackgasse ein.“

Prognose: Mit der Unterführung 3000 Autos mehr pro Tag

Für lange Gesichter sorgte zudem die Verkehrsprognose, die ein Planungsbüro im Auftrag der Gemeinde erstellt hatte: 3000 Autos mehr könnten demnach über die Hauptstraße rollen, dieKreuzung ein paar Meter weiter mit der St 2078 könnte ohne weitere umfassende Umbauten an der Kreuzung und entlang der Strecke unter der Blechlawine kollabieren.

Viele wollen die Schranke behalten

Anwohnerin Cornelia Sigmund plädiert daher dafür, den Gleisübergang zu lassen, wie er ist. „Der Verkehr ist schon viel flüssiger geworden“, sagt sie mit Blick auf eine Anordnung der Bahn, die Schranken öfter zwischen zwei in kurzer Folge in entgegengesetzten Richtungen durchfahrenden S-Bahnen zu öffnen.

„Das ist besser geworden“, sagt auch Bürgermeister Heyland – auch mit Blick auf die Einsatzzeiten der Feuerwehr, die bei der Ausfahrt aus dem angrenzenden Floriansanger, Blaulicht hin, Martinshorn her, ebenfalls an der Schranke warten muss. Von einer reinen Fuß- und Radüberführung, wie von mehreren Anwohnern vorgeschlagen um mehr Menschen vom ökoverträglichen Nahverkehr zu motivieren, zeigt sich Léon Bogner von der Neubiberger Feuerwehr wenig begeistert. „Für uns ist die Schranke ein Riesenproblem.“

Viele wünschen sich eine reine Geh- und Radwegbrücke

Mit dieser Meinung stand Bogner, gleichzeitig CSU-Ortsvize, aber an dem Abend des Bürgerdialogs außerhalb seiner Fraktion ziemlich einsam da, das war jedenfalls aus den Wortmeldungen zu schließen. Die reine Geh- und Radwegbrücke mauserte sich in einer anschließenden Abstimmung zum Publikumsliebling: An Stellwänden, an denen die Bürger rote und grüne Punkte für verschiedene Aspekte des Vorhabens vergeben konnten, zeigte sich außer bei der sicheren Querungshilfe für Fußgänger und Radfahrer sehr viel Rot.

Dass die eigene Gemeinde laut dem Gutachten weniger von einer Straßenunterführung hätte als die Nachbarn in Ottobrunn und Neuperlach, veranlasste den Neubiberger Rüdiger Berger zu dem Fazit: „Es kann doch nicht sein, dass wir dafür Millionen ausgeben. Die Schranke ist prima – lassen wir sie!“ Damit erntete er den lautesten Applaus des Abends.

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