Teilnahme ab elf Jahren

VHS-Lehrer bietet Anti-Messerstecher-Kurs für Kinder an

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An der VHS Südost gibt es einen Kurs, der Kinder ab elf Jahren auf Messer-Angriffe vorbereiten soll. Der Bedarf ist da, sagt der Coach, während die Polizei eher verwundert reagiert.

Neubiberg – Kugelschreiber, Wasserflasche, Pausenbox – so gut wie jeder Gegenstand hilft in höchster Not dabei, sich zu wehren, davon ist Gerhard Goller überzeugt. Und mit der richtigen Technik, sagt der 35-jährige Selbstverteidigungs-Trainer, sind sogar Kinder im Notfall auch ohne Hilfsmittel einem Angreifer mit einer Stichwaffe gewachsen. Deshalb lehrt Goller ab Februar des kommenden Jahres an vier Montagen „Selbstverteidigung gegen Messerangriffe – für Jugendliche ab elf Jahren“ im Neubiberger Zentrum Floriansanger, angeboten über die VHS München Südost.

Nicht nur deshalb. „Der Bedarf ist da“, sagt Goller über die Angst vor der Stich-Attacke. „Das ist ein sehr aktuelles Thema, von dem man immer wieder in den Medien hört.“ Der Selbstverteidigungslehrer lässt durchklingen, dass sein recht spezifisches Angebot mit der Furcht vor Übergriffen durch Migranten zu tun hat.

Nach der starken Flüchtlings-Zuwanderung 2015 habe sich maue Nachfrage über die vergangenen beiden Jahre in guten Zulauf zu seinen Messer-Abwehrkursen für Jugendliche entwickelt. „Vom Hörensagen“ hat Goller gehört, dass es auch im Münchner Raum zu Übergriffen mit Stichwaffen gekommen sei. Müssen die Eltern im Landkreis ihre Kinder nun auf ein solches Horror-Szenario vorbereiten?

Polizei ist über Kurs verwundert

Die Polizei reagiert zurückhaltend bis verwundert. Grundsätzlich seien Selbstverteidigungskurse eine gute Sache, sagt ein Sprecher des für den Landkreis und die Stadt München zuständigen Präsidiums. Bei Stich-Attacken auf Jugendliche sei aber „kein Schwerpunkt erkennbar“. Es gebe dafür gar keine eigene Statistik.

Die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen insgesamt – darunter zählen neben Messerangriffen üblicherweise auch Angriffe in Überzahl, gegen den Kopf oder mit anderen Hieb- oder Stichwaffen – sei im Einzugsbereich des Präsidiums von 2013 bis 2017 um knapp zwölf Prozent zurückgegangen: von etwas über 3600 auf rund 3200 Taten. Die Taten werden erfasst, unabhängig davon, ob und falls ja wie schwer die Opfer verletzt werden. Der Anteil an Unter-18-Jährigen unter den Angegriffenen, 2017 waren es 461, 2013 noch 503, sank laut Polizei-Statistik sogar leicht überproportional.

Die Region München ist den Zahlen nach nicht gewalttätiger geworden, auch und erst recht nicht für Kinder und Jugendliche. Dennoch: „Jeder sollte in der Lage sein, sich zu wehren oder den Schaden zu begrenzen“, findet Verteidigungscoach Goller. Die Techniken seien bei Kindern und Erwachsenen identisch und hätten mit Kraft kaum etwas zu tun. „Es kommt auf Technik und Auffassungsgabe an“, also, in der entsprechenden Situation schnell das Richtige zu tun. Das habe Goller seiner Frau, 1,60 Meter groß, beigebracht. „Die kann mich wirklich kaltstellen“, sagt er.

Die Goldene Regel schlechthin laute aber: Weglaufen, so lange es noch geht. „Von so einem Kurs wird man nicht Bruce Lee persönlich“, stellt Goller klar. Ein Fehler könne gegen einen Messerangreifer das Leben kosten. Erst wenn weglaufen aussichtslos sei, gelte: Ran an den Angreifer, um eine Chance zu haben. „Nicht auf den Körper, sondern auf die Hand schlagen“, gibt Goller noch als Tipp.

Der 35-Jährige gebürtige Oberpfälzer ist seit 2016 nebenberuflicher Selbstverteidigungslehrer und spezialisiert auf Kurse für Frauen, Kinder und Jugendliche. Wem der Anti-Messerstecher-Kurs zu speziell sein sollte, für den hat Goller auch noch einen allgemeinen Selbstverteidigungskurs für Jugendliche im Programm.

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