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Das aktualisierte Konzept des Investors (farbig) für das Gelände westlich der Grundschule (grau, rechts). 

Die Zeit wird knapper

Neubiberg: Weiter zähes Ringen um den Ortskern

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Der Investor für das Grundstück um das Medizinische Versorgungszentrum St. Cosmas (MZ) kommt Neubibergs Wünschen offenbar ein wenig entgegen. Die Gemeinde kämpft derweil um ihren Einfluss auf die Planung.

Neubiberg– Die Zukunft des Medizinischen Versorgungszentrums am Neubiberger Rathausplatz ist weiter offen. Im Planungsausschuss wurde deutlich, dass dabei trotz aller Bemühungen der Einfluss der Kommune gegen Null tendiert. Um generelle Vorgaben machen zu können, will die Gemeinde den eigenen Bebauungsplan aber bis zum Winter festzurren.

Der Streit um geplante Wohnbebauung auf dem Gelände um das Medizinische Versorgungszentrum St. Cosmas (MVZ) am Neubiberger Rathausplatz ist zu einem zähen Ringen geworden. Nach vier Jahren sind die Fronten verhärtet.

Anfangs schien das Tischtuch zwischen Gemeinde und Investor zerschnitten

Ein privater Investor will auf dem Areal möglichst viel Wohnbebauung durchsetzen. Als die Gemeinde 2017 eine Veränderungssperre erließ und einen Bebauungsplan anpeilte, schien das Tischtuch zerschnitten. Ein vom Investor angebotener Neubau des MVZ war den Bürgern zu wuchtig.

Der Fortbestand des baulich in die Jahre gekommenen MVZ ist gefährdet. Wie Marc Wißmann vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München klarmachte, hat die Gemeinde auf seine Zukunft keinen Einfluss. Dies sei Sache des Eigentümers und Investors in dessen Verhandlungen mit dem Mieter St. Cosmas.

Bis Dezember muss der Bebauungsplan stehen

Zudem drängt für Neubiberg die Zeit. Denn im Dezember läuft die Veränderungssperre endgültig ab. Dann müsste der Bebauungsplan stehen. Ein Teil des Ausschusses wollte das Paket aber neu aufdröseln. Grünen-Rat Kilian Körner regte an, den Fortbestand des MVZ durch eine Ausweisung des Areals als Sondernutzungsgebiet zu sichern. Ein Vorstoß, den auch sein CSU-Bürgermeister-Kandidaten-Kollege Thomas Pardeller unterstützte. Das wiederum ging Bürgermeister Günter Heyland (FW N@U) und seiner Verwaltung zu weit.

Schließlich verständigte man sich nur darauf, eingegangenen Stellungnahmen vo Behörden und Öffentlichkeit in den Entwurf einzuarbeiten. Dies wurde nach fast dreistündiger Beratung mit teils heftigen Wortwechseln einstimmig beschlossen.

Weitere Kontroversen sind programmiert

Doch weitere Kontroversen sind programmiert. Pikant ist dabei ein in der vergangenen Woche anberaumtes Gespräch mit Fraktionssprechern der Rathausparteien, dem Investor Thomas Fleischmann und Vertretern von St. Cosmas, um eine „doch noch einvernehmliche Lösung zu erarbeiten“ – mit Erhalt des MVZ, so der Wunsch aller Fraktionen.

Nur „auf der Basis einiger neuer Planskizzen“ werde man das Thema aber im Ausschuss nicht behandeln, stellte der Rathauschef klar. Gebe es Belastbares, das den Gemeindezielen Grünerhalt, reduzierte Flächenversiegelung und Tiefgaragen-Planung an entspricht, seien neue Gespräche möglich. Es gelte nun, die Bauleitplanung voranzutreiben und den korrekten Verfahrensweg weiterzuverfolgen.

Bürgermeister warnt vor teuren Regressforderungen

Sonst stünden in einem Normenkontrollverfahren für die Gemeinde laut Bauamt sechs- oder siebenstellige Regressforderungen seitens des Eigentümers im Raum. „Das können Sie nicht wollen!“, rief Heyland den Kritikern zu. Zudem sei man „um Jahre zurückgeworfen“, wenn man jetzt den eingeschlagenen Planungsweg verlasse.

Aus aktualisierten Plänen lassen sich auch Einlenkbewegungen des Investors herauslesen. Neben einer umfangreichen, zweigeteilten und von Süden wie Südwesten erschlossenen Tiefgarage unter dem Gelände will man offenkundig mit umfangreichem Erhalt der gewachsenen Baumstrukturen und einer modifizierten, aufgelockerten Baukörpergestaltung dem planerischen Denken der Gemeinde von vier kompakten Würfelgebäuden wenigstens näherkommen – mit je einem Vierer- und Dreierhaus, sieben Doppelhäusern und vier Einzelanwesen auf zwei Geschoßflächen. Auch St. Cosmas findet sich in den erneuerten Entwürfen am bisherigen Standort wieder.

Nächster offizieller Termin für Vorschläge des Investors ist die Gemeinderatssitzung am 29. Juli.

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