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Perfekte Haltung: Spitzensportler und Weltcup-Teilnehmer Ladislav Sulir aus Neubiberg in den USA (Iron Mountain 1999), kurz vor dem Ende seiner Karriere als Skispringer.
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Schanze in Strbske Pleso in der Slowakei: Der junge Ladislav Sulir auf dem Weg zum Erfolg.
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Sprungschanze in Zakopane Polen. Ladislav Sulir segelt durch die Luft (1990).
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Vor dem eigenen Geschäft im Ortszentrum von Neubiberg: Ladislav Sulir ist mit seinem Radlmarkt seit 15 Jahren in der Gemeinde daheim. Vor seiner Selbstständigkeit sprang er auf den großen Skischanzen der Welt vorne mit.

Radlmarkt gibt es seit 15 Jahren

Weltcup-Teilnehmer: Wie Skispringer Ladislav Sulir nach Neubiberg kam

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Die Karriere von Ladislav Sulir als Skispringer begann auf einer Schanze in der Hohen Tatra in der Slowakei. Nach Neubiberg kam er aus einem ganz bestimmten Grund.

Neubiberg– Wer auf einem Fahrrad einmal erfolgreich vor einem Bären geflüchtet ist, der bleibt dem Zweirad-Sport wohl treu. So erging es jedenfalls Ladislav Sulir, der seit 15 Jahren den Radlmarkt Neubiberg im Ortszentrum betreibt. Im Jahr bringt er rund 1500 Fahrräder auf Vordermann, stellt die Trekking-, Mountainbikes, Pedelecs und Rennräder so ein, das sie einwandfrei dahinschnurren.

Neubiberger übte sich in nordischer Kombination

Weniger bekannt ist, dass Ladislav Sulir, heute 42 Jahre alt, nicht nur gerne am Fahrrad schraubt und Modelle verkauft, sondern eine steile Karriere als Skispringer und Kombinierer hinter sich hat – auch am Weltcup nahm der Wahl-Neubiberger mehrmals erfolgreich teil.

Die Geschichte mit dem Bären hat sich in der Hohen Tatra zugetragen. Dort erlebte der angehende Spitzensportler im Zentrum eines kleinen slowakischen Skigebietes seine Kindheit. Auf etwas mehr als 1000 Metern Höhe, wo die Wildnis greifbar ist: Europäische Braunbären, Wölfe, Luchse, Steinadler sowie Murmeltiere haben dort ihren natürlichen Lebensraum. Und eben Bären, von denen der junge Ladislav (damals zwölf) einem begegnete. Seine Mutter hatte ihn gebeten, im Frühling Blumen zu pflücken, woraufhin er sich mit dem Fahrrad auf den Weg. Der Braunbär tauchte hinter ihm auf und lief an ihm vorbei. Ladislav trat so kräftig in die Pedale, wie er nur konnte. Glücklicherweise war der Bär nicht an einer Verfolgung interessiert.

Wohin mit der Energie des jungen Ladislav?

Ansonsten ging es in der slowakischen Hohen Tatra eher ruhig zu. In dem Berggebiet gibt es ausschließlich Hotels und Skibetrieb. Und eine Sprungschanze. Dort oben ist der Punkt über dem Tal, wo sich alle Konzentration sammelt. Der Schnee knirscht fein. Dann folgt der Sprung, und die Springer segeln wie ein gespannter Bogen durch die Luft. Für den jungen, in einfachen Verhältnissen aufwachsenden Ladislav gewann die Schanze eine schicksalhafte Bedeutung. Er war ein hyperaktives Kind, und die allein erziehende Mutter („Meine Mutter war die Beste“) wusste nicht, wie sie der unbändigen Energie des kleinen Ladislav beikommen sollte. Sie probierte es mit Vereinen, Volley- und Basketball, Fußball.

Und dann der Volltreffer: Mit acht Jahren kam Sulir in den Sportverein mit Skisprungabteilung. Im „Roten Stern Strbske Pleso“ brachte man ihm Langlauf und Sisprung bei. Mit Anlaufschwierigkeiten – bei seiner ersten tschechoslowakischen Meisterschaft (Kombination, Langlauf und Skispringen) wurde Ladislav Sulir Letzter. Ein Jahr später aber folgte eine Leistungsexplosion: Der Nachwuchssportler gewann alles, was es zu gewinnen gab. „Ich hatte Glück mit dem Trainer“, erzählt Sulir. Sein Jugendcoach sollte ihn bis ins Erwachsenenalter begleiten. Genau wie der Erfolg.

Höhenpunkte der Karriere

Die Höhepunkte seiner Karriere: Sprungschanzen-Rekord beim Interkontinental-Cup 1994 in der Kombination im polnischen Sczyrk-Wisla mit 91,5 Metern, elffacher slowakischer Meister, einmal tschechoslowakischer Meister. Beste Platzierung beim Weltcup 1994 der Kombinierer (Platz 2 im Springen, Platz 15 nach dem Langlauf). Zwei Jahre später wechselte er ganz zum Skispringen und ließ den Langlauf wettkampfmäßig ruhen.

Natürlich nahm Sulir auch an Turnieren auf Schanzen in Deutschland teil, wie 1998 in Oberwiesenthal (11. Platz), zwei Jahre nachdem der mehrfache Olympiasieger und Weltmeister Jens Weißflog dort den Schanzenrekord von 102 Metern aufgestellt hatte. Außerdem erinnert sich der 42-Jährige gerne an den Weltcup 1999 im schweizerischen Engelberg. Damals erreichte er den achten Platz. Simon Ammann sprang zum Sieg. Natürlich kannte man sich.

1999 letzte Weltcup-Teilnahme

Nach diesem schönen Ergebnis auf der steilsten Schanze im Skisprung-Weltcup machte der slowakische Spitzensportler Schluss mit dem Spitzensport. Endgültig.

Die Liebe zum Skispringen aber blieb. „Als kleiner Junge hast du keine Angst“, erzählt Sulir. „Du fährst da runter und genießt das Gefühl, den Adrenalinschub.“ Angst spürte er nie, immer nur Respekt. Vor der Sprungschanze, dem Flug, den Menschen, dem Material. Es musste alles perfekt sein. „Skispringen kann man nicht als Hobby betreiben, sondern nur als Profi“, sagt er. Zu gefährlich. Der Erfolg hänge zu 60 Prozent an der Psyche, 40 Prozent an der körperlichen Leistung.

Der Sport erlaubte es dem jungen Slowaken, viel zu reisen – durch die USA und Skandinavien. Auch nach Deutschland kam er oft, und ihm gefiel das Leben hier sehr. Als es mit dem Skispringen vorbei war und Sulir in der Slowakei keine Perspektive mehr für sich sah, wanderte er aus. In der Schule hatte er ein bisschen Deutsch gelernt und zog zu seiner damaligen Freundin nach München.

Dort entdeckte er auch seine frühe Leidenschaft wieder, das Basteln am Fahrrad, und machte es zum Beruf: „Mein erstes Fahrrad habe ich mit zwölf Jahren aufgepeppt“, erzählt er. Mit 14 baute er sein erstes eigenes Modell. Er feilte weiter an den Feinheiten, verbesserte die Technik und mit 18 Jahren war seine Eigenkonstruktion das schönste Fahrrad in der Umgebung. Sein Wintersport-Trainer war so begeistert, dass er unbedingt das gleiche haben wollte.

Wintersport-Trainer will gleiches Fahrrad wie Ladislav

Zu lernen gab es trotzdem noch etwas. Und dabei spielte der Zufall eine Rolle: Als sich der ehemalige Sportprofi vor 20 Jahren in München niederließ, wollte er als erstes sein eigenes Rad reparieren und kaufte eine Luftpumpe bei einem Fachladen in Giesing. Er verstand sich mit dem Besitzer auf Anhieb gut, und da war es ausgemacht. Ladislav Sulir machte dort seine dreijährige Ausbildung. Als die Slowakei 2004 Teil der EU wurde, ergriff er die Gelegenheit zur Selbstständigkeit beim Schopf. Er setzte sich auf sein Fahrrad, erkundete ganz München und Umgebung nach einem idealen Platz für seinen Laden. Und in Neubiberg war einer frei geworden. Man einigte sich schnell: „Ich habe Glück gehabt, in einer so schönen Gemeinde arbeiten zu können“, sagt der 42-Jährige heute.

Ladislav Sulir hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Und seinen ehemaligen Beruf macht er jetzt zum Hobby: Langlaufen in Lenggries oder in der Jachenau. Skifahren geht er nicht. Aus Selbstschutz. Denn er hat ein Problem, das er mit allen ehemaligen Skispringern teilt: Sie können die Geschwindigkeit nicht einschätzen. „Ich kann nicht unterscheiden, ob ich 120 oder 200 fahre.“ Also bleibt er lieber beim Langlauf – oder er schwingt sich mit Ehefrau und Tochter auf den Sattel und streift durchs Münchner Umland. Schon vor mehr als vier Wochen hat für ihn die Frühlingssaison begonnen: „Sobald der Schnee weg ist, wird geradelt.“

Lesen Sie auch: Stürze, Abschied und viel Gold: Turbulente Skisprung-Saison

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