Auch für Studenten und Azubis

Neubiberg will mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen

Neubiberg - Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper. In Neubiberg sollen nun bei der Vergabe von Gemeinde-Wohnungen nicht mehr nur die Einkommensverhältnisse potenzieller Mieter herangezogen werden.

Auch Härtefälle, etwa Obdachlose oder davon Bedrohte, sollen künftig eine Chance, auf Gemeinde-Wohnungen haben. Ebenso könnten Ehrenamtliche, karitativ Tätige und etwa Mitarbeiter der sozialen Einrichtungen am Ort begünstigt werden. 

In den kommenden Jahren bis 2020 will und muss die Gemeinde aufgrund der gestiegenen Nachfrage den kommunalen Wohnungsbau vorantreiben. Von einer „Wohnbauoffensive“ sprechen Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U) und die Verwaltung bei drei bis fünf anstehenden Neubauprojekten im Gemeindegebiet. Ein Vorzeigeprojekt soll ein zusammen mit der Baugesellschaft München-Land forcierter Neubau „Auf der Heid“ mit etwa 35 neuen Wohnungen. Weitere sollen folgen. Denn der Bestand von aktuell 117 Gemeinde-Wohnungen dagegen reicht nicht aus. Da sind sich auch die Gemeinderäte einig. Während die vonseiten der CSU in einem eigenen Antrag geforderte Transparenz bei der Vergabe der Wohnungen auch vonseiten der anderen Ratsfraktionen klar unterstützt wurde, wollen die Parteien mitunter unterschiedliche Schwerpunkte bei der Auswahl der künftigen Mieter ansetzen. 

Blick auch auf Studenten und Auszubildende

Dabei war der Fokus auf Menschen mit niedrigen Einkommen kein Streitpunkt. Alle Fraktionen hatten sich bereits bei der Befragung im Vorfeld darauf verständigt. Antonio Melleni (USU – 100% Uni) richtete den Förder-Blick darüber hinaus auch auf Studenten und Auszubildende. „Wir wollen aber auch für das Ehrenamt etwas tun“, unterstrich CSU-Fraktionssprecher Thomas Pardeller. Hier müssten auch für die nachweislich Ehrenamtlichen von Hilfsdiensten oder Freiwilliger Feuerwehr Optionen geschaffen werden. 

Jürgen Knopp (FW) gefiel zwar der Ansatz. „Doch es ist eine Luftblase, Wohnraum für alle schaffen zu wollen“, betonte er. Einen „exakten Kriterienkatalog nicht für jedes Wohnbauvorhaben, sondern für Neubiberg insgesamt“ forderte Kilian Körner (Grüne). 

Einkommen, Ehrenamt und Härtefälle

Die von der Verwaltung erarbeiten drei Anforderungs-Kategorien mit Blick auf Einkommen, Ehrenamt und Härtefälle kam grundsätzlich gut an. Ein Anfang scheint hier gemacht. Noch in den Kinderschuhen steht dagegen offenbar die Entscheidung des Gemeinderates bei der Wahl des richtigen Fördermodells. Drei Modelle präsentierte die Verwaltung aktuell. Vorteile und Haken haben sie alle. Beim Förderprogramm des Kreises etwa kann eine breite Phalanx aus Antragstellern von Gemeinde bis privater Betreibergesellschaft in den Fördergenuss kommen. Allerdings behält sich das Landratsamt im Gegenzug auch das Belegungsrecht vor. Die Gemeinde kann nicht selbstständig über die Nutzer entscheiden. 

Bei der einkommensorientierten Förderung wären sowohl Mieter als auch Objektbetreiber förderfähig. Allerdings würde sich die Gemeinde lange binden, das Belegungsrecht wäre auch vom Objekt abhängig. Sehr selbständig aktiv wäre die Kommune im dritten Fördermodellfall. Beim kommunalen Wohnraumförderprogramm läge die Belegung allein in den Händen der Gemeinde. Doch diese müsste dann auch als alleiniger Projektträger fungieren. Das finanzielle Risiko der Millionenprojekte läge ebenfalls in Gemeindehänden und müsste über den Haushalt finanziert werden. 

Noch ist nichts entschieden

Entschieden wurde noch nichts. Im Zuge der einzelnen Neubau-Projekte wird sich der Rat dann aber entscheiden müssen. Die Wohnbauoffensive wird auch zur finanzpolitischen Denksportaufgabe.

Harald Hettich

Rubriklistenbild: © dpa

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