So kannten sie die Neubiberger: Bobby Kreuzer begrüßte ihre Gäste durch die Essensausgabe.
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So kannten sie die Neubiberger: Bobby Kreuzer begrüßte ihre Gäste durch die Essensausgabe.

Nachruf

Wirtin und Fahnenmutter: Trauer um Hildegard „Bobby“ Kreuzer (82)

  • Marc Schreib
    VonMarc Schreib
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Sie war die Wirtin vom Neubiberger Hof, sie war die Fahnenträgerin der Feuerwehr. Nun ist Hildegard Kreuzer, besser bekannt als Bobby, im Alter von 82 Jahren gestorben.

Neubiberg – Hildegard Kreuzer hat den Neubiberger Hof gegenüber der S-Bahn im Ort bis ins hohe Alter als Wirtin geführt, den allermeisten besser bekannt unter dem Spitznamen Bobby. Als Fahnenträgerin der Feuerwehr hat sie fungiert und sie stand im Ort für ein herzliches und persönliches Miteinander. Jetzt ist die Neubiberger Wirtin im Alter von 82 Jahren gestorben. Nach einem Oberschenkelhalsbruch folgten Komplikationen, die zum Tod führten.

Die Beerdigung selbst wollte die Familie im engen Kreis halten, später gaben die Feuerwehr und die Burschen ihrem Ehrenmitglied das letzte Geleit am Grab. Bobby Kreuzer war auch für beide Vereine eine wichtige Stütze. Bei den Burschen ist sie bislang als einzige Frau zum Ehrenmitglied ernannt worden.

Unvergesslich für die eingesessenen Neubiberger ist das Bild der Wirtin hinter der Essensausgabe im Söltl, wie die Traditionswirtschaft genannt wurde. Fast 50 Jahre lang sah man Bobby Kreuzer hier als erstes beim Betreten der Wirtschaft und hielt einen kurzen Ratsch mit ihr. Kein Zweifel, für Bobby Kreuzer war der Beruf der Wirtin eine Berufung, der sie so lange nachging, wie sie es vermochte und sie verwaltete den gastronomischen Besitz in allen wichtigen Bereichen – „vom Putzlumpen bis zum Finanzamt“, wie selbst es gerne formuliert hatte. Dabei war sie laut dem Vorsitzenden der Feuerwehr Neubiberg, Christian Wehrenpfennig, auch der Dreh- und Angelpunkt für Neuigkeiten. Wie sagte sie über sich? „Ich war immer neugierig. Das bin ich auch heute noch. Sonst erfährst ja nix.“

Das letzte Geleit haben der Neubibergerin Bobby Kreuzer am Grab der Burschenverein und der Feuerwehrverein gegeben. Die Trauerrede hielt Feuerwehrvereinsvorsitzender Christian Wehrenpfennig.

In drei Jahren hätte der Neubiberger Hof sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Hier sind vier Generationen groß geworden, drei haben den elterlichen Betrieb von der Wiege an kennengelernt. Kaum dass Bobby Kreuzers Kinder Bernd und Erwin laufen konnten, hatten sie schon die Kegel in der Hand. Es gab zwei Kegelbahnen im Keller, auf denen die Spuren gesellschaftlicher Unterhaltung sich über die Jahre eingegraben haben. Bis zur Schließung im Jahr 2017 war der Neubiberger Hof die beliebteste Dorfwirtschaft nicht nur für die Vereine. Als Bobby Kreuzer aus Altersgründen zurücktreten und die Gaststätte schließen musste, ging ein Stück Lebensgefühl im Ort verloren, wie es Christian Wehrenpfennig in seiner Trauerrede formulierte.

Dazu gehören auch kulinarische Besonderheiten. Der Feuerwehr-Vereinsvorsitzende erinnert sich lebhaft an die Burschenteller oder an die „Fuhre Mist“. Verschiedene Wurstspezialitäten wurden auf einer Schubkarre zu den Gästen an den Tisch gebracht. Beim Neubiberger Straßenfest hatten die Burschen ihren festen Stand bei der Traditionsgaststätte, und gegen Ende der Feier leuchtete Bobby Kreuzer vom Balkon aus den Feierenden den Weg mit einer tanzenden Nachttischlampe aus.

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