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Keine halben Sachen machen die Forscher vom Batterie-Startup „m-Bee“. Auf dem Foto sind Christoph Dietrich (re.) und Nam Trouong zu sehen – Arthur Singer und Martin Sprehe komplettieren das Kleeblatt.

Interview

Neubiberger Batterie-Startup: „In fünf Jahren auf dem ganzen Globus“

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Vier junge Forsche von der Bundeswehr-Uni Neubiberg arbeiten in ihrem Startup an der Zukunft der Batterie-Elektronik. Dafür gab es einen Preis.

Neubiberg– Ein Durchbruch in der Batterietechnik wäre ein Durchbruch für die Elektromobilität – und wer ihn schafft, hatden Nobelpreis so gut wie sicher. Vier junge Forscher haben immerhin den ersten Schritt getan: Als Ausgründung der Universität der Bundeswehr in Neubiberg haben sie das Startup-Unternehmen „m-Bee“ gegründet. Sie entwickeln Elektronik für modulare Batteriespeichersysteme. Christoph Dietrich, Nam Truong, Arthur Singer und Martin Sprehe sind damit derart erfolgreich, dass sie beim renommierten Münchner Businessplan-Wettbewerb den zweiten Platz belegten. Im Interview spricht Christoph Dietrich über Wissenschaft, Nachhaltigkeit und die Zukunft.

- Herr Dietrich, für Laien erklärt: Was machen Sie und welchen Nutzen hat Ihre Arbeit?

m-Bee entwickelt und vertreibt Elektronik für Energiespeicher. Durch den vermehrten Einsatz von erneuerbaren Energien im Strommix und durch die rasant wachsende Zahl an Elektroautos wächst der Bedarf an Batteriespeichern rasant. Leider steht die Speichertechnologie insgesamt noch vor großen technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, welche die Energiewende stark verlangsamen. Exakt die Nachteile kann unsere Elektronik überwinden.

- Wie funktioniert das praktisch?

Speichersysteme bestehen aus einem Speichermedium wie Batterien oder Brennstoffzellen und aus der Elektronik, die den Strom aus dem Speicher für das Einspeisen in das Stromnetz umwandeln muss. Wir beackern den zweiten Teil. Ab dem nächsten Jahr liefern wir unsere Elektronik an die Hersteller von Großspeichern für die Industrie, an Stromversorger wie die Stadtwerke München oder an die Entwickler des Antriebsstrangs von Elektroautos. Dort werden ganze Batteriemodule in Containern gestapelt und fest miteinander verkabelt. Am Ende der Kette wird ein zentraler Umrichter angeschlossen, der den Strom umwandelt.

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Batteriespeicher heute: zu langsam und ausfallanfällig

- Und das funktioniert noch nicht richtig?

Heute ist der Einsatz von Batteriespeichern noch verlangsamt. Zudem sind Elektriker bei den notwendigen Wartungen Hochspannungen der Batteriekette ausgesetzt – durchaus lebensgefährliche Bedingungen. Fallen Batteriespeicher aus, entstehen sehr schnell hohe finanzielle Schäden in Wirtschaft und Industrie. Mit unserer Technologie setzen wir genau an diesen Schwachstellen an, verringern die Energieverschwendung der Speichersysteme um 70 Prozent und reduzieren zudem den heute noch notwendigen Einsatz von Kupferspulen um sogar 90 Prozent.

- Wie ausgereift ist die Technik? Und wie groß ist das Interesse von Investoren?

Unsere Elektronik wurde bereits an verschiedenen Batteriespeichern erfolgreich eingesetzt. Bis zur geplanten Markteinführung kommendes Jahr wollen wir sie noch verbessern. Durch den Wettbewerb sind einige neue Investoren auf uns aufmerksam geworden. Allerdings sichten Wagniskapitalgeber tausende Businesspläne im Jahr. Durch den Wettbewerb sind wir aber wohl weiter oben auf dem Stapel gelandet (lacht). Man muss sich aber alles hart erarbeiten.

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Zwischen Schreibtisch, Labor und Kundentermin

- Wie läuft der Alltag Ihrer Startup-Crew ab?

An der Uni arbeiten wir in unserem Elektroniklabor und in Büros. Dazu stehen häufige Termine mit potenziellen Kunden und Investoren an. Wir vier kennen uns seit dem ersten Tag unseres Elektrotechnik-Studiums, aus gemeinsamen Forschungsprojekten. abwechslungs- und lehrreich, nie langweilig – so kann man unsere Arbeitstage zusammenfassen. Wir teilen uns alle Aufgaben zu viert. Was in arrivierten Firmen ganze Abteilungen beschäftigt, landet bei uns auf schmalen Einzelschultern. Der Tag wechselt zwischen Schreibtisch, Mess- und Lötlabor oder bei den Pilotkunden im Feld.

- Klingt anstrengend.

Das wird auch körperlich. Für unseren Demospeicher haben wir im Juni zwei Tonnen Batteriemodule geschleppt und installiert (lacht).

- Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

In fünf Jahren sehen wir unsere Elektronik in stationären Batteriespeichern auf dem gesamten Globus. Hoffentlich haben wir bis dahin auch die Hersteller im konservativen Markt der Automobilindustrie von der m-Bee-Technologie überzeugt. Batteriemodule müssen dann, an der Kapazitätsgrenze angelangt, nicht mehr aufwendig recycelt werden. Sie können in Batteriespeichern der Zukunft ohne großen Umbau der Elektronik direkt weitergenutzt werden.

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