Radler brauchen Platz: Vater Dominik und Tochter Sophia Vogel aus Neubiberg beteiligen sich an der Aktion.
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Radler brauchen Platz: Vater Dominik und Tochter Sophia Vogel aus Neubiberg beteiligen sich an der Aktion.

ADFC und Grüne wollen auf Mindestabstand hinweisen

Pool-Nudeln sorgen für neugierige Blicke in Neubiberg

  • VonHarald Hettich
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Viele Radler fühlen sich entlang der Neubiberger Hauptstraße nicht besonders sicher. Das wurde jetzt bei einer Grünen-Aktion deutlich. Gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) wiesen sie auf den Missstand hin.

Neubiberg - Bei der „Pool-Nudel-Demo“ auf einem Radl-Rundkurs über Hauptstraße, Kaiser- und Freiherr-von-Stengel-Straße zeigten die Teilnehmer jenen Mindestabstand auf, den es für Autofahrer gesetzlich einzuhalten gilt. 1,50 Meter sieht die Straßenverkehrsordnung vor, eben die Pool-Nudel-Länge, die auf den Gepäckträgern der Fahrräder aller Demoteilnehmer angebracht war. „Wir wollen mit dieser Aktion konkret aufzeigen, wie groß der innerorts erforderliche Sicherheitsabstand beim Überholen von Radfahrern tatsächlich ist“, erklärt Organisator Jörg Eichhorn von den Neubiberger Grünen vor dem Circuit.

Demo mit Polizeieskorte

Am Stand der Partei gab es skeptische Stimmen. „Die Autolenker fahren die Pool-Nudeln doch einfach platt“, spekulierte eine Dame. Doch der Konvoi von je einem Polizeifahrzeug vor und hinter dem Tross stimmte optimistisch. Allerdings: „Leider stehen weder die Beamten noch die Poolnudeln sonst zur Verfügung, um diesen irren Radweg abzusichern“, bekennt ein älterer Teilnehmer.

Radwege zu eng

Das Problem hier vor Ort in Neubiberg: Bei vielen Radwegen könne durch die zu geringe Breite der Fahrradwege zwischen Gehbahn und Straße der geforderte Mindestabstand nicht eingehalten werden. Das moniert Die Grünwalderin Antje Wagner als stellvertretende Vorsitzende der ADFC-Dependance München. Wenn ein Autofahrer plötzlich seine Tür öffne, sei der Radler abrupt zum Ausweichen gezwungen und werde in die Fahrbahnmitte gedrängt. Die weiße Abmarkierung des Fahrradweges werde zudem viel zu oft übersehen.

Tägliche bittere Erfahrung

Claudia Engmann aus Neubiberg pflichtet „aus täglich bitterer Erfahrung“ bei. „Das ist hier doch nur eine Minimallösung“, bekennt sie. Wagner wie Engmann fordern deshalb ein „komplettes Radwegenetz in der Region“. Engmann ist jüngst dem ADFC beigetreten „um etwas zu bewegen“. Sie will im Herbst einen eigenen ADFC-Ortsverein in Neubiberg gründen und sucht dafür noch Mitstreiter.

Nudel auf Gepäckträger

Die erste Runde haben die rund 30 Mitradler inzwischen absolviert. Jörg Eichhorn hat seine Poolnudel auf dem Gepäckträger inzwischen jeweils zur Hälfte nach links und rechts ausgerichtet. 1,50 Meter sind das nicht mehr. „Ich habe einfach Bedenken, dass die sonst abgefahren wird“, bekennt er trotz Polizeieskorte. Einige Autofahrer weichen aus, um selbst den Poolnudeln zu entgehen. „Hupkonzerte gibt es ja heute bloß nicht, weil die Polizei dabei ist“, mutmaßt ein Teilnehmer.

Die Tochter nimmt in Sitzkiste Platz

Inzwischen hat sich auch Dominik Vogel der Demo angeschlossen. In der Sitzkiste hat Tochter Sophia Platz genommen. „Die Kinder sind nur da drin halbwegs sicher“, bekennt Vogel. „Als Schulweg auf dem herkömmlichen Zweirad taugt die Hauptstraße nicht.“ Zur Grundschule am Neubiberger Rathausplatz müsse man einen Ausweichpfad beispielsweise über die Schopenhauer Straße nehmen. Mit Blick auf die verkehrlichen Realitäten hier und in anderen Kommunen dürfte es aber noch vieler Poolnudeln bedürfen, bis der Fahrradclub und die Grünen ihr Ziel erreichen.

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