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Elternbeirat fordert: Alle Kinder in die Schule!

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Von: Marc Schreib, Stefan Weinzierl

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Vorstellung der Luftfilter im Herbst in Neubibeerg: (v.l.) Universitätspräsidentin Merith Niehuss, Bürgermeister Thomas Pardeller, Hubert Aiwanger und Professor Christian Kähler.
Vorstellung der Luftfilter im Herbst in Neubiberg: (v.l.) Universitätspräsidentin Merith Niehuss, Bürgermeister Thomas Pardeller, Hubert Aiwanger und Professor Christian Kähler. © Universität der Bundswehr

Am Montag startet an den Schulen der Wechselunterricht. Aber wäre in besonderen Fällen nicht auch ein Präsenzunterricht in vollem Umfang möglich wie etwa im Falle der Grundschule Neubiberg? Diese Bitte hat der Elternbeirat an Kultusminister Michael Piazolo gerichtet.

Neubiberg - Noch vor ein paar Monaten hatte sich Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger vor Ort begeistert vom Neubiberger Pionierweg gezeigt. An der Schule kommen Raumlüfter zum Einsatz, die nach einer Studie der Bundesuniversität Neubiberg zusammen mit anderen Maßnahmen dazu geeignet sind, das Restrisiko einer Infektion sehr stark zu senken. Daher sei es denkbar, den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Metern zu unterschreiten, ohne negative Folgen befürchten zu müssen. Im ersten Schulhalbjahr 2020/2021 habe es deshalb bei Vollzeitunterricht keinen einzigen Coronafall an der Grundschule Neubiberg gegeben, auch wenn der Abstand nicht eingehalten werden konnte.

Luftreiniger und Trennscheiben

Die Gemeinde hat auf Basis der Schulstudie des Experten Christian Kähler von der Bundeswehruniversität Neubiberg und mithilfe seiner Unterstützung Raumluftreiniger und Trennscheiben angeschafft. Schutzkonzepte, bei denen die Infektionsgefahr durch Raumluftreiniger plus Trennwände realisiert werden, hätte den Vorteil, dass innerhalb kurzer Zeit Viren im Raum unschädlich gemacht würden.

Präsenzunterricht besser als Wechselunterricht

Der Elternbeirat hält zwar den Wechselunterricht für besser als die bisherige Lösung. Er könne aber den vollen Präsenzunterricht nicht ersetzen. Gerade auch im Hinblick auf die sozialen Folgen, wenn wieder über einen längeren Zeitraum die Kinder nur teilweise beschult werden. Und auch vor dem Hintergrund, dass sich die Kinder nun schon das zweite Schuljahr in Folge in dieser misslichen Lage befinden. Der Beirat bittet „um eindringliche Prüfung, ob an der Grundschule Neubiberg aufgrund der exzellenten hygienischen Ausstattung ab kommenden Montag bereits Präsenzunterricht mit der ganzen Klasse ohne Gruppenteilung möglich ist“. Infektionen auf dem Schulweg durch volle Busse seien ausgeschlossen, die Schule für die Kinder fußläufig erreichbar.

Neubiberg steht mit seinem Vorstoß allein da

Sonst hat nach Kenntnisstand unserer Zeitung noch keine Schule im Landkreis einen Vorstoß geplant, auch nicht in Grünwald. Hier sind die beiden Bildungseinrichtungen, die Martin-Kneidl-Grundschule und das Gymnasium, komplett mit Raumreinigern ausgestattet, die Viren abtöten. Der stellvertretende Schulleiter des Gymnasiums Grünwald, Günter Förschner, sieht keine Möglichkeit für gesonderte Regelungen.

Rektorin aus Unterhaching kann Überlegungen nachvollziehen

Gabriela Löffelmeier, Rektorin der Grundschule an der Jahnstraße in Unterhaching, kann die Gedankenspiele des Neubiberger Elternbeirats nachvollziehen. Schließlich werde die dortige Schule, was den Kampf gegen Areosole betrifft, besonders von der örtlichen Bundeswehr-Universität unterstützt. „Das ist deren Baby und damit wohl die mit Luftfiltern bestausgestattete Schule in ganz Bayern“, vermutet sie. In den Klassenzimmern ihrer Grundschule gibt es hingegen keine Luftfilter, lediglich für die Turnhalle wurden Geräte angeschafft. Deshalb steht für Löffelmaier auch außer Frage, dass an ihrer Schule derzeit keine komplette Klassen auf einmal am Präsenzunterricht teilnehmen können. „Bei uns gibt es Wechselunterricht – und zwar dieses Mal tageweise“, erläutert die Rektorin. So sind die Klassen in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils entweder dienstags und donnerstags oder mittwochs und freitags zum Präsenzunterricht in die Schule kommen können. Für die Tage, an denen die jeweilige Gruppe von zuhause aus lernen müssen, gibt es Arbeitsaufträge von den Klassleiterinnen samt dem entsprechenden Material. Montags dürfen beide Gruppen in die Schule aber nicht zur selben Zeit, sondern zeitversetzt. „In der Zeit, in der die eine Gruppe das Klassenzimmer verlassen hat und die neue Gruppe in die Klasse kommt, wird der Lehrer gut durchlüften und die Tische desinfizieren“, sagt Löffelmeier.

Für das Landratsamt ist die Rechtslage im Falle Neubibergs eindeutig

Für das Landratsamt ist die Rechtslage im Falle Neubibergs eindeutig: „Maßgeblich für die Entscheidung über die Durchführung des Unterrichts als vollständigen Präsenz- oder Wechselunterricht ist nach aktueller Rechtslage ausschließlich die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern. Kann dieser nicht eingehalten werden, ist in den Wechselunterricht zu gehen.“

Darüber hinaus gehende Möglichkeiten, einen vollständigen Präsenzunterricht durchzuführen, auch wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, sind dem Landratsamt nicht bekannt. In gleicher Weise argumentiert das Kultusministerium, wie eine Anfrage des Münchner Merkur ergab.

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