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Der Borkenkäfer bedroht die heimischen Wälder.

im Neubiberger Umweltausschuss

Revierförster verteidigt umstrittene Fällaktion

Er ist dieser Tage ein gefragter Mann in Neubiberg: Revierförster Michael Matuschek nahm jetzt im Umweltausschuss nicht nur zu den umstrittenen Baumfällungen im Schopenhauer Wald Stellung, sondern stellte auch die „Entwicklungsagenda Bürgerwald Neubiberg 2050“ vor.

Neubiberg Entwicklungen wie die Ausbreitung von Schädlingen wie dem Asiatischen Laubholzbockkäfer oder das von Pilzwucherungen begleitete, hierzulande seit acht Jahren beobachtete Eschentriebsterben machen den Menschen zunehmend Sorge. Das war auch im Umweltausschuss spürbar, als der fürs Neubiberger Gehölz zuständige Revierförster Michael Matuschek seinen Sachvortrag den Ratsmitgliedern und interessierten Bürgern präsentierte. Seine Ausführungen zeigten deutlich jene brisante ökologische Entwicklung in Form des sich immer deutlicher abzeichnenden globalen Klimawandels auf, mit dem auch die Fachkräfte zu kämpfen haben, die für die Wälder hierzulande zuständig sind.

Matuschek ging auf die rund dreiwöchige Fällaktion vor allem im Schopenhauer Wald, aber auch in weiteren Neubiberger Forstbereichen ein, die aufgrund ihrer Ausmaße für Verunsicherung und Kritik in der Bevölkerung gesorgt hatte. Er machte deutlich, dass die Umfänge notwendig gewesen seien, um das Refugium Wald auch in der Zukunft für die Menschen erhalten zu können.

Eine frohe Botschaft hatte der Gast auch zu verkünden: Penibel war im Zuge der jüngsten Fällarbeiten sogar mit Spürhunden nach aktuellen Spuren einer womöglich erneuten Ausbreitung des Asiatischen Laubholzbockkäfers geforscht worden. „Gottseidank haben wir hier nichts mehr gefunden“, so Matuschek.

Zum Entspannen freilich gibt es keinen Grund, wenn man dem erfahrenen Waldexperten Glauben schenkt. „Der Wald ist ein Generationenvertrag“, sagte Matuschek. Und dieser scheint ernsthaft gefährdet. Langfristige Visionen wie der „Bürgerwald 2050“ mögen auf viele Jahre ausgerichtet sein, Forst-Expertisen sind es laut Matuschek auf 20 Jahre.

Doch die Natur im Wandel schlägt im wahrsten Sinn des Wortes eigene Schneisen. Orkan-Stürme wie „Niklas“ oder der ausgeprägte Hitzesommer 2015 mit 37 Prozent verringerten Niederschlagszahlen und daraus folgenden Wasserdefiziten von 170 Litern pro Quadratmeter sind mehr als Boten einer neuen Zeit, wie Matuschek und seine Kollegen wissen. Borkenkäfer vom Schlage der „Kupferstecher“ und „Buckdrucker“ würden sich massiv ausbreiten. „Am Anfang des Jahres sind aus jeweils zwei solcher Baumschädlinge mitunter 64 000 geworden“, sagte der Waldexperte. Die Folge: Kranke und tote Bäume wie jüngst im Schopenhauer Wald müssten raus, um den Bestand durch Neupflanzungen auf lange Sicht zu schützen. Ansonsten sei für einen Baum, der im Endzyklus etwa vom „Hallimasch“ befallen ist, nach sieben bis acht Jahren Schicht im Schacht“, so Matuschek.

Auch in Neubiberg sei ein ganzes Maßnahmenpaket zu schnüren. Die Neupflanzung resistenter Baumarten sei ebenso unerlässlich wie deren umsichtige, dauerhaft ausgerichtete Pflege. Weil etwa Fichte oder Kiefer vielerorts aufgrund ihres hohen Wasserbedarfs oder der geringen Hitzeresistenz ihrem (un-)natürlichen Ende entgegenblickten und auch Bergahorn oder Buche zunehmend zu kämpfen hätten, würde vermehrt mit bislang fremden, aber resistenten Gehölzen wie Platanen oder nordamerikanischen Baumarten aufgeforstet. Umdenken sei vielerorts gefragt, so der Fachmann. So würden beispielsweise möglichst viele Eichen gepflanzt, um fast nach Darwin-Prinzip im Wettkampf die stärksten, künftig überlebensfähigsten Bäume zu ermitteln.

Der Waldstandort Neubiberg ist zudem nicht unproblematisch: Eng angrenzende, intensive Bebauung lasse Warmluft schlecht abfließen und die Temperaturen würden nicht abkühlen. Der Wald bleibe dauerhaft „erhitzt“. Dazu geselle sich der Problemumstand der Münchner Schotterebene mit schlechter Durchwurzelung sowie geringer Bodenhaftung.

Matuschek verteidigte auch die während der jüngsten Rodung eingesetzte Gerätschaft. „Händisch wäre die Arbeit für meine Männer wegen herunterstürzender Baumkronen oder Äste schlicht lebensgefährlich“, sagte er zum Einsatz von Harvester und Co zur Fällung, zur Schälung, zum Schneiden und zum Abtransport. Und er appellierte an die Gemeinde. Es brauche in Zukunft mehr Holzlagerplätze und verbesserte Zuwege. Um die Spuren des umfangreichen Ausholzens müsse man sich indes keine Gedanken machen. Die Pfade würden sich naturbelassen revitalisieren. „Da macht das Hufgetrampel von Pferden mehr aus.“

Die Pflege des Waldes ist für die Gemeinde übrigens nicht billig. Rund 90 000 Euro von 100 000 Euro Gesamtkosten hat der Förster als Neubiberger Anteil aktuell für die Dauer von drei bis vier Jahren errechnet.

Von Harald Hettich

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