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G8 ist erledigt: Die Abiturienten am Ottobrunner Gymnasium haben das achtjährige Gymnasium erfolgreich durchlaufen. Die kommenden Frünftklässler werden neun Jahre Zeit haben, bis sie ihr Abschlusszeugnis erhalten.

Was Eltern und Schulleiter von der Rückkehr zum G9 halten

G9 sorgt für Platzprobleme

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Aus pädagogischer Sicht begrüßen viele Schulleiter im Landkreis München die Rückkehr zum G9. Allerdings gibt es ein praktisches Problem: Es fehlen vielerorts die räumlichen Kapazitäten für einen zusätzlichen Jahrgang.

Landkreis– Zum Beispiel im Gymnasium Neubiberg: An der Schule mit aktuell 1300 Schülern und teilweise sieben Parallelklassen ist der Einschub von zusätzlichen Klassen schwierig. „Wenn ein zusätzlicher Jahrgang kommt, können wir künftig nicht mehr so viele Schüler aufnehmen“, sagt Schulleiter Reinhard Rolvering, „das ist ein Problem für die umliegenden Gemeinden.“

Ohnehin sei der Zulauf der Viertklässler zum Gymnasium „sehr hoch“. Er hofft, dass die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium nicht Schüler von Real- und Mittelschulen abzieht. „Bei einer Übertrittquote von 70 Prozent im Landkreis ist es nicht sinnvoll, wenn diese Quote noch weiter gesteigert wird.“

Von den praktischen Problemen abgesehen, begrüßt Rolvering das G9 aus pädagogischer Sicht: „Wichtig ist nur, dass es aus einem Guss wird. Gerade die Mittelstufe müsste entlastet werden.“

Überall finden derzeit Informationsveranstaltungen an den Gymnasien im Landkreis statt. Sie sollen Viertklässlern und deren Eltern bei der Entscheidung für oder gegen das Gymnasium helfen. Gestern Abend begrüßte Andreas Hautmann die künftigen Fünftklässler am Carl-Orff-Gymnasium in Unterschleißheim mit den Worten: „Ihr seid im Herbst der erste G9-Jahrgang.“

„Wir haben den Kindern zuviel zugemutet“

Dabei weiß er selbst noch nicht genau, wie das G9 im Einzelnen aussehen wird. Hautmann hofft auf ein gut geplantes neunjähriges Gymnasium in Bayern: „Ich freue mich auf die Rückkehr zum G9. Es war nicht alles schlecht am G8, aber wenn man auf die Abiturienten schaut, und die Kandidaten, die es nicht schaffen, dann muss man schon sagen: Wir haben den Kindern zu viel zugemutet.“ Er selbst hat einen Sohn in der sechsten Klasse und ist überzeugt: „Kinder brauchen Zeit für Regeneration.“

Das ist auch die einhellige Meinung des Elternbeirats, der die Rückkehr zum G9 begrüßt: „Mehr Zeit zum Lernen, nimmt Stress aus dem Alltag von Schülern und Familien“, sagt Regine Kosel, Vorsitzende des Elternbeirats, die zwei Kinder an der Unterschleißheimer Schule hat.

Bitte keine Rolle rückwärts

Der pensionierte Schulleiter Heinz Durner aus Oberhaching ist seit Jahren Beauftragter für die weiterführenden Schulen im Landkreis München und hat 21 Jahre gegen das G8 gekämpft, als er noch Direktor am Luise-Meitner-Gymanasium in Unterhaching war. Freut er sich jetzt, dass das G9 zurückkommt? „Das kommt immer drauf an“, sagt Durner: „Wenn man einen Lehrplan gestaltet, der auf die Herausforderungen der Zukunft in Technologie und Forschung eingeht und wenn man die Chancen der Digitalisierung mit neuen Arbeitskonzepten verbindet, die für die Schüler einen Mehrwert haben, dann ja.“ Er warnt allerdings davor, „dass wir nur eine Verlängerung des Gymnasiums mit dem gleichen Inhalt bekommen“. Eine Rolle rückwärts werde zur selben Kritik führen, die einst zum G8 führte, ist Durner überzeugt: „Damals hieß es, dass die Gymnasiasten herumgammeln, nur jobben und sich langweilen.“

Alexandra Herfurtner (51) hat eine Tochter am Gymnasium Ottobrunn. Sie ist eine der wenigen Elternvertreter, die mit dem G8 zufrieden sind. „Bei uns im Elternbeirat gibt es unterschiedliche Erfahrungen“, sagt sie. Sie persönlich findet, dass das G8 am Gymnasium Ottobrunn gut läuft. Neben den pädagogischen Fragen verweist sie aber auf ein praktisches Detail: „Wenn der Lernstoff auf neun Jahre gestreckt wird und der Unterricht an den Nachmittagen wegfällt, stellt das viele berufstätige Eltern vor ein großes Problem: Wie sollen sie die Kinderbetreuung organisieren? Viele Frauen sind inzwischen darauf eingerichtet, berufstätig zu sein.“

Eine andere Detailfrage ist die Belegung von Klassenräumen: „Der Neubau für das Gymnasium Ottobrunn, der letztes Jahr im Frühling bezogen wurde, ist klar auf das G8 ausgerichtet“, sagt Alexandra Herfurtner: „Es gibt keinen Platz für einen weiteren Jahrgang, egal wo man ihn anpflanzen würde.“

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