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Der aus Ostberlin stammende Klaus Rolle wollte als Student fliehen und wurde gefasst. Seine Erfahrungen machte er zum Mittelpunkt seiner Geschichte. 

Teilnehmer schreiben biografische Erzählungen

Schreibwerkstatt offenbart Schätze der Erinnerung  

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Neubiberg – Die Schulzeit, das Jahr im Gefängnis, Kontakt mit Gastarbeitern: Ganz persönliche Erlebnisse teilen die Schreiber mit Zuhörern.

Sechs Teilnehmer machten in unterschiedlichsten Geschichten deutlich: So war das damals. „Alle haben einen großen Schatz an Erinnerungen“, betonte Irmtraut Bohn, die den Abend im Kleinen Saal der Corneliuskirche in Neubiberg moderierte. 

Seit drei Jahren gibt es die Biografische Schreibwerkstatt, und mittlerweile „ist eine riesige Sammlung von Geschichten entstanden“, sagte Bohn. Zwischen den Beiträgen von Barbara Doenecke, Beate Haase, Elisabeth Jauch, Klaus Rolle, Lore Schildener und Steffen Zimmer spielte Isabel Jungk Stücke am Klavier. 

Dass es gar nicht so einfach ist, Vergangenes aus dem eigenen Leben zu Papier zu bringen, hatte Irmtraut Bohn zuvor deutlich gemacht. „Manchmal verläuft man sich im Erinnerungsschatz.“ Es gehe darum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und einen Aspekt hervorzuheben. 

Lore Schildener beispielsweise beschrieb das Schuljahr 1946 am Gymnasium Landshut. Das Lateinbuch sei zunächst das einzige Schulbuch gewesen. Alle anderen seien entweder verbrannt oder wegen nationalsozialistischer Inhalte aus dem Verkehr gezogen worden. Für den Geschichtsunterricht habe das bedeutet: „Noch Jahre später endete der Ablauf der deutschen Geschichte mit Bismarck.“ Die Zuhörer erfuhren von der Schulspeise in der großen Pause: Reisbrei, Erbsen-Eintopf oder Kakao mit einem Gebäckstück sei für viele Schüler die einzige Mahlzeit des Tages gewesen. Wegen des harten Winters seien die Kinder, nachdem das karge Brennmaterial verbraucht war, für Wochen nach Hause geschickt worden. Schildener war erst vor wenigen Tagen beim Ehemaligentreffen. Vor 60 Jahren hat sie Abitur gemacht und erzählte: „Je länger diese Zeit zurückliegt, desto sonniger erscheint manchem diese entbehrungsreiche Zeit.“ 

Ihre Geschichte „Unser Italiener“ widmete Elisabeth Jauch den ersten Gastarbeitern, insbesondere Signore Trovato aus Süditalien. Sie erinnerte an die Art und Weise, wie man mit ihnen kommuniziert habe: „Man sprach in Infinitiv-Form und duzte sie.“ Ihre Großtante dagegen „sah im Umgang mit anderen zunächst den Menschen und dann den Ausländer“. Jauch berichtete von Treffen, bei denen sich der Vater, der in italienischer Gefangenschaft war, und sie mittels Wörterbuch und Händen und Füßen mit Herrn Trovato unterhalten hätten. „Wir saßen im Garten und taten das, was man heute unter Willkommenskultur versteht.“ Durch die Gastarbeiter aus Italien, aber auch aus anderen südeuropäischen Ländern hätten die Deutschen profitiert – und unter anderem ihre „Ess-, Musik- und Gartenkultur“ sowie ihre Sprachkenntnisse erweitert. 

Fremd sein in einem ganz anderen Sinne machte Klaus Rolle zum Mittelpunkt einer seiner Geschichten. Als 26-Jähriger versuchte der aus Ostberlin stammende damalige Student bei einem Urlaub in Bulgarien in die Türkei zu fliehen – und wurde gefasst. Seine Strafe: Ein Jahr und zehn Monate Haft und Arbeitslager in Hohenschönhausen/Ostberlin. Mit Schwerverbrechern, darunter ein Mörder, ein Kinderschänder, ein Totschläger, habe er eine kleine Zelle teilen müssen. Erst durch die äußerst hartnäckigen Bemühungen seines Vaters, der bereits im Westen lebte, sei er nach einem Jahr von der Bundesregierung mit 40 000 Westmark frei gekauft worden. Das Leben in einer Demokratie, in Freiheit wisse er sehr zu schätzen. „Ich bin viel zufriedener als andere."

Bernadette Heimann

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