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Das Gesicht der Bayern-SPD: Spitzenkandidatin Natascha Kohnen (50) aus Neubiberg. 
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Das Gesicht der Bayern-SPD: Spitzenkandidatin Natascha Kohnen (50) aus Neubiberg. 

Landtagskandidaten im Porträt

SPD-Spitzenkandidatin Kohnen: Kampf um Haltung und Stil

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Sie wirbt für Anstand und fordert Stil: Die CSU ist Bayerns SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen viel zu populistisch. Sie muss kämpfen, damit die  SPD nicht hinter der AfD landet.

Neubiberg – Mit „Haltung“ und „Anstand“ wirbt Natascha Kohnen auf Wahlplakaten. Bei der Landtagswahl dreht sich alles um den Stil. Natascha Kohnen hier, Markus Söder da – zwei Spitzenkandidaten, die kaum verschiedener sein könnten. Wenn die Chefin der Bayern-SPD über Familie, Schule und Wohnen spricht, klingt das unverstellt, ernsthaft und ruhig. Diesen Stil will Natascha Kohnen, die als Direktkandidatin im Stimmkreis München Land Süd antritt, in die Waagschale werfen. „Ich halte nichts davon, auf das derbe und populistische Attackieren einzuschwenken.“

Die SPD-Spitzenkandidatin ist viel unterwegs, stemmt sich gegen schlechte Umfragewerte. Kämpfen heißt die Devise für den Endspurt. Gerade kommt die 50-Jährige von einer Pressekonferenz. Jetzt sitzt sie zuhause vor ihrer Bücherwand im Einfamilienhaus in Neubiberg. Bücher sind nicht nur ihre Leidenschaft, sie waren auch ihr Beruf, bevor die Biologin und Lektorin von Schulbüchern mit 33 Jahren zur SPD stieß. Am großen Esstisch sitzt Tochter Hannah (18) und verfolgt das Gespräch. In einer Ecke des gemütlichen Raums steht noch das Bügelbrett.

„CSU hetzt“

Natascha Kohnen wirkt jugendlich, locker und weltoffen. Sie erzählt, dass sie bei einer Podiumsdiskussion gefragt wurde, welches Wort ihre Politik zusammenfassen würde. „Zusammenhalt. Die Leute haben die Nase voll vom fiesen Populismus“, sagt sie. Insbesondere in der Flüchtlingspolitik kritisiert sie den CSU-Stil. „Mit ihrer Hetze hat die CSU einen Geist aufkommen lassen, den viele nicht für möglich gehalten haben. Das hat mich entschlossener gemacht, denn es geht um mehr als um Politik.“

Wofür sie eintritt, spitzt Kohnen auf drei Themen zu: „Die SPD ist die Partei für Wohnen, Familie und Arbeit.“ Ihre Schlussfolgerungen leitet sie schlüssig her, in einfachen Sätzen wie eine Rechenaufgabe, bei der alles zusammenhängt. Sie lächelt oft, gestikuliert viel, und in ihrer dunklen Stimme schwingt energiegeladene Begeisterung.

Jeder braucht bezahlbares Dach über dem Kopf

Für die Kohnen ist Wohnen die soziale Frage der nächsten Jahrzehnte: „Die erste Aufgabe ist für die SPD, dass jeder ein bezahlbares Dach über dem Kopf hat.“ Bayern habe in den vergangenen Jahren zu wenig gebaut. „Wir brauchen eine bayerische, staatliche Wohnungsbaugesellschaft.“

Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern kennt die Schwierigkeit, Arbeit und Kinder zu vereinbaren. Dass sie sich über fehlende Kinderbetreuung geärgert hat, gab 1999, als sie mit ihrer Familie aus Paris nach Neubiberg kam, den Ausschlag dafür, dass sie in die Kommunalpolitik einstieg, als Gemeinderätin, Kreisrätin und Chefin des Unterbezirks Verantwortung übernahm. Die Kinderbetreuung soll für Eltern bayernweit kostenfrei werden, „damit etwas übrig bleibt am Ende des Monats“. Gleichzeitig soll es kleinere Gruppen und eine bessere Bezahlung für das Personal geben. „Ja, das ist finanzierbar.“

Über ihre Strategie für die Landtagswahl äußerte sich Natascha Kohnen auch im Interview mit Merkur.de.

Es braucht Weiterbildungsgesetz

Beim Thema Arbeit fordert sie ein Einwanderungsgesetz, damit Fachkräfte zuziehen können, und – was alle Bundesländer außer Sachsen und Bayern längst haben – ein Weiterbildungsgesetz. „Ein Recht auf zehn Tage im Jahr für berufliche oder politische Bildung, um alle mitzunehmen beim digitalen Wandel.“

Als sie im Landtagswahlkampf 2008 zum ersten Mal von Haus zu Haus ging und sich vorstellte, war Natascha Kohnen noch recht unbekannt. Inzwischen ist sie das Gesicht der Bayern-SPD. Ihr Bekanntheitsgrad schnellte nach dem Starkbieranstich am Nockherberg nach oben. Ihr Bild wird von Aschaffenburg bis Rosenheim plakatiert. Demnächst wird sie in ihrem Wahlkreis wieder von Tür zu Tür gehen: „Nur, dass mich die Leute jetzt kennen.“

Prognosen: SPD derzeit hinter AfD

Doch warum kann die SPD vom Umfrage-Debakel der CSU (aktuell 34 Prozent laut Insa-Umfrage) nicht profitieren? Sie rangiert bei 11 Prozent hinter Grünen (17) und AfD (14). „Wir sind in einer schwierigen Phase, aus der wir herauskommen müssen“, sagt Kohnen, die Bayern-SPD werde immer auch nach der Bundes-SPD beurteilt. Kohnen will im Schlussspurt das Ruder herumreißen, eintreten gegen Populismus und für Europa, Demokratie und Menschenrechte. Haltung bewahren.

Zu den Porträts

Bis zur Landtagswahl am 14. Oktober stellen wir alle Kandidaten aus den Stimmkreisen München- Land Süd und Nord vor. Die Reihenfolge der Veröffentlichung erfolgt zufällig und ist kein Ausdruck einer Gewichtung.

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