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Zwei, denen ihre Gemeinde am Herzen liegt: Rudolf Kyrein und sein Sohn Josef. 

Familienstammbäume im Landkreis

In ihnen schlägt das Herz Unterbibergs

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Der altehrwürdige Hof der Familie Kyrein in Unterbiberg hat eine lange Geschichte. Bereits im Jahr 1100 soll hier eine Getreidemühle gestanden haben. 1250 wird das Bauern-Anwesen in einer Urkunde des Klosters Tegernsee erwähnt. Seit sechs Generationen prägen die Kyreins heute das Leben in Unterbiberg. Sie sind die am ältesten eingesessene Familie im Ort.

Unterbiberg– Josef Kyrein und sein Vater Rudolf haben sich an einem heißen Sommertag in den Schatten der Veranda des Bauernhofs zurückgezogen. Während man sich an dem prächtigen Anwesen mit seinen verzweigten Stallungen gar nicht satt sehen kann, untermauern die beiden Landwirte den starken Eindruck mit historischen Fakten. „Vom Kloster Tegernsee stammen auch die Aufzeichnungen aus einer Lehens-Urkunde aus dem Jahr 1762 über dieses Anwesen“, erklärt Josef Kyrein. „Diese Urkunde regelte Rechte und Pflichten der Leibeigenen, des Pächters, seine Abgaben in Naturalien und Geld an die Äbte des Klosters.“ Auf den Namen Dionision Zehetmayr war die Urkunde ausgestellt. Noch heute prangt sein Name am Außengemäuer.

Stammbaum geht bis ins Jahr 1648 zurück

Seit 1824 ist die Familie Kyrein selbst in Unterbiberg beheimatet. In mittlerweile sechster Generation. Zuvor lässt sich der Stammbaum der Familie bis 1648 zurückdatieren. „Die Anfänge waren in Hofolding“, erklärt Rudolf Kyrein. „Warum die Familie damals umgezogen ist, das ist nicht überliefert.“ In Unterbiberg sind die Kyreins mittlerweile die am ältesten eingesessene Familie.

„Es wird ja nur noch auf drei Höfen überhaupt produziert“, schwingt bei Landwirt Josef etwas Wehmut über die schwierigen Zeiten für die Bauern mit. Auch die eigene landwirtschaftliche Zukunft ist noch nicht gesichert. „Da müssen wir erst einmal schauen, welche Schwiegersöhne unsere Mädel in die Familie bringen und ob da ein Bauer dabei ist“, sagt der 81-jährige Rudolf schmunzelnd. Freilich ist der Opa stolz auf seine drei Enkelinnen Elisabeth, Regina und Konstanze. Doch ein bäuerlicher Stammhalter sei halt noch nicht in Sicht. Das würde sich Josef Kyrein sehr wünschen.

Die Mädchen von Josef und Ingrid Kyrein und der Großeltern Rudolf und Ursula haben eigene Pläne. Derzeit lebt man zwar noch in drei Generationen auf dem Hof. „Aber unsere Jüngste geht bald zur Polizei und die anderen beiden haben auch ihre eigenen Pläne und Berufswünsche“, so Josef. „Jetzt in der Erntezeit haben aber alle wieder toll zusammen geholfen.“

Roggen im Herbst, Braugerste im Frühjahr wächst vorrangig auf den Kyrein-Feldern. Viel Pause ist nicht, bald müssen die Böden wieder für die nächste Aussaat vorbereitet werden. Beim „Grubbern“, dem Bodenlockern, sind alle wieder aktiv. Das Getreide wird auf dem eigenen Hof gelagert und dann per Sattelschlepper-Transport an unterschiedliche Bio-Vermarktungsgesellschaften transferiert.

Umstieg zum Bio-Hof nie bereut

Josef Kyrein hat mit großem Aufwand den landwirtschaftlichen Betrieb Anfang der 1990er auf Bio umgestellt. Hauptsächlich Getreide, aber auch noch Kartoffeln werden hier produziert. Seine Vorgänger hatten noch intensiv Kartoffelanbau betrieben - in der eigenen Brennerei bis 1924 und später im genossenschaftlichen Zusammenschluss wurde Alkohol für Genuss und Industrie produziert. Das alte Brennhaus direkt am Anwesen ist längt abgerissen, hatte zuvor noch bis 1967 als Ortsgaststätte gedient. Den Umstieg zum Bio-Hof hat Josef Kyrein nie bereut – trotz einiger Anfangsschwierigkeiten bei einer anspruchsvollen Umstellung der agrarischen Abläufe. „Ich habe das aus Überzeugung gemacht und im Naturinteresse“, sagt er. Josef Kyrein sitzt für die Grünen auch im Gemeinderat Neubiberg. Auch Waldwirtschaft betreibt die Familie im nahen Forst bei Kirchstockach.

Seit Anbeginn politisch engagiert

Der Name Kyrein steht seit jeher auch für ein starkes politisches und gesellschaftliches Engagement, um das eigene Lebensumfeld auch lebenswert zu erhalten. „Stefan als erster in der Ahnenreihe war damals schon Ortsvorsteher“, erklärt Rudolf. Es folgen diverse Josefs als Bürgermeister. Auch Rudolf Kyrein gehörte einst lange als CSU-Mandatsträger dem Gemeinderat an. „Das war nicht immer schön“, blickt der Senior etwa auf 1975 zurück – als Unterbiberg nach Neubiberg eingemeindet wurde und die Eigenständigkeit samt Namens-Ortsrecht verlor. Die beiden Gemeindeteile passten durch die vielen Trennlinien einfach nicht zusammen. Damals habe man in Unterbiberg noch Platz gehabt. „Das hat sich inzwischen auch stark verändert“, verweisen beide auf die umfangreiche Bautätigkeit. „Wir schauen nur, dass der alte Kern wenigstens erhalten bleibt – verkauft wird kein Grund mehr“, zeigt sich Rudolf Kyrein im Schulterschluss mit dem Sohn entschlossen, das 27 Hektar große Agrargelände samt 15 Hektar Waldflächen zusammenzuhalten.

Heimat und Tradition lebenswert erhalten

„Natürlich braucht die Gemeinde auch Gewerbe und Steuern“ zeigen die Kyreins Verständnis. Aber durch die Koppelung von Gewerbe mit Wohnbau wachse auch der Druck auf Unterbiberg stetig. Auch so eine Entwicklung, die den traditionellen wie innovativen Landwirten Kyrein Sorge bereitet. Gesellschaftlich engagiert bleiben die beiden dennoch oder gerade deshalb. Bei der Feuerwehr war der Vater Kommandant, der Sohn Stellvertreter und ebnete zudem als aktueller Vereinsvorsitzender den Weg zum neuen Feuerwehrgerätehaus, auf das beide stolz sind. Zudem ist Josef auch noch in der Kirchgemeinde St. Georg als Kirchenpfleger aktiv. „Von nichts kommt nichts, man muss sich schon engagieren, will man die Heimat lebenswert und die Tradition erhalten“, sind sie sich einig.

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