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Beliebt bei Modellflug-Freunden: die frühere Lotsenstation.

Versteckter Ort Lotsenstation an der A8 in Neubiberg

Modellflieger statt Kaffeebar

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Neubiberg - Auf der A 8 gab es früher kurz vor München die sogenannte Lotsenstation. Heute tummeln sich dort Freunde des Modellflugs. Eine Spurensuche.

Täglich rauschen an dieser Stelle Tausende von Autos vorbei. Und mancher Fahrer fragt sich: Was ist das eigentlich? Die Ausfahrt, 350 Meter nördlich der Anschlussstelle Neubiberg, ist mit dicken Betonklötzen versperrt. Die Hindernisse sollen ungebetene Gäste abhalten, und wenn doch mal ein Fahrzeug dort stehen sollte, gehört es entweder zur Autobahnmeisterei oder einem Techniker der Mobilfunkanlage.

Dass heute ein einsamer Sendemast für Mobilfunk und den internen Betriebsfunk der Autobahndirektion Südbayern steht, wo früher reger Verköstigungsbetrieb dominierte, hat mit der neuen Verkehrsführung zu tun. Die Anschlussstelle Neubiberg gibt es nämlich erst seit 2004. Gebaut, um das Campeon-Gelände vom Chip-Hersteller Infineon mit rund 6000 Arbeitsplätzen anzubinden. 

Weil der Abstand zwischen beiden Trenninselspitzen, wie es im Fachjargon der Straßenplaner heißt, nur 300 Meter betrug und damit die Verkehrssicherheit gefährdet erschien, musste die ehemalige „Lotsenstation Ramersdorf“ (so die offizielle Bezeichnung, auch wenn die Einfahrt auf Neubiberger Flur lag) weichen. 

Die Lotsenstation an der A 8, später ein reiner Kiosk, war eine Anlage der Autobahn Tank & Rast GmbH in Bonn. Zum Jahresende kündigte die Autobahndirektion Südbayern den Konzessionsvertrag, 2006 erfolgte der Abbruch des Gebäudes. Aus den genannten Sicherheitsgründen. 

Autobahntechnisch ist die Anlage heute ein „Lost Place“, völlig verlassen allerdings nicht: Ein dunkelbraunes Holzgebäude ist vollgestopft mit Servern, um den weithin sichtbaren Sendemasten sowohl für Mobilfunk als auch für den internen Betriebsfunk zu betreiben. Außerdem nutzt die zuständige Autobahnmeisterei Holzkirchen das Gelände als Lagerplatz. Wie Josef Seebacher, Pressesprecher der Autobahndirektion Südbayern, mitteilt, „gibt es zudem Überlegungen, dort in Zukunft eine Salzladestation für den Winterdienst einzurichten“. 

Dass Autofahrer hin und wieder Spaziergänger oder Radfahrer an der einstigen Lotsenstation erblicken, liegt daran, dass diese von Norden (Fasangartenstraße) oder Osten (Unterhachinger Straße) erreichbar ist. Ein kurzer Spaziergang durch im Frühjahr gelb blühende Rapsfelder, und schon steht man nahe an der Autobahn und trotzdem noch weit genug weg davon. 

Unter Modellfliegern ist die Stelle beliebt, weil auf den freien Feldern Richtung Neubiberg prima Bedingungen herrschen, um ferngesteuerte Flugzeuge oder Hubschrauber ihre Kreise in der Luft ziehen zu lassen. 

Ganz ausgedient hat die Lotsenstation insofern nicht; bloß, dass heute primär Mini-Helikopter statt Fernverkehr gelotst werden. Und wer genau hinschaut, wird am Boden direkt am Gebäude einen offiziellen Grenzpunkt entdecken: den zwischen der Gemeinde Neubiberg und der Landeshauptstadt München.

Martin Becker

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