Explosiv: Platz zwei gab es für die Flaschenrakete von Thomas aus der neunten Klasse. 
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Explosiv: Platz zwei gab es für die Flaschenrakete von Thomas aus der neunten Klasse. 

Neubiberger Gymnasiasten überzeugen bei „Jugend forscht“

Von glibberig bis explosiv: Junge Forscher räumen bei Wettbewerb an

  • vonHarald Hettich
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Seit 2018 beschäftigen sich „Forscherklassen“ der achten und neunten Jahrgangsstufe am Neubiberger Gymnasium mit naturwissenschaftlichen Experimenten der besonderen Art. Und das mit Erfolg. Die Neubiberger Schüler haben auch heuer wieder im Regionalentscheid von „Jugend forscht“ einen zweiten und mehrere dritte Plätze erobert.

Neubiberg - „Die Schüler, die sich für eine Teilnahme in den Forscherklassen entschließen, wenden jede Menge Zeit und Energie für ihre Projekte auf“, erklärt Christian Herdt, als Biologie- und Chemielehrer am Gymnasium auch der verantwortliche Projektbetreuer. Neben regelmäßigem Zusatzunterricht und Exkursionen wird montags fast dreistündig experimentiert, was das Zeug hält. Auch die Zeiten des Lockdowns und sogar während der Weihnachtsferien kamen die Schüler in ihren Schullaboren oder privat in Kleingruppen zum Tüfteln zusammen. Denn nicht nur die Versuchsanordnungen sind diffizil, auch die Zeitvorgaben bei „Jugend forscht“ sind eng getaktet.

So verändert sich Götterspeise

In nur acht Wochen und in kurzen gemeinsamen Präsenzphasen rauchten die Köpfe. Doch es hat sich gelohnt für die 13- und 14-jährigen Teilnehmer. Ein starkes Mädchentrio widmete sich den Aggregatszuständen glibberiger Götterspeisen. Welche Eigenschaften haben sie, und wie lassen sich diese Eigenschaften verändern? Alix, Ella und Lina wurden fündig. Ganz ohne eigenen Konsum, dafür mit reichlich Röhrchen und Temperaturveränderungen im mehrfach ummantelten Reagenzglas. Zum angestrebten „4. Aggregatszustand“ – also Plasma – gelangten die jungen Forscherinnen auch mithilfe von Frank Haferkorn vom Ottobrunner Forschungs- und Erfinderbüro OGIS. Er hatte die Schule kontaktiert, als er von den Forscherklassen hörte und die jungen Damen zum „Glibber-Experiment“ inspiriert. „Spannend“ lautet das Werturteil der Schülerinnen, die „aber erst mal keine Götterspeise mehr“ sehen können. Für ihre Forschung bekamen die Drei den dritten Preis in der Kategorie Chemie und einen Sonderpreis für interdisziplinäre Projekte.

Die vier Aggregatzustände von Götterspeise waren Teil eines Experiments. 

Wie stark kann eine Explosion sein?

Wie lässt sich die Stärke und Dynamik von Explosionen in Abhängigkeit zu den Außenfaktoren setzen? Forschungsklassen-Mitglied Thomas aus der neunten Klasse arrangierte ein anspruchsvolles Versuchsfeld. In diesem Projekt sollte untersucht werden, auf welche Weise sich die Stärke einer einfachen Alkan-Luft-Explosion beeinflussen lässt. „In einer sogenannten Flaschenrakete wird ein entsprechendes Alkan-Luft-Gemisch piezoelektrisch gezündet und eine zur Hälfte mit Wasser gefüllte Flasche wirkt als Rakete, die senkrecht in die Luft fliegt“, erklärt Herdt, der die Anordnung seines Schülers fachlich betreut hat. „Wenn man die Steighöhe der Rakete experimentell bestimmt, hat man ein Maß für den Umfang der chemischen Reaktion“, so Herdt. „Gleichzeitig soll die Explosion mit einer speziellen Hochgeschwindigkeitskamera gefilmt und ausgewertet werden“. Ein Höhensensor, gekoppelt mit und auslesbar durch ein iPad, ermittelt die jeweilige Flughöhe bei unterschiedlichen Gemisch-Zugaben. Neben dem zweiten Preis in Chemie bei „Jugend forscht“ gab es dafür auch einen Sonderpreis.

Schaum-Experimente und Mücken-Vertreiber

Dazu gab es beim Regionalwettbewerb weitere dritte Preise. Etwa für Neuntklässler Andreas, der mit Schaum experimentierte. Wasserstoffperoxid mit Spülmittel, Wasser und Kaliumiodid erzielten „aufschäumende Reaktionen“ und zeigten unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene Gefäße.

Christian Herdt ist Biologie- und Chemielehrer am Gymnasium Neubiberg und auch der verantwortliche Projektbetreuer.

Emma und Nils, ebenfalls aus der neunten Klasse, beschäftigten sich mit Mücken. Emma untersuchte dabei mögliche Lockstoffe, um die Kleintiere anzulocken. Nils wiederum widmete sich den sogenannten Repellents, mit denen sich Mücken vertreiben lassen. Im Fachbereich Biologie wurde dieses Engagement mit Rang drei belohnt.

Insgesamt kommt das Projekt Forscherklasse am Neubiberger Gymnasium sehr gut an. Amelie aus der achten Klasse erklärt, warum es so bereichernd ist. „Ich habe mich auch für diese Klasse entschieden, weil Experimentieren Spaß macht und man hier nicht nur dasitzt und zuschaut. Man ist selbst mittendrin. Echt cool“. Christian Herdt freut sich über solche Aussagen und betont, „besonders der Teamgedanke“ sei wichtig. Bei „Jugend forscht“ gehe es vorrangig nicht um das Siegen, sondern um die „Teilhabe und Freude der jungen Menschen an Naturwissenschaften“.

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