Neue Brücke über A-94: Anwohner fürchten Lärmterror

Feldkirchen - Ab April wird die Brücke an der B 471 über die Autobahn A 94 in Feldkirchen neu gebaut. Die Anwohner der Oberndorfer Straße hätten sich mehr Mitsprache gewünscht. Sie fürchten eine massive Lärmbelastung.

Am Ende der Infoveranstaltung im Feldkirchner Rathaus hält es Carmen Finkenzeller nicht mehr aus: „Zumindest das Gefühl, dass es Demokratie gibt, dass wir Bürger irgendwo Gehör finden, das ist mir hier sehr abgegangen.“ Eindringlich appelliert die Anwohnerin der Oberndorfer Straße an die Vertreter der Autobahndirektion Südbayern, doch noch Änderungen zuzulassen oder über neue Möglichkeiten nachzudenken. Doch die Vertreter sind Baufachleute, entscheiden dürfen sie nichts: Sie sind in Feldkirchen, um Ergebnisse vorzustellen.

Und so bleibt es bei dem Plan der Autobahndirektion, die Brücke an der Bundesstraße 471 über die A 94 neu zu bauen und das schon ab April. Grundsätzlich klingt die Argumentation recht schlüssig. 40 Jahre alt ist die Brücke an der Oberndorfer Straße inzwischen. Und weil in den 1970er Jahren der Stahl zu nah an die Außenkanten des Betons gebaut wurde, wird das Metall durch eindringendes Wasser rostig und dehnt sich aus. Der Beton platzt ab und könnte möglicherweise auf die Autobahn stürzen. Thomas Sieber von der Brückenbauabteilung der Autobahndirektion warnt: „Wenn man nichts tun würde, würde es zur Einsturzgefahr führen.“

Zwar müssten akut nur Teile der Stützen sowie der Fahrbahnbelag saniert werden. Weil aber in etwa zehn Jahren der komplette Brückenaufbau erneuert werden müsste, wird das jetzt in einem Rutsch gemacht. Rund drei Millionen Euro soll der Bau kosten, von April bis November wird die bisherige Brücke abgerissen und eine neue Brücke gebaut. Inklusive Nacharbeiten soll im Mai 2016 alles fertig sein. 70 Jahre soll die neue Brücke dann halten, erste Sanierungen erhoffen sich die Experten erst nach 30 Jahren.

Während Abbruch und Bau wird die bisherige Brücke für den Autoverkehr gesperrt. Für Fußgänger baut die Autobahndirektion eine Behelfsbrücke. Die neue Brücke erhält auf beiden Seiten einen vollwertigen Fuß- und Radweg, damit die Feldkirchner auf dem Weg ins Gewerbegebiet nicht mehr die Straßenseite wechseln müssen.

Doch das alleine kann die Anwohner an der Oberndorfer Straße nicht beschwichtigen: Sie haben Angst vor Lärm. Während des Umbaus wird nämlich die vorhandene Lärmschutzwand abgebaut. Den größten Teil dieser Zeit wird der Verkehr auf der Autobahn wegen der Bauarbeiten zwar auf 80 Stundenkilometer abgebremst, einige Wochen, unter Umständen auch während des G7-Gipfels in Elmau, könnte das Tempolimit aber aufgehoben werden. Das heißt: Ungebremster Verkehr ohne Lärmschutz. Erst gegen Ende der Arbeiten wird die Wand wieder im bisherigen Umfang angebracht, allerdings nicht verlängert, wie sich das manche Feldkirchner erhofft haben.

„In dem Moment, wo die Lärmschutzwand weg ist, kann ich im Keller schlafen“, befürchtet Carmen Finkenzeller, „ich wohne nur 20 Meter weg.“ Sie und viele andere hatten sich ein anderes Vorgehen der Autobahndirektion gewünscht. Nach ihrer Aussage seien die Vermessungen fast heimlich geschehen, erst im vergangenen Herbst hätte es erste Gerüchte gegeben, was da an der Oberndorfer Straße passieren soll. Gerne hätten die Feldkirchner andere Vorschläge gemacht. Sie befürchten, dass durch die neue Brücke der Verkehr durch den Ort zunimmt, anstatt langfristig auf eine Südumgehung hinzuwirken.

Immerhin eine Entwicklung hat sich dank der Infoveranstaltung im Rathaus aber ergeben: Möglicherweise können noch Leerrohre für Glasfaseranschluss und AFK-Geothermie an der Brücke befestigt werden, darauf war die Autobahndirektion bisher nicht eingegangen. Carmen Finkenzeller ist dennoch unzufrieden. An Bauleiter Martin Spornraft richtet sie den Wunsch: „Bauen Sie die Brücke drei Jahre, ganz langsam, dann ist es wenigstens ruhig.“ bew

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