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"Da wird Engagement kaputt gemacht"

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Altpapier-Sammeln ist ihre Leidenschaft: Die Handball-Jugend des TSV Haar ist unterwegs mit den Helfern des TSV Haar und mit der Organisatorin Christa Lampe (unten links). foto: FKN
Altpapier-Sammeln ist ihre Leidenschaft: Die Handball-Jugend des TSV Haar ist unterwegs mit den Helfern des TSV Haar und mit der Organisatorin Christa Lampe (unten links). foto: FKN

Haar - Da war Petra Lauer, Leiterin der Handballabteilung des TSV Haar, schon überrascht, als sie nach einer karitativen Altpapiersammlung mit ihrer Handballjugend ein Schreiben vom Landratsamt bekam: Laut einer Gesetzesänderung müssen gewerbliche, aber auch gemeinnützige Altpapiersammlungen mindestens drei Monate im Voraus beim Landratsamt angemeldet werden.

Der Antrag muss Angaben über die Größe und Organisation des Trägers und des Auftraggebers sowie Informationen über Art, Dauer und Ausmaß der Sammlung enthalten. Wenn man die Sammlung nicht anmeldet, drohen Strafzahlungen in einer Höhe von bis zu 10 000 Euro. Bei der Aktion der Handballjugend aus Haar war das Gesetz erst drei Wochen alt. Der Verein kam daher mit einer Warnung davon. „Aber irritiert waren wir schon“, sagt Lauer. „Damit wird einiges Engagement kaputt gemacht.“

Christa Lampe aus Haar hat die Aktion mit der Handballjugend organisiert und ebenfalls den Brief aus dem Landratsamt bekommen. 105 solcher gemeinnützigen Sammlungen hat sie bereits zusammen mit der Gemeinde Haar durchgeführt. „Und jetzt dieser Zirkus“, sagt Lampe, „da mag ich schön langsam nicht mehr.“ Das Problem sei, dass immer andere Vereine bei ihren Sammlungen mitmachen, die sie dann immer wieder neu beim Landratsamt anmelden müsse. Bisher einigten sich der jeweilige Verein und Christa Lampe kurzfristig auf einen Termin. „Uns reichte eine Vorlaufzeit von vier Wochen“, sagt Lampe.

Für ihre Altpapiersammlungen bekommt sie drei Fahrzeuge von der Gemeinde Haar. „Damit müsste doch klar sein, dass die Gemeinde mit der Sammlung einverstanden ist“, sagt Lampe. Viele Haarer wissen von den Sammlungen. „Ich habe mein festes Klientel, das immer mitmacht“, sagt Lampe. Teilweise kommen die Leute mit ihrem Fahrrad und einem Bündel Papier auf dem Gepäckträger, ganz reizend sei das immer. Abgesehen vom wohltätigen Zweck haben die Sammlungen von Christa Lampe noch eine ganz andere, soziale Komponente: Viele ältere Leute aus Haar heben Papier und Altkleider extra für die Sammler auf. „Die können das nicht mehr allein vom dritten Stock runter tragen und wissen schon, dass wir regelmäßig kommen.“

Bernhard Mühlbauer, Leiter der Abteilung „Umwelt“ im Landratsamt, gibt Entwarnung: „Für gemeinnützige Sammlungen ist die Hürde nicht besonders hoch.“ Natürlich sei durch das Bundesgesetz neue Bürokratie entstanden, was mehr Aufwand für das Landratsamt als auch für die Gemeinden und die Träger der Sammlungen bedeute. Das Gesetz eröffne den Gemeinden aber die Möglichkeit, Stellung zu nehmen - deshalb die Dreimonatsfrist - und sich so vor ungewünschten, vor allem gewerblichen Sammlern zu schützen. Abfall, gerade Altpapier, habe einen gewissen Wert. „Solche Sammlungen sind eine Konkurrenz für die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger“, sagt er. Bei Fragen zur Antragstellung stehe das Amt jederzeit zur Verfügung.

Eine Sammlung macht Christa Lampe auf jeden Fall noch, am 20. April in Haar. Danach muss sie schauen, sagt sie, wie das mit den Genehmigungen und dem Landratsamt weiterläuft.

Service Landratsamt

Fragen und Beratungswünsche zur Anmeldung von gemeinnützigen Altpapier- oder Altkleidersammlungen an: immissionsschutz@lra-m-bayern.de

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