Mit neuem Selbstbewusstsein zum Überraschungscoup?

- TSV im Pokalspiel in Berlin krasser Außenseiter

VON UMBERTO SAVIGNANO Unterhaching - Es ist gerade zwei Wochen her, da verlangten die Volleyballer des TSV Unterhaching dem amtierenden Deutschen Meister und ungeschlagenen Tabellenführer SC Charlottenburg Berlin im Bundesliga-Heimspiel alles ab. Mehr als ein Satzgewinn - zugleich der erste Durchgang, den die Hauptsädter bis dahin abgeben mussten - sprang als Lohn für hohen kämpferischen Einsatz und enorme Spielfreude nicht heraus. Doch seit jenem 1:3 tragen die Hachinger wieder den Glauben in sich, gegen Spitzenteams bestehen zu können. Ob es schon zur Revanche gegen die in bestechender Form befindlichen Berliner reicht, wird sich am Sonntag herausstellen: Ab 15 Uhr gastiert der TSV im Achtelfinale des DVV-Pokals bei den Charlottenburgern.

Auf dem Papier sind die Chancen, eine Runde weiter zu kommen, eher gering, das weiß auch Hachings Trainer Mihai Paduretu. "Wir sind natürlich kein Favorit." Dennoch bedauert er nicht, dass sich vor seiner Mannschaft, da nun erstmals ohne Setzliste ausgelost wurde, ausgerechnet die wohl schwerste Erstrunden-Hürde aufbaut. "Wir spielen lieber gegen so einen Gegner als gegen einen Zweitligisten." Schließlich fördern nur anspruchsvolle Aufgaben das Zusammenspiel der neu formierten Truppe auf höchstem Niveau. Und dann wäre da ja noch eine alte, aber in Wettbewerben mit K.o.-Charakter stets gültige Wahrheit: "Wenn wir den Pokal holen wollen, müssen wir sowieso jeden schlagen", sagt Paduretu, der damit die Ambition ausdrückt, den Erfolg aus dem Januar dieses Jahres noch zu überbieten. Damals unterlag sein Team im Cup-Finale dem VfB Friedrichshafen, nachdem es den ersten Satz überzeugend gewonnen hatte, mit 1:3. "Da haben uns nur zwei Sätze gefehlt", erinnert sich der Trainer an den bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte.

Gerne würden die Hachinger dort anknüpfen, wenngleich dies nicht ihr primäres Ziel ist. "Der Pokal ist uns schon wichtig, aber nicht so wichtig wie die Bundesliga", behauptet Paduretu und nimmt so geschickt den Druck von der Mannschaft.

Ein Ausscheiden wäre nicht tragisch, das Weiterkommen könnte hingegen einen Riesenschub für die gesamte Saison geben. Denn damit würden die Hachinger nicht nur ihre schwarze Serie von Charlottenburg beenden, wo sie noch nie gewinnen konnten. Sie würden zugleich, wie schon beim 3:2-Sieg im Ligaspiel beim VC Markranstädt vor Wochenfrist, beweisen, dass sie gleich zwei Stammkräfte ersetzen können.

Zwar ist Diagonalspieler Mika Pyrhönen unverletzt von der erfolgreichen Olympia-Vorqualifikation mit der finnischen Nationalmannschaft (3:2 gegen Lettland, jeweils 3:1 gegen Slowenien und Ukraine) zurückgekehrt, dafür fehlt diesmal Matthias Gärtner aus beruflichen Gründen, dazu weiterhin Patrick Schwaack (Zehenbruch).

"Im Pokal ist alles möglich!" Für Gärtner wird Stanislav Zimakijevic Libero spielen, Johannes Liegsalz, in Markranstädt starker Pyrhönen-Ersatz, soll sich auf der für ihn weniger gewohnten Außenangreifer-Position bewähren. "Dadurch verschlechtern wir uns in der Annahme", weiß Paduretu um die durch die Ausfälle geschmälerten Chancen. Aber er kennt auch jene zweite alte, aber in Wettbewerben mit K.o.-Charakter stets gültige Wahrheit: "Im Pokal ist alles möglich."

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