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Will für die FDP in den Landtag: Thomas Jännert aus Kirchheim ist der Direktkandidat für den Norden.

Neuling mischt die Liberalen auf

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Die FDP hat ihre Kandidaten für die kommende Landtagswahl aufgestellt. Quereinsteiger Thomas Jännert siegt bei der Wahl gegen Rochus Kammer und ist der Direktkandidat für den Norden. Auch Tobias Thalhammer wurde nominiert

Landkreis/Hohenbrunn – So viele Überraschungen an einem Abend: Da sind auch die erfahrenen Recken im Kreisverband sprachlos. Bei anderen Parteien wird im Hinterstübchen ausbaldowert, wer der Kandidat für die nächste Landtagswahl wird. Bei den Liberalen ist die Abstimmung noch offen und ein Quereinsteiger – wie Thomas Jännert aus Kirchheim – plötzlich Direktkandidat.

50 Mitglieder haben sich im Alten Wirt in Hohenbrunn versammelt. Tobias Thalhammer setzt sich als Kandidat für den südlichen Landkreis mit 16 zu 8 Stimmen gegen den Arzt Dr. Matthias Schröder aus Grünwald durch, der erst ein paar Tage zuvor angekündigt hatte, kandidieren zu wollen. Als Direktkandidat für den nördlichen Landkreis gewinnt der Unternehmer Thomas Jännert (40) aus Kirchheim, der seit ein paar Monaten im Kreisvorstand mitarbeitet. Er gewinnt in einer Stichwahl gegen den erfahrenen Rochus Kammer (60) aus Putzbrunn mit 14 zu 8 Stimmen. Der Unternehmensberater Kammer war bereits 2013 bei den Landtagswahlen angetreten, als die FDP-Fraktion aus dem Landtag katapultiert worden war.

Thalhammer führte damals die Fraktionsgeschäfte im Maximilianeum und musste viel Häme ertragen, als seine Politikerlaufbahn ganz unvermittelt am Tiefpunkt war. Düstere Zeiten, aus denen er sich herausgekämpft hat. Er hat eine Medienfirma aufgebaut. Als Schlagersänger hat der 37-Jährige sich vor allem in Polen einen Namen gemacht. Aber nicht aufgehört, politisch weiterzuarbeiten: als Gemeinderat in Neubiberg und als FDP-Fraktionssprecher im Kreistag. „Es waren lehrreiche Jahre“, sagt er über die Zeit im Landtag. Jetzt will er den Wiedereinzug der bayrischen FDP in den Landtag schaffen. Vor allem mit einer besseren Bildungspolitik. „Ich gebe mich erst zufrieden, wenn die Schüler aus Bayern weltweit die besten Chancen für ihr späteres Leben haben.“ Bayern sei nur noch Mittelmaß im weltweiten Vergleich, „Länder wie Slowenien und Estland sind uns in allen Disziplinen voraus.“

Ein anderes großes Thema der Liberalen ist die Digitalisierung. „Sie hilft in vielen Lebensbereichen weiter.“ Sein Beispiel aus dem Landkreis: An der TU in Garching werden Dronen entwickelt, die – schneller als jeder Krankenwagen – lebensrettende Medizin zu Notfallpatienten bringen könnten. Weiter fordert er Beitragsfreiheit für Kindergärten. Sein erster Antrag im Landtag aber, so verspricht Thalhammer, gelte der Beseitigung „eines Ungetüms“: Die Straßenbeitragsausbausatzung soll abgeschafft werden. „Es gibt in Unterhaching Bürger, die unverhofft eine Rechnung von 30 000 Euro bekommen.“

Als Direktkandidat für den nördlichen Landkreis überrascht Thomas Jännert. Gerade erst hat er seine Familie per WhatsApp gefragt, ob sie seine Kandidatur unterstützen würde. „Ja mach! Wir stehen hinter dir“, sei die Antwort seiner Frau gewesen, erzählt der Unternehmer, der sich auf Fahrzeugbau spezialisiert hat. „Machen“, das ist auch das Zauberwort des dreifachen Vaters. „Ich möchte etwas bewegen.“ Er erzählt, dass seine Mitarbeiter aus dem südlichen Landkreis zweieinhalb Stunden brauchen, um mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit nach Kirchheim zu kommen. Oder davon, dass er drei Flüchtlinge eingestellt hat: „Wir müssen alle drei Monate aufs Landratsamt gehen, um die Aufenthaltserlaubnis zu verlängern, obwohl die Arbeitserlaubnis für ein ganzes Jahr gilt.“ Obendrein müsse er hohe Strafgelder fürchten für den Fall, dass er eine First übersieht. „Wenn es den Unternehmern gut geht, geht es auch dem Landkreis gut“, sagt er, „denn wir finanzieren den Landkreis.“ Seine spontane und authentische Rede bringt ihm den Überraschungserfolg. Gegenkandidat Rochus Kammer nimmt es locker und gratuliert.

Die Landkreis-FDP hat ihre Kandidaten für die Wahlkreise 123 und 124 früher als alle anderen Parteien aufgestellt. „Die Geschäftsstelle hat zwar empfohlen, erst die Bundestagswahl abzuwarten“, sagt Wahlleiter Ulrich Lechte. Aber Kreisvorsitzender Ralph Peter Rauchfuß blieb hartnäckig und setzte die frühe Nominierung durch. „Wir sind den anderen Parteien einen Schritt voraus“, sagt Thalhammer, „wir gestalten schon, wenn CSU und SPD noch ihre Verwaltungsaufgaben machen.“

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