Marie-Lena Urban hält nichts von einer Quote – noch nicht. FOto: mm

„Nicht ständig entschuldigen“:

Garching - Es ist nur eine Kleinigkeit, die sie aus einem Workshop mitgenommen hat, doch er fällt Marie-Lena Urban als erstes ein: „Ich habe gelernt, dass wir Frauen uns nicht ständig entschuldigen sollten“, sagt die stellvertretende Personalchefin von Voith Turbo am Standort Garching-Hochbrück. „Männer tun es ja schließlich auch nicht.“

Bei diesem Satz muss Bertram Brossardt grinsen. Wenig später räumt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber (vme) ein: „Ich musste selbst erst lernen, dass Frauen manchmal unter sich sein wollen.“ Eine Chance dazu bietet ihnen das Programm „Frauen in Führungspositionen“, das Marie-Lena Urban eineinhalb Jahre lang durchlaufen hat - und das Brossardt heute nach Hochbrück zu Voith Turbo führt.

Denn die Garchinger Firma nimmt seit dem Start im Jahr 2010 an dem vme-Projekt „Frauen in Führungspositionen“ teil. Es umfasst nicht nur regelmäßige Workshops, die sich um Themen wie Kommunikation, Führungsinstrumente oder Karriereplanung drehen. Sondern jeder Teilnehmerin wird überdies ein Mentor aus dem eigenen Unternehmen zur Seite gestellt, der sie unterstützt und bei Fragen berät. Ein dritter wichtiger Aspekt des Programms sei der Austausch mit anderen weiblichen Nachwuchskräften, sagt Marie-Lena Urban. „Schließlich sind es ähnliche Fragen und Probleme, auf die man in männerdominierten Firmen stößt.“ Wie bei Voith: Hier sind gerade einmal 13 Prozent der Führungskräfte weiblich.

„Wir sind überzeugt von dem Programm und waren deswegen von Anfang an dabei“, sagt Steffen Krippendorf, Voith-Werkleiter in Garching. Er selbst habe gemerkt, wie sich die Teilnehmerinnen weiterentwickeln. „Ich sehe es vor allem am Auftreten - beispielsweise, wenn ich gemeinsam mit Frau Urban im Bewerbungsgespräch sitze.“ Zudem sei es für die Teilnehmerinnen wertvoll, sich auch mal außerhalb des Unternehmens mit anderen Frauen auszutauschen, findet Krippendorf.

„Mit diesem Projekt leisten wir einen wirksamen Beitrag, um die Potenziale von Frauen in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie noch besser zu nutzen“, ist Verbandschef Brossardt sicher. In Hochbrück lässt er seine Zuhörer wissen: „Frauen brauchen Chancen - keine Quoten.“ Vielmehr sei die Idee einer festen Frauenquote „im Berliner Raumschiff entstanden“, findet Brossardt. „Mit der Realität in den Unternehmen hat das wenig zu tun.“ Auch Marie-Lena Urban hält nichts von einer Quote - „noch nicht“, sagt sie. Denn: „Ich habe bislang erlebt, dass mir alle Chancen immer offen gestanden sind.“ Erst kürzlich habe ihr Voith eine Führungsposition angeboten, sagt die junge Frau. Ob sie die Offerte annehmen wird, will sie jedoch noch nicht verraten.

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