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"Nie den Stab über einen Menschen brechen"

- Richterin Ingrid Kaps will Straffälligen helfen

Hohenbrunn - Einen Grundsatz hat Ingrid Kaps immer vor Augen: "Nicht, wie schrecke ich ab, sondern wie bringe ich einen straffällig gewordenen Jugendlichen dazu, ihn von Straftaten abzuhalten." Die Hohenbrunnerin ist Jugendrichterin am Münchner Amtsgericht. Ein Traumjob, sagt sie.

"Es mag komisch klingen, aber ich wollte schon als Kind Polizistin oder Richterin werden. Ich hab ein gewisses Gerechtigkeitsgefühl, doch da waren noch andere Faktoren ausschlaggebend", sagt die 43-Jährige, die sich nach dem Abitur an der Münchner Uni für Jura einschrieb. Nach zehn Semestern, einer zweieinhalbjährigen Referendarszeit und zwei Staatsexamina folgten unter anderem fünf Jahre als Staatsanwältin - die übliche Vorgehensweise auf dem Weg zum Richterberuf, den sie immer fest im Blick hatte.

Seit 1994 arbeitet Ingrid Kaps im Dienste des Justizministeriums am Amtsgericht. Sie schätzt "den Umgang mit Menschen. Jeder Fall ist anders, da wird der Beruf niemals langweilig". Als Jugendrichterin ist sie mit mehreren Kollegen zuständig für jede Ordnungswidrigkeit, jede Straftat, die von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 20 Jahren begangen wird. "Es gibt Verfahren, die gehen an die Nieren", erzählt die Hohenbrunnerin. Entweder weil die Tat so schlimm sei oder weil das Schicksal des Täters sie nicht unbeeindruckt lasse.

Aber: "Befangenheit ist bei mir nicht da", betont die Richterin. Dazu habe sie zu viel Erfahrung. Den Stab über die jungen Täter zu brechen, liegt ihr fern: Der Großteil, der vor ihr auf der Anklagebank sitze, "ist genauso gut oder schlecht wie andere Menschen auch".

Dass die Zahl der besonders jungen Kriminellen in den vergangenen Jahren zugenommen habe, möchte sie nicht unterschreiben. Es gebe "Einzeltäter, die massiver aufgetreten sind". Zudem sei generell "ein Anstieg bei den Eingangszahlen" der Straftaten zu verzeichnen. Das Jugendgerichtsgesetz gilt ab 14 - von diesem Alter ab ist man strafmündig. Allerdings ist eine Gefängnisstrafe - die Mindeststrafe liegt bei sechs Monaten - für Ingrid Kaps der letzte Ausweg. Sie denkt an Fälle, wo die jungen Täter so "verwahrlost sind, dass sie schädliche Neigungen haben". Bei einem "wahnsinnig krassen Fall" musste der Verurteilte - ein Wiederholungstäter, der sich völlig uneinsichtig gezeigt habe - für einige Zeit in den Knast. Das sei die Ausnahme - "Wegsperren ist das letzte Mittel" - zunächst werde immer nach Möglichkeiten gesucht, um die Täter aus dem Teufelskreis zu holen: als da wären betreute Wohneinrichtungen wie etwa das Piusheim in Glonn. "Der Erziehungsgedanke ist vorrangig", so die Richterin.

Warum Teenager straffällig werden, lasse sich nicht mit einem Satz beantworten. Einige hätten ein problematisches oder gar kein Elternhaus, andere keinen Schulabschluss, würden auf der Straße herumlungern. "Man darf aber nicht alles auf die Eltern schieben", sagt Ingrid Kaps. Manche jungen Leute begingen Straftaten "aus Langeweile oder weil es cool ist". Oftmals, sagt die Richterin, sind die Angeklagten vor Gericht sehr einsichtig und auch durchaus dankbar. Da hat sie dann "ein bisschen die Hoffnung, etwas bewirken zu können".

Die Berufeserie endet mit diesem Mal. Der Münchner Merkur wünscht, dass vielleicht der ein oder andere Leser auf den Geschmack gekommen ist.

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