Nirit Sommerfeld verlässt das Kleine Theater Haar

Haar - Nach eineinhalb Jahren verlässt Nirit Sommerfeld (53) das Kleine Theater Haar. Sie hat ihren Vertrag auf eigenen Wunsch vorzeitig aufgelöst. Ein Konflikt um den Sparkurs beim Kulturbetrieb ist offenbar der Grund.

Der 31. März ist ihr letzter offizieller Arbeitstag. Ihr Vertrag wäre eigentlich noch bis 2016 gelaufen. Ab 1. April übernimmt Ileana Tautu, ihre bisherige Vertretung, kommissarisch die fachliche Leitung.

Die deutsch-israelische Theaterexpertin, Schauspielerin und Sängerin Nirit Sommerfeld trat im Juli 2013 an, um das Kleine Theater über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt zu machen und zu einem Zentrum für „Soziale Kultur“ zu entwickeln. In den vergangenen eineinhalb Jahren hatte das Haus mit Konzerten, Lesungen und einer „Kultur des Treffens“ Fahrt aufgenommen. Nicht nur Publikumslieblinge wie die Veranstaltungsreihe „SeelenART“ verzeichneten steigende Besucherzahlen. Mit Angeboten wie dem Kultur-Brunch am Sonntag wurden weitere Besucher gewonnen. Eine neue Homepage, ein Newsletter und ein Programmheft haben das Haus bekannter gemacht. Viele Menschen haben in den vergangenen Monaten das Kleine Theater für sich entdeckt. Großes Lob für Nirit Sommerfeld und ihr Team findet sich im Gästebuch: „Wir waren gestern zum ersten Mal im Kleinen Theater und sind von allem sehr beeindruckt“, ist dort beispielsweise zu lesen.

Im Juni 2013 übernahm das kbo-Sozialpsychiatrische Zentrum den Betrieb vom Verein Regenbogen und Nirit Sommerfeld im Juli 2013 die Gesamtleitung des Kleinen Theaters. Der Kultur- und Spielbetrieb wurde erweitert. Im Herbst 2014 zeigte sich dann ein größeres Defizit: Bis dahin hatten der Bezirk Oberbayern und die Gemeinde Haar den Betrieb mit 120 000 Euro gefördert. Dieses Budget wurde um weitere 60 000 Euro aufgestockt.

Trotzdem wird das Programm seit Januar zurückgefahren. Die Zahl der Konzerte und Lesungen ist deutlich reduziert, wie der Blick auf die neue Spielzeit zeigt. Seit Anfang 2015 gibt es den Kultur-Brunch mit Livemusik, der früher wöchentlich stattfand, nur noch zweimal monatlich. Der Umbau der Café-Theke wurde verschoben und der Kinoabend am ersten Mittwoch im Monat gestrichen. Hat der Bezirk bei der Kultur den Rotsift angesetzt? Markus Witzmann, Geschäftsführer des kbo-Sozialpsychiatrischen Zentrums, erklärt: „Die vergangenen eineinhalb Jahre sind auch eine Findungsphase gewesen, auf der wir aufbauen, um auch künftig - wenngleich in reduziertem Umfang - ein vielseitiges kulturelles Programm neben den weiteren Facetten zu bieten.“ Es gelte, über den reduzierten Umfang der Veranstaltungen auch eine stabile finanzielle Basis für den Fortbestand herzustellen.“ - Diesen verordneten Sparkurs, speziell bei den Kulturangeboten, wollte Sommerfeld offenbar nicht mittragen. Trotz der Trennung lobt Witzmann die positive Entwicklung des Hauses: „Es wurden neue Besucher und neue Künstler gewonnen, neue Ideen erprobt. Auf dieser Basis möchten wir das Konzept in Richtung Stärkung der sozialen Kultur weiter entwickeln.“ Insgesamt sieht er drei konzeptionelle Säulen: den Spiel- und Kulturbetrieb, den Gastronomiebetrieb und die Vermietung für Privat- und Firmenveranstaltungen, gerade dieser Bereich soll aus wirtschaftlichen Gründen mehr in den Vordergrund gerückt werden.

„Wir glauben an das Kleine Theater“, betont Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD): „Frau Sommerfeld hat einiges bewegt.“

Die 53-Jährige, die noch bis Ende März Angestellte des Sozialpsychiatrischen Zentrums ist, möchte sich selbst nicht äußern. Künftig werde sie sich wieder verstärkt ihren eigenen Projekten widmen, heißt es in einer Pressemitteilung. Auch im Kleinen Theater wird Sommerfeld zu sehen sein: Im November tritt sie mit ihrem Programm „Was sie schon immer über Juden und Israelis wissen wollten . . .“ auf.

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