Katja Tombrock-Söll (CSU) aus Brunnthal schafft es nicht ins EU-Parlament. Foto: privat

Noch stärker als im Bund: AfD holt 8,8 Prozent bei der Europawahl

Unterhaching - Platz 31 auf der CSU-Liste reicht nicht fürs EU-Parlament. Das war klar für Katja Tombrock-Söll (46) aus Brunnthal. Aber sie hatte ein besseres Ergebnis für ihre Partei erwartet, die an die europakritische „Alternative für Deutschland" (AfD) Stimmen verloren hat. Oder doch an die SPD?

Die Politikwissenschaftlerin Katja Tombrock-Söll hat zehn Jahre in Brüssel im EU-Parlament gearbeitet. Sie ist überzeugte Europäerin. „Es war klar, dass die AfD entsprechend punkten würde. Und die Bürger in Bayern waren wahlmüde“, analysiert sie das Ergebnis. „Dazu hatte die SPD mit Martin Schulz einen deutschen Spitzenkandidaten.“ Damit wäre das Ergebnis bündig erklärt. Ob sie bei der nächsten Europawahl wieder für die CSU kandidieren will, lässt Katja Tombrock-Söll offen. Aber für die europäische Idee wird sie sich immer einsetzen.

Für Ernst Weidenbusch aus Haar, Landtagsabgeordneter und CSU-Kreisvorsitzender, wäre jetzt erst einmal interessant, ob seine Partei an die AfD oder die SPD Stimmen verloren hat. Das ist wichtig für die Analyse.

Da kann Natascha Kohnen aus Neubiberg, Generalsekretärin der bayerischen SPD, vielleicht helfen. Für sie steht fest: „Die CSU hat der AfD mit ihren Parolen den Weg geebnet.“ Sie sei „echt sauer“, dass viele Parteien versucht hätten, mit europafeindlichen Sprüchen „die schnelle Wählerstimme zu fangen“. Die Angriffe auf SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz fand sie fast schon unanständig.

Über „ein tolles Ergebnis“ freut sich AfD-Kreisvorsitzender Torsten Probst aus Taufkirchen. 8,8 Prozent im Landkreis, in seiner Heimatgemeinde gar 10,6 Prozent - das beflügelt den Berufsoffizier. „Jetzt geht die Arbeit richtig los im Landkreis München!“ Die AfD werde noch mehr Mitglieder gewinnen und lokal Präsenz zeigen.

„Für die AfD ist das die Wahl der Wahlen gewesen. Die Wahl, für die es diese Partei überhaupt gibt“, sagt Tobias Thalhammer aus Neubiberg, FDP-Fraktionsvorsitzender im Kreistag. So erklärt er sich, dass die AfD die FDP klar hinter sich gelassen hat. Wobei das Ergebnis der Liberalen im Landkreis mit 5,1 Prozent noch deutlich über dem Bundesschnitt liegt. 2009 allerdings hatte die FDP im Landkreis München 13,4 Prozent.

Der Landtagsabgeordnete Nikolaus Kraus aus Ismaning freut sich, dass seine Freien Wähler mit ihrer Spitzenkandidatin Ulrike Müller ins Europaparlament einziehen. Die AfD hätte er nicht so stark erwartet. gü

Stimmen zur Europawahl:

Natascha Kohnen, Generalsekretärin der bayerischen SPD aus Neubiberg: „Wir sind glücklich. Weil wir mit einem pro-europäischen Wahlkampf gezeigt haben, dass Europa ein Projekt für die Zukunft ist. Ohne zu vernachlässigen, dass manches auch auf Ebene der Regionen geregelt werden kann, Stichwort Subsidiarität. Ich hoffe, dass dieses Ergebnis auch in Zukunft Auswirkungen auf den Politikstil hat.“

Ernst Weidenbusch, CSU-Landtagsabgeordneter aus Haar: „Das Ergebnis der CSU im Landkreis liegt im bayrischen Landestrend. Es ist natürlich unbefriedigend. Persönlich befürchte ich, dass die CSU ihr uneinheitlicher Auftritt im Wahlkampf Stimmen gekostet hat. Mal waren wir eher europafreundlich, dann wieder europakritisch. Erfahrungsgemäß ist das nicht so gut, wenn man nicht geschlossen auftritt. Das Ergebnis der AfD überrascht mich nicht.“

Susanna Tausendfreund, Stellvertretende Landrätin der Grünen und Bürgermeisterin von Pullach: „Unser Ergebnis im Landkreis ist passabel. Im Vergleich zu den letzten Wahlen liegt es im Mittelfeld, darüber freue ich mich. Bedenklich ist das starke Ergebnis der AfD. Sie hat viel Protestpotenzial sammeln können. Viel Inhalt ist ja nicht dahinter und auch kein Lösungsvorschlag. Da wurde auch rechtes Potenzial bedient.“

Tobias Thalhammer, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Kreistag: „Mit 5,1 Prozent liegen wir im Landkreis deutlich über dem FDP-Bundesdurchschnitt. Deshalb ist das kein Ergebnis, das uns im Boden versinken lässt. Es zeigt, dass die FDP weiter fester Bestandteil der Landkreispolitik ist. Sicherlich sind auch einige FDP-Wähler zur AfD gewechselt. Auch wir haben uns mit dem Thema Euro zwar intensiv beschäftigt, aber das wurde leider etwas verwässert.“

Torsten Probst, AfD-Kreisvorsitzender aus Taufkirchen: „Ich bin definitiv mit unserer Kreisarbeit zufrieden. 8,8 Prozent, deutlich über dem Bundesschnitt - da können wir nicht viel falsch gemacht haben. Ein ganz tolles Ergebnis. Aber jetzt geht die Arbeit erst richtig los.“

Nikolaus Kraus, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler aus Ismaning: „Wir freuen uns, dass wir einen Sitz gewonnen haben. Das gute Ergebnis der AfD finde ich etwas überraschend dafür, dass sie eigentlich bloß für das Thema Finanzen steht.“ hor/gü

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