Wert über oder unter 100?

Corona-Inzidenz-Chaos im Landkreis München: Notbremse wird vertagt - „Es ist Schwachsinn“

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
    schließen

Die Corona-Notbremse ist vertagt, obwohl sich die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis München seit Dienstag über der Marke von 100 bewegt. Der Grund dafür ist kaum befriedigend.

Landkreis München – Die sogenannte Notbremse ist vertagt. Seit Dienstag bewegt sich die Sieben-Tage-Inzidenz über dem Wert von 100. Eigentlich hätten den Landkreis von Samstag an weitreichende Einschränkungen getroffen. Gestern wurde die Inzidenz plötzlich mit 87 angegeben – wegen eines Übertragungsfehlers von Datensätzen. Trotz der Panne, der Lockdown kommt wohl erst am Montag.

Corona-Chaos im Landkreis München: Falsche Inzidenzdaten übertragen

Im Januar sorgte das Landratsamt wegen einer Datenpanne über Wochen für Schlagzeilen. Nun gibt es ein neues Missgeschick: Weil dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) fehlerhafte Daten übertragen wurden, sank die Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstag von über 100 auf 87,3. Das ist falsch. Nach eigener Berechnung läge die Zahl aktuell bei 106,14, sagte Landrat Christoph Göbel (CSU) gestern im Online-Pressegespräch.

Die Zahl des Robert-Koch-Instituts sei für Einschränkungen entscheidend, und die liegt nun offiziell unter 100. Deshalb ist die sogenannte Notbremse zumindest in dieser Woche vom Tisch. Sie greift, wenn der Wert an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 liegt. Dann muss das Landratsamt die Notbremse bekannt machen.

Corona im Landkreis München: Notbremse gilt frühestens ab Montag

Die neuen Regeln (etwa Ausgangssperre, striktere Kontaktbeschränkungen, Click&Collect) gelten dann am nächsten Tag. „Es ist Schwachsinn“, sagte Göbel. Es bleibe aber nichts anderes übrig. Morgen solle die Inzidenz wieder stimmen. Der Landrat ist sich sicher, dass die Notbremse ab Montag greift. Die Infektionszahlen steigen nämlich.

So wie in Alten- und Pflegeeinrichtungen. Dort wurden 18 Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet, vergangene Woche waren es noch vier Menschen. Tatsächlich sind unter den Infizierten Bewohner, die bereits den vollen Impfschutz haben oder sich früher bereits mit dem Virus angesteckt hatten. Auch wegen der Re-Infektion von Geimpften und Genesenen sei es sinnvoll, „dass Geimpfte weiter Maske tragen“, sagte Göbel. Die gute Nachricht: Alle positiv getesteten Bewohner sind asymptomatisch.

Corona-Impfungen: Landkreis München erwartet kommende Woche 11 500 Impfdosen

Damit auch die restlichen Bürger im Landkreis nicht am Virus erkranken, soll zügig weiter geimpft werden. Mit Priorisierungsgruppe 2 wurde bereits begonnen. Kommende Woche sollen dazu über 11 500 Impfdosen in den Landkreis geliefert werden – so viele wie noch nie innerhalb einer Woche.

Gestern begannen über die Pilotpraxen hinaus weitere Hausärzte damit, Patienten zu impfen. 610 Menschen bekamen in den Praxen bisher Impfstoff verabreicht. In dieser Woche hat jede Hausarztpraxis Anspruch auf 20 Impfdosen, kommende Woche sollen es 50 sein. Göbel appellierte an alle Hausärzte, auch Patienten in ihren Praxen zu impfen: „Je mehr Hausärzte mitmachen, desto mehr Impfungen gibt es im Landkreis.“

Astrazeneca-Impfungen: Wahlmöglichkeiten für Menschen unter 60 vor zweiter Impfung

Bei den Impfungen gebe es für impfberechtigte Bürger keine Wahl des Vakzins, betonte Göbel erneut. Ausnahme: Menschen, die bereits die erste Impfung mit dem Stoff von Astrazeneca bekommen haben und unter 60 Jahre sind. Vor der zweiten Impfung haben Berechtigte dann folgende Wahlmöglichkeiten: Astrazeneca, ein anderer Impfstoff oder die Zweitimpfung verschieben. Impfberechtigte unter 60 Jahren bekommen kein Astrazeneca-Vakzin.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Landkreis-München-Newsletter.

(Von Max Wochinger)

Rubriklistenbild: © Symbolbild dpa / Gil Cohen Magen

Auch interessant

Kommentare